Es sind ungewohnte Tage für Julius-Bär-Chef Boris Collardi. Der Börsenwert der erfolgsverwöhnten Privatbank ist unter Druck. Die drohende Busse in den USA, der harte Schweizer Franken und Gewinnmitnahmen von Anlegern lasten auf dem Titel. Statt aufwärts gehts derzeit seitwärts. Doch ein Dynamiker lässt sich davon nicht bremsen.

Munter mischt er auf, kauft zu, heuert an. Kürzlich hat er sich mit 40 Prozent am mexikanischen Finanzberatungs­unternehmen NSC Asesores beteiligt. Das ist zwar ein kleiner Schritt, aber er markiert den Einstieg in den zweitwichtigsten Vermögensverwaltungsmarkt Lateinamerikas nach Brasilien.

Aufrüsten an der Personalfront

Vor allem aber rüstet Collardi an der Personalfront tüchtig auf. Seine jüngsten Zuzüge heissen Barend Fruithof, Richard Straus, Bernard Kobler, Hector Sants, ­Parminder Soin. Und bereits wird in Hongkongs Finanzkreisen spekuliert, ob hinter der Kündigung von Jimmy Lee, dem Chef des Private Banking der Credit Suisse in der ehemaligen Kronkolonie, wiede­rum der expansionsfreudige Collardi steckt. Überraschen würde es niemanden.

Mit der Akquise von Fruithof als künf­tigem Schweiz-Chef hat er für Schlagzeilen gesorgt. Der umtriebige Fruithof steigt vom CS-Tanker, wo er das Firmenkreditgeschäft leitete, auf die kleine, aber feine Bär-Yacht um. Dort sollen seine vielfältigen Kontakte für Rückenwind sorgen. Der frühere Zehnkämpfer kennt aus der CS-Zeit Dutzende Unternehmer, die ihre Assets gewinnbringend verwaltet sehen möchten. Collardi hofft, gemeinsam mit Fruithof den einen oder anderen von einem Adresswechsel überzeugen zu können. Fruithof, der neben der Credit Suisse auch die Zürcher Kantonalbank und Raiffeisen-Gruppe von innen kennt, ist im Heimmarkt bestens verdrahtet. Er sitzt im Vorstand des Arbeitgeberverbandes und ist Präsident des Arbeitgeberverbandes der Banken in der Schweiz. In dieser Funktion handelte er das neue Regime zur Erfassung der Arbeitszeit mit den Sozialpartnern aus. Seine Schwester, Majo Fruithof, ist verheiratet mit Ex-Roche-Präsident Franz Humer.

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Hongkong und Singapur im Visier

Vor Fruithof angelte sich Collardi bereits Bernard Kobler. Ihn machte er Mitte Juni zum Leiter Zentralschweiz. Kobler war Chef der Luzerner Kantonalbank, bis er über eine Affäre mit einer Brasilianerin stolperte.

In Asien wiederum kaufte Collardi die Senior-Banker Richard Straus und Parminder Soin ein. Straus kommt von der amerikanischen Citi Private Bank mit Sitz in Hongkong, Soin war bei der UBS in Singapur und soll für Collardi das Geschäft mit vermögenden Indern asienweit ausbauen.

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