Der US-E-Zigaretten-Hersteller Juul steht vor dem Einstieg in den Schweizer Markt. Details dazu soll es in den nächsten Tagen geben. Zwar will Juul dies noch nicht bestätigen, doch gemäss «Handelszeitung»-Recherchen steht der Länderchef für die Schweiz schon fest: Jonathan Green, vormals Länderchef der Novartis-Tochter Alcon, übernimmt die Leitung für den hiesigen Markt – jetzt im Auftrag des E-Zigaretten-Herstellers.

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Einfach wird der Markteintritt nicht: In den USA spricht die Gesundheitsbehörde FDA bereits von einer «Epidemie», wie das Magazin «Der Spiegel» berichtet. «Ich werde nicht zulassen, dass eine Generation von Kindern durch E-Zigaretten nikotinsüchtig wird», sagt FDA-Chef Scott Gottlieb. Die FDA habe umfassende Verkaufsbeschränkungen angekündigt.

Schweiz im Fokus

Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der hiesige Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten und auch E-Zigaretten regeln.

Das Interesse von Juul in der Schweiz ist virulent. Noch dieses Jahr sollen die Nikotindampfer stationär vertrieben werden. Eine Firma namens Juul Labs Switzerland ist das Vehikel dafür – «eine reine Vertriebsorganisation», wie es aus firmennahen Kreisen heisst. Die «Handelszeitung» berichtete. Detailhändler Valora, der E-Zigaretten anderer Lieferanten bereits im Sortiment hat, teilte dazu mit, laufend neue Produkte zu prüfen. «Wir stehen mit deren Anbietern in Kontakt.»

Juul Labs Switzerland ist seit 24. September in der Schweiz registriert. Unter anderem geht es um den Vertrieb «elektrischer Verdampfer von Pflanzenmaterial, herunterladbarer Software für Mobilgeräte zur Verwendung mit einem oralen Verdampfer» sowie die «Fernanpassung der Verdampfertemperatur» über das Internet.

Nutzung durch Jugendliche umstritten

Herausfordernd für den Markteintritt sind aber nicht nur die umstrittenen Vertriebspraktiken von Juul in den USA, wenn es um den Verkauf an Jugendliche geht. Sondern auch der teils hohe Nikotingehalt, für den Juul bekannt ist. Dessen Produkte weisen in den USA deutlich höhere Nikotinkonzentrationen auf als anderswo: bis zu 54 Milligramm. In den USA haben die meisten Anbieter zwischen 10 und 25 Milligramm Nikotin in der Kartusche.

In Europa und in der Schweiz erlaubt sind aber nur maximal 20 Milligramm. Der Verkaufsvorteil in den USA ist hierzulande nicht gegeben. Juul kann die Kartuschen in Europa nicht überkonzentriert verkaufen. Der von den Konsumenten vielfach gesuchte Nikotin-Effekt fällt wohl oder übel schwächer aus. Was Juul bleibt, ist der Coolness-Faktor. Das Durchschnittsalter der Raucher liegt hierzulande bei etwa vierzig Jahren.

Juul hatte im US-Markt bisher ein sehr junges Publikum und kennt das Problem: «Wir wollen sicherstellen, dass unser Produkt nur von erwachsenen Rauchern verwendet wird", sagt eine Sprecherin. Und: «Wir verpflichten uns zur Zusammenarbeit mit lokalen Regulierungsbehörden.»