Julius Bär plant nach dem Kauf der internationalen Vermögensverwaltung von Merrill Lynch einen grösseren Abbau im Backoffice, wie mehrere interne Quellen von Julius Bär sagen. «Unsere Chefs haben uns gegenüber betont, wie wichtig ihnen die Kundenberater sind», sagt einer der Informanten. «In den unterstützenden Abteilungen sieht das allerdings anders aus.»

Von 2243 Mitarbeitern von Merrill Lynch arbeiten 528 als Kundenberater, 1715 Angestellte hinter den Kulissen. In London etwa unterhält Merrill Lynch mehrere grosse Analyseteams, die ähnliche Arbeit leisten wie ihre Bär-Kollegen in Zürich. Hier dürfte Julius Bär die Axt zuerst ansetzen. Weitere grosse Supportteams von Merrill Lynch arbeiten in Hongkong und Singapur – auch hier verfügt Julius Bär bereits über eine starke eigene Infrastruktur.

«Es wird voraussichtlich vor allem dort einen Abbau geben, wo überlappende Standorte bestehen», bestätigt Bär-Sprecher Jan Vonder Mühll. Zu konkreten Standorten oder Zahlen nimmt Vonder Mühll keine Stellung. «Wir werden erst analysieren, in welchem Umfang Vermögen übernommen werden, und dann die Strukturen entsprechend aufbauen», sagt der Sprecher.

In Genf, wo Merrill Lynch ein weiteres grosses Backoffice führt, werden vor allem Gelder aus Lateinamerika und dem Nahen Osten verwaltet. Anders als in London droht hier gemäss dem Insider in den nächsten zwei Jahren kein Stellenabbau.
 
Insgesamt dürften die Kundenberater vom Umbau weitgehend verschont bleiben. Julius Bär hat sogar über 90 Millionen Franken eingeplant, um guten Merrill-Lynch-Beratern das Bleiben zu versüssen. Das sind rund 170'000 Franken pro Kopf. Sie sollen dafür sorgen, dass von den 81 Milliarden Franken, die Merrill Lynch verwaltet, bis zu 88 Prozent den Weg zu Julius Bär finden. Die meisten davon aus Asien und Lateinamerika.  
 
IT-Projekt verschoben
 
Ebenfalls verschont werden dürften die IT-Leute von Julius Bär in der Schweiz. Sie müssen sich für einen Grossumbau rüsten: In zwei Jahren soll ein globales System die lokal verschiedenen heutigen Plattformen ersetzen. Eigentlich hätte die Riesenbaustelle schon nächstes Jahr starten sollen – doch nun kommt die Integration von Merrill Lynch dazwischen.

«Man könnte argumentieren, dass es besser wäre, erst die Infrastruktur zu stärken und dann erst die Vermögenswerte aufzunehmen», sagte Bankchef Boris Collardi vor wenigen Tagen in Zürich. «Wir haben in diesem Fall nicht wirklich eine Wahl, die Transaktion steht heute an, also machen wir sie heute und passen die IT später an.»

(oku/tno)

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