Der CEO von Julius Bär, Boris Collardi, legt des Fokus auf die Beilegung des Steuerstreits und der Integration des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch. In einem Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» spricht er über die damit einhergehenden Herausforderungen.

Collardi rechnet nach wie vor mit einer Lösung für die Bank im US-Steuerstreit und erwähnt den Wunsch nach einem Rahmenabkommen für den Finanzplatz, «damit alle Banken ihr Problem einzeln lösen können.» Julius Bär hat gemäss Collardi die von den USA verlangte Leaver-Liste nach Bern versandt. «Daraus geht hervor, zu welchen Instituten Kunden ihre Gelder verschoben haben. Wir gehen davon aus, dass die Liste im Rahmen der Gesamtverhandlung zur Verfügung gestellt wird», erwähnt der Chef von Julius Bär.

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«Werden bald über die Höhe der Busse sprechen müssen»

Über die mögliche Bussensumme will sich Collardi nicht festlegen. «Hätten wir konkrete Hinweise, müssten wir entsprechende Rückstellungen machen.» Weil die Bank proaktiv aus dem Geschäft mit US-Geldern ausgestiegen und das amerikanische Justizdepartement selbst angegangen ist, könnte Goodwill bei den Amerikanern für Julius Bär vorhanden sein, betont Collardi. Dies sei aber schwierig abzuschätzen. «Aber wir kommen bald an diesen Punkt in den Verhandlungen und werden über die Höhe der Busse sprechen müssen.»

Zur Integration vom Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch meint der CEO, die Fusion gehe aus «kultureller Hinsicht» schneller vorwärts als erwartet. Als Negativeffekt macht Collardi gewisse Gebaren von Anlageberater aus: Viele Anlageberater sähen sich nun in einer zu bequemen Situation und denken, sie hätten für den Transfer der Assets ihrer Kunden Zeit bis zum Ende des ganzen Prozesses. «Wenn das Schule macht und dann alles gleichzeitig kommt, riskieren wir Kapazitätsengpässe», warnt der Julius Bär CEO.

Komplexe Beziehungen bei Merrill Lynch

Als Gründe für die höheren Kosten der Übernahme macht Collardi beispielsweise die komplexen Beziehungen bei Merrill Lynch verantwortlich: «Das erfordert den Einsatz von mehr externen und temporären Mitarbeitern. Deshalb kostet die Übernahme nun etwas mehr.» Bis im Februar 2014 sollte der Asset-Transfer grösstenteils über die Bühne gegangen sein, so Collardi.

(vst/awp)