Das Geschäft in der Schweiz läuft hervorragend. Und doch steht Nespresso auf die Kostenbremse. 2008 wollte die Kaffeemarke aus dem Hause Nestlé hierzulande sechs neue Filialen - sogenannte Boutiquen - eröffnen, so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr.

Ihre Türen bis zum Jahresende geöffnet haben deren fünf, und wie es in diesem Jahr bezüglich Expansion weitergeht, ist laut Recherchen der «Handelszeitung» unklar. Ein Gewährsmann aus dem Konzern sagt: «Die Situation ist ziemlich unübersichtlich. Vor ein paar Wochen wurde für einige Länder, darunter auch die Schweiz, ein Expansionsstopp für neue Boutiquen angekündigt. Inzwischen wurde der zurückgenommen, aber eine neue, klare Strategie gibt es noch nicht.» Im Nestlé-Konzern sei man nervös, weil es in gewissen Ländern wie beispielsweise den USA Umsatzrückgänge gebe. Diese Unsicherheit wirke sich auch auf gesunde Märkte wie die Schweiz aus.

Schnell wachsender Bereich

Pascal Hottinger, Direktor von Nespresso Schweiz, betont, dass «neue Eröffnungen zusätzlicher Boutiquen in Planung» seien. Wo und wie viele Filialen 2009 eröffnet werden, behält er indes für sich. Dies werde man «zu gegebener Zeit kommunizieren».Diese Zurückhaltung erstaunt. Hottingers Vorgänger Marc-Alain Dubois hatte noch im letzten Jahr erklärt, Nespresso wolle «im bisherigen Tempo» weiterwachsen. Was hiess: Jährlich mehrere neue Filialen. Schon Monate im Voraus gab man in der Regel bekannt, welche Stadt als nächste beackert werden sollte. Derzeit betreibt Nespresso 19 dieser Verkaufslokale in der ganzen Schweiz. Dubois sah «grosses Potenzial für weitere Boutiquen». Zudem gab es noch Ende letzten Jahres Pläne, bestehende Boutiquen zu vergrössern. Ob und wann diese Umbauten realisiert werden, muss sich ebenfalls zeigen.

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Klar ist: Nespresso ist noch immer einer der am schnellsten wachsenden Bereiche innerhalb der Nestlé-Gruppe. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz nahe Lausanne und beschäftigt mehr als 2500 Mitarbeiter. Weltweit betreibt Nespresso rund 170 Boutiquen.

2007 stieg der weltweite Nespresso-Umsatz um 40%. Bis Ende 2008 erwartete der Konzern, dass Umsätze von über 2 Mrd Fr. erwirtschaftet würden. Die zweite Milliardengrenze hätte man damit zwei Jahre früher als ursprünglich prognostiziert geknackt.

Doch das Geschäft mit den Kaffeekapseln wurde in konjunkturell besseren Zeiten gross. Schweizer Konsumenten zahlen für ein Kilo dieses Kaffees über 60 Fr. Im vergangenen Jahr wurden die Preise gar noch einmal angehoben. So kostet eine «Espresso»-Kaffeekapsel neu 50 Rp., was einem Plus von 6% entspricht. Kapseln der Sorten «Lungo» kosten sogar 52 Rp.

Damit die Kunden bereit sind, diesen Preis zu zahlen, wird die Marke klar im Premiumsegment positioniert. Die Werbekampagne mit US-Beau George Clooney («Nespresso, what else?») untermauert diese Positionierung. Gleichzeitig verleiht Clooney Nespresso eine gewisse Coolness und spricht so auch ein jüngeres Publikum an.

Weltweit das gleiche Konzept

Auch der optische Auftritt in den Nespresso-Boutiquen ist edel. Die Boutiquen, in denen Nespresso-Kunden ihre Ausrüstung besorgen sowie die verschiedenen Kaffeekapseln kaufen können, sind neben dem Internet der einzige Vertriebskanal. Alle Boutiquen werden nach einem identischen Konzept gestaltet.

Trotz zahlreicher billigerer Kapseln der Konkurrenz konnte Nespresso seine Leaderposition stets halten. Ob sich das Geschäft mit dem edlen, aber teuren Muntermacher auch in Krisenzeiten wie diesen ohne Schaden halten kann, wird sich in diesem Jahr erstmals zeigen.

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