Die Firma Jungheinrich ist erfolgreich in das erste Halbjahr 2007 gestartet. Geht das bis Ende Dezember so weiter?

Hans-Georg Frey: Wir verzeichneten in den ersten sechs Monaten ein starkes weltweites Wachstum, vor allem in Europa, nicht zuletzt getrieben durch Osteuropa. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte sich der Auftragseingang um 12,5%, der Umsatz um rund 19%. Das Betriebsergebnis (Ebit) konnten wir um 23% auf 62,2 Mio Euro verbessern. Wir sind überzeugt, dass sich diese positive Entwicklung auch bis Jahresende fortsetzen wird.

Damit könnte Jungheinrich erstmals die 2-Mrd-Euro-Grenze beim Umsatz überschreiten...

Frey: ... wir hoffen natürlich sehr, dass wir dieses Ziel mit unserer hochmotivierten Mannschaft erreichen werden. Einzig
die Bankenkrise und deren noch ungewisse Auswirkungen bereiten uns etwa Sorge.

Welche Ziele hat sich Jungheinrich für das Jahr 2008 gesteckt?

Frey: Wir gehen davon aus, dass der Markt für Flurförderzeuge im kommenden Jahr weiter wachsen wird. «Störfaktoren» dabei könnten einmal die Verfügbarkeit der knappen Rohstoffe und deren Preisentwicklung, aber auch das Wechselkursrisiko und die bereits erwähnte Bankenkrise sein.

Auf welchen Märkten will sich Jungheinrich in Zukunft stärker engagieren?

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Frey: Zu unseren Wachstums-Schwerpunkten gehören Osteuropa mit Russland sowie Asien und hier insbesondere China. Wir verfolgen aber auch die Entwicklung in anderen Absatzgebieten, wie beispielsweise Südafrika und Brasilien.

Jungheinrich versteht sich heute als «produzierender Logistikdienstleister». Was heisst das genau und wie teilt sich der Umsatz derzeit auf Stapler einerseits und Logistikanlagen andererseits auf?

Frey: Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen Fahrzeuge für die Intralogistikwelt. Darüber hinaus bauen wir unsere Angebote bei kerngeschäftsnahen Dienstleistungen kontinuierlich aus. Konkret, wir
diversifizieren in zahlreiche Dienstleistungen im gesamten Bereich der Intralogistik, wie etwa die Vermietung und die Finanzierung von Staplern sowie das Management von Staplerflotten und das Occasionsgeschäft. Zudem sind wir heute in zunehmendem Masse als Generalunternehmer im Lagergeschäft tätig, das heisst, wir planen und realisieren komplexe Lageranlagen und entwickeln auch deren Steuerung in eigener Regie. Um ein paar Zahlen zu nennen: Der After-Sales-Service machte 2006 bereits rund 30% des Konzernumsatzes aus; das Geschäftsfeld Logistiksysteme, also Planung, IT-Lösungen und Regale, steht für rund 16% des Umsatzes.

Der Bereich Dienstleistungen rund um den Stapler wird immer wichtiger, welche Bedeutung hat dieser bei Jungheinrich?

Frey: Wir stellen eine stetig zunehmende Nachfrage nach Dienstleistungen seitens unserer Kunden fest. Diesem Trend entsprechen wir mit einem umfassenden Angebot an Serviceleistungen wie etwa Finanzierung, Miete und Flottenmanagement oder Ausbildung des Bedienungspersonals.

Wie steht es mit dem Preiskampf auf dem Staplermarkt. Wie kann man diesem ausweichen?

Frey: Der Preiskampf in unserer Branche ist wirklich extrem hart. Für Jungheinrich gibt es aber klare Grenzen. So haben wir uns durchaus schon von Aufträgen distanziert, bei denen wir über die Zeitachse betrachtet keinen ausreichenden Ertrag erwirtschaften konnten. Wenn schon das Neugeschäft kaum profitabel ist, dann müssen zumindest über die geplante Laufzeit eines Geschäftes die zusätzlichen Dienstleistungen rund um das Fahrzeug einen vernünftigen Ertrag abwerfen. Wir müssen profitabel wachsen, denn diese Profitabilität ist die Voraussetzung dafür, dass unser Unternehmen auch in Zukunft Investitionen in Produkte und Märkte vornehmen und unabhängig bleiben kann.

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Wie beurteilt Jungheinrich die asiatischen Konkurrenten im Staplermarkt?

Frey: Chinesische Anbieter werden auch in Europa als Mitbewerber aktiv werden, daran besteht kein Zweifel. Andererseits ist das Staplergeschäft heute ein äusserst dienstleistungsintensives Geschäft, und in diesem Bereich werden es die asiatischen Konkurrenten schwer haben, die Anforderungen der europäischen Kundschaft erfüllen zu können.

In welchem Bereich der Logistik ist in naher Zukunft am ehesten mit Konkurrenten aus China zu rechnen?

Frey: Ausgehend von den technisch einfacheren Geräten wie etwa Handgabelhubwagen oder Niederhubwagen, die keine umfassenden Dienstleistungen benötigen, ist mit Wettbewerbern aus China zu rechnen.

Welche Bedeutung hat der Occasionsmarkt für Stapler bei Jungheinrich?

Frey: Durch die zunehmende Bedeutung des Leasing- sowie des Mietgeschäftes wird auch der Handel mit gebrauchten Geräten immer wichtiger. Wir haben dafür soeben ein neues Gebrauchtgerätezentrum in Dresden eröffnet. In diesem Zentrum finden der Neuaufbau, die Reparatur und der Umbau von gebrauchten Fahrzeugen, zentralisiert für alle europäischen Jungheinrich-Vertriebsgesellschaften, statt.

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Jungheinrich produziert einen Grossteil seiner Produkte in Deutschland, einem teuren Standort. Rechnen Sie in Zukunft mit einer Verlagerung der
Fertigung in lohnkostengünstigere Regionen?

Frey: Jungheinrich produziert heute vornehmlich in Deutschland. Eine hohe Produktivität und Wirtschaftlichkeit zeichnet unsere Werke aus. Von Deutschland aus können wir unsere Kernmärkte in Europa gut bedienen. Grundsätzlich sollte ein Hersteller dort fertigen, wo er die besten Rahmenbedingungen und die Nähe zu seinen Märkten findet. So haben wir kürzlich ein eigenes Montagewerk in Qingpu, nahe Schanghai, in China eröffnet, wo wir Geräte für den chinesischen Markt fertigen.

Ein Blick auf die Technik. Welche technischen Innovationen sind beim
Stapler in Zukunft noch möglich?

Frey: In den Bereichen Ergonomie, Sicherheit und Antriebstechnik sind sicherlich noch weitere Verbesserungen möglich. Ich möchte hier unsere beiden jüngsten Entwicklungen erwähnen: Einmal das Multifunktionslenkrad JetPilot sowie unseren hydrostatisch angetriebenen Gegengewichtsstapler. Auch bei den Life-Cycle-Kosten sind weitere Optimierungen vorstellbar. Entscheidend dabei ist aber die Entwicklung der Nachfrage seitens der Kundschaft. Wie wird sich die Lagerlogistik kundenseitig entwickeln? Dieser Trend wird die Entwicklung von Lagertechnikgeräten ebenfalls stark beeinflussen. Schliesslich muss der Kunde auch in Zukunft bereit sein, moderne Geräte zu kaufen und zu bezahlen.

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Sind bei den Antriebssystemen für Stapler in naher Zukunft entscheidende Änderungen zu erwarten? Stichworte dafür sind Hybridantrieb, Wasserstoffantrieb oder die Brennstoffzelle?

Frey: Wir befassen uns natürlich intensiv mit verschiedenen alternativen Antriebssystemen. So entwickeln wir beispielsweise im Rahmen eines Forschungsprojektes des Forschungszentrums Jülich ein Brennstoffzellenkonzept für Elektrohubwagen.

Sind Akquisitionen derzeit ein Thema?

Frey: Salopp gesagt, Grösse ist nicht unser Ziel. Wir kaufen kein Unternehmen und verkaufen auch keine Firma. Wir sind überzeugt, gross und stark genug zu sein, um auch in Zukunft als innovativer Wettbewerber in der Intralogistik eine führende Rolle zu spielen.