Früher pilgerten Tausende von jungen Tessinern an Deutschschweizer Hochschulen, weil eine Bildungsalternative im eigenen Kanton fehlte. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist das anders. Nach der Università della Svizzera italiana in Lugano wurde unweit davon 1997 die Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana, kurz Supsi, aus der Taufe gehoben. Gegründet wurde das in Manno gelegene Institut vom Kanton Tessin, der dafür bestehende Berufsschulen sowie öffentliche Forschungsinstitute zusammengeführt und integriert hat.

Wirtschaft eine der Fachrichtungen

In den letzten Jahren wurden laufend neue Institute integriert. Das Resultat ist eine Fachhochschule, die heute insgesamt 35 verschiedene Lehrgänge (Bachelor und Master) mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen anbietet. Unterteilt werden die Bereiche Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Pädagogische Hochschule, Musikhochschule, Hochschule für Soziale Arbeit, Hochschule für Technik sowie Hochschule für Wirtschaft. Ein buntes Potpourri an Stilrichtungen, das sich auch auf das Gesamtbild der Studierenden niederschlägt. Neben Architekten tummeln sich in den Gängen und Hörsälen der sechs Tessiner Supsi-Standorte auch angehende Geomatiker, Musiker, Lehrer, Elektrotechniker oder Informatiker.

Für Ökonomen mit Weiterbildungsdrang bietet sich die Hochschule für Wirtschaft an. Die Supsi offeriert dort einen berufsbegleitenden Executive MBA, der in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen hat. Der Lehrgang dauert zwei Jahre und gliedert sich in vier Bildungswege: Foundation in General Management, Financial & Management Economics, Business Management sowie Business Engineering. «Wer unseren EMBA absolviert hat, erfüllt das Profil eines General Managers, der zuvor erworbene Führungskompetenzen mit fundierten Kenntnissen in Business Management und Business Engineering verbindet», sagt Donato Ruggiero. Seit wenigen Monaten ist er an der Supsi für das Programm verantwortlich und von diesem überzeugt. Konzipiert wurde der in italienischer Sprache gehaltene EMBA primär für erfahrene Führungskräfte aus der Region. «Wir möchten Manager und Senior Executives ansprechen, die bereits über eine mehrjährige Erfahrung in leitenden Positionen verfügen», ergänzt Ruggiero. Dank der Vertiefung von bereits erworbenen Kenntnissen sollen die EMBA-Absolventen ihre Karriere vorantreiben und persönliche Berufsziele schneller erreichen können.

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Expansionen in die Deutschschweiz

Als besonderen Mehrwert bezeichnet Ruggiero die enge Anbindung des EMBA-Programms der Supsi an praxisbezogene Beispiele. Möglich wird dies dank einer intensiven, fast familiären Unterstützung durch wichtige Tessiner Berufsverbände und -institutionen wie die Associazione industrie ticinesi (Aiti) oder nationale Berufsverbände wie Swiss Engineering. «Wir pflegen auch mit diversen Tessiner Unternehmen eine kontinuierliche Zusammenarbeit und können den Studierenden dadurch reale Testimonials und Fallstudien offerieren sowie wertvolle Kontakte in die Chefetagen vermitteln», so Ruggiero.

Die starke Anbindung ans Tessin hat die Supsi indes nicht daran gehindert, in die Deutschschweiz zu expandieren. So wurden in den letzten Jahren die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) mit Sitzen in Zürich, Bern, Basel und Brig sowie die Physiotherapie Graubünden mit Sitz in Landquart erworben. Dank dem strammen Expansionskurs hat sich die Gesamtzahl der Supsi-Studierenden seither um nicht weniger als 50 Prozent auf 3400 vergrössert. Darin eingerechnet sind auch die Absolventen des EMBA der FFHS. Im Gegensatz zum EMBA der Supsi bietet diese ihren Lehrgang im Fernstudium ohne Pflichtpräsenzzeit an. Auch die Ausrichtung ist nicht ganz identisch. Der EMBA der FFHS konzentriert sich auf Absolventen eines nicht betriebswirtschaftlichen Hochschulstudiums. Im Tessin setzt man eher auf Vollblut-Ökonomen. Sie werden in der Region dringend gebraucht.