Herr Kessler, andere Skigebiete müssen neidisch auf Sie sein!
Das kann ich nicht beurteilen, wir gehen unseren eigenen Weg.

Sie lassen ab Winter 2020/21 im Skigebiet von Grindelwald und Wengen nur noch 17'800 Menschen auf die Piste. Demnach ­müssen Sie ja überrannt werden?
Mit den beiden neuen V-Bahnen steigt die Attraktivität des Skigebiets enorm. Wir rechnen mit einer stark wachsenden Nachfrage. Schon jetzt waren an manchen Tagen mehr als 20'300 Personen auf der Piste. Das sind zu viele.

Schrecken Sie damit nicht Kunden ab?
Wintersport entwickelt sich immer mehr zu einem Luxusgut. Gäste erwarten ein Topangebot: schnelle und praktische Anreise, moderne Anlagen und keine Warte­zeiten auf den Pisten. Damit haben wir langfristig mehr Erfolg, als wenn wir nur auf Masse setzen würden.

Wie bitte? Sie leben doch davon, dass möglichst viele Gäste auf die Pisten kommen?
Nicht die Frequenzen sind entscheidend. Wir wollen unseren Gästen möglichst ein qualitativ hochwertiges Erlebnis bieten. Rentabilität ist wichtiger als Wachstum um jeden Preis. In den nächsten Jahren wollen wir die Durchschnittserträge pro Gast, etwa beim Ausflug aufs Jungfraujoch, von 112 auf 120 Franken steigern.

Sie erhöhen also die Preise?
Wir ­machen regelmässig moderate Preisanpassungen. Vor allem aber ver­zichten wir auf Dumpingaktionen.

Wieso verzichten Sie auf den neusten Trend: dynamische Preise?
Für uns ist eine klare und einfache Kommunikation der Preise wichtig. Deshalb verzichten wir bewusst auf dynamische Preise. Man kann Kunden ­verärgern, wenn einer für den gleichen Tag 40 Franken und ein ­anderer 100 Franken bezahlt.

Anzeige

Was verbessert sich mit den V-Bahnen?
Einen Teil des Terminals und die Männlichenbahn haben wir nun pünktlich eröffnet. Auch der Eiger-Express zum Eigergletscher wird nächsten Dezember pünktlich eröffnet werden. Damit ist man künftig von Bern oder Zürich 47 Minuten schneller im Skigebiet. Die Qualität der Zu­bringerbahnen war nicht mehr auf dem internationalen Standard. Jetzt kommen wir in die Champions League. Entweder gehört man zu den Besten, oder man geht unter.

Diese und weitere Artikel lesen Sie in der neuen BILANZ, erhältlich am Kiosk oder mit Abo bequem im Briefkasten.

Jetzt abonnieren