Die Schweizer Tochtergesellschaft des Computer-Urgesteins IBM holt zum Kahlschlag aus: Mindestens 100 der rund 3000 Schweizer Jobs fallen weg, wie eine interne Quelle gegenüber der «Handelszeitung» sagt. Ein Vertreter der deutschen Gewerkschaft Verdi bestätigt den Abbau: «Auf Basis von Informationen auf europäischer Ebene lässt sich hochrechnen, dass ungefähr 150 Stellen in der Schweiz abgebaut werden», sagt Bert Stach, zuständig bei Verdi für IBM.

Der Kahlschlag soll zwei Einheiten besonders hart treffen: Die von Ivan Dopplé geleitete Beratungssparte Global Business Solutions und die von Christian Widmer geführte Outsourcing-Sparte Global Technology Solutions.

Personalkommission involviert

Wie der Abbau vonstatten geht, ob es zu Entlassungen im grossen Stil kommt oder ob ein Grossteil über natürliche Fluktuationen geregelt wird, ist unklar. Auf Anfrage der «Handelszeitung» schreibt IBM-Schweiz-Sprecherin Wibke Kress lediglich: «In unserer Branche ist Veränderung eine Konstante und Transformation ist fester Bestandteil unseres Geschäftsmodells.» Zu den Zahlen wollte sie keine Stellung nehmen.

Wie weit fortgeschritten die Verhandlungen über einen Sozialplan sind, bleibt ebenfalls nebulös. Pressesprecherin Kress sagt nur so viel: «Restrukturierungsmassnahmen sind mit der Personalkommission der IBM Schweiz abgestimmt. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir weitere Einzelheiten unserer Personalpolitik nicht öffentlich diskutieren.»

Anzeige

Weltweite Sparmassnahmen

Der Abbau in der Schweiz geht einher mit einem weltweiten Sparprogramm. In Deutschland fallen rund 1000 Stellen weg. Weltweit soll die Belegschaft um mehrere Tausend gekürzt werden, nachdem die Zahl der Arbeitnehmer bereits in den letzten beiden Jahren um über 10 Prozent auf fast 380’000 Personen gefallen ist. Diese Strategie soll IBM endlich wieder auf Kurs bringen. Seit dem Rekordjahr 2011 ist der Umsatz um ein Viertel gefallen und liegt nunmehr auf dem Niveau der 90er-Jahre. Eine Trendwende ist kaum absehbar, im ersten Quartal des Jahres 2016 waren die Erlöse des Computer-Giganten weiter rückläufig.

Gewerkschafter werfen dem Management schwere Fehler vor. Investitionen in Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen seien verpasst worden. Die Belegschaft müsse nun die Zeche zahlen. Der Schweizer Tochtergesellschaft wird überdies vorgeworfen, dass das Management die Interessen der Arbeitnehmer vernachlässige, weil IBM keine Sozialpartnerschaft unterhalte.

Schweizer Gewerkschaften aussen vor

Die Situation ist derart brisant, dass sich Schweizer Mitarbeiter von Zeit zu Zeit beim deutschen Gewerkschaftsvertreter Bert Stach melden, um dem Verdi-Mann ihr Leid zu klagen. Intern finden die Mitarbeiter offenbar kein Gehör und fühlen sich nicht angemessen repräsentiert. IBM Schweiz will sich dazu nicht äussern.

Tatsächlich ist keine Schweizer Personalvertretung über den Abbau informiert, geschweige denn in die Verhandlungen über einen Sozialplan involviert. Die beiden grössten Gewerkschaften Unia und Syna sind von der Massenentlassung ebenso überrascht wie der Kaufmännische Verband Schweiz, der Verband Angestellte Schweiz und die IT-Vertretung Syndicom.