Sunrise nimmt einen harten Sparschnitt vor: Der zweitgrösste Telekomkonzern der Schweiz entlässt 140 Angestellte. Für diese gibt es einen Sozialplan. Verschont werden Lehrlinge und der Kundendienst. Alle übrigen Bereiche müssen bluten.

Das Unternehmen erhält Rückendeckung von der Gewerkschaft Syndicom: «Wir bedauern den Abbau ausserordentlich», sagte ... Doch Sunrise habe glaubwürdig aufzeigen können, dass die wirtschaftliche Situation den Abbau nötig mache. Die Gewerkschaft sei frühzeitig informiert und einbezogen worden.

Kritik an der Weko

Kritik übt die Gewerkschaft derweil an der Wettbewerbskommission des Bundes. Durch das Verhindern des Zusammenschlusses mit Orange im Jahr 2010 sei diese mitverantwortlich für die Lage.

Nach dem Stellenabbau wird Sunrise noch 1689 Mitarbeiter und 89 Lehrlinge beschäftigen, wie das Unternehmen bekannt gab. Der gesamte Arbeitsplatzabbau ist aber noch deutlich umfangreicher. Ende Juni hatte der Telekomanbieter noch gut 2000 Vollzeitstellen. Man habe in der letzten Zeit bereits durch Fluktuationen und Pensionierungen Jobs aufgehoben, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Im Vorfeld des Abbaus wurde in den Medien bereits über einen Stellenabbau spekuliert. So berichtete die NZZ über eine Reduktion des Personalbestands um sieben Prozent und 140 Angestellte. Der Personalabbau werde sofort beginnen, schrieb die «NZZ« unter Berufung auf «in der Regel gut informierte Kreise».

Auch «20min.ch» berichtete von 140 Entlassungen. Heute morgen habe sich das Topmanagement an einem geheimen Ort getroffen, hiess es. Währenddessen sei ein internes Mail verschickt und damit die Sunrise-Store-Manager informiert worden. «Das Management Board hat zusammen mit dem Board of Directors beschlossen, den Personalbestand zu reduzieren, davon sind 140 Personen betroffen», zitierte die «20min.ch» aus dem Mail.

Auf Nachfrage von «Handelszeitung Online» wollte Sunrise zu den Medienberichten zunächst keine Stellung nehmen. Die Pressestelle kündigte dann bis zum Mittag ein Pressecommuniqué an. 

Investitionen in 4G

Von dem Stellenabbau betroffen seien alle Bereiche, bis auf die Lehrlinge und den Kundendienst, schreibt derweil «NZZ». Nach dem Abbau würden für den Telekomanbieter noch rund 1700 Personen arbeiten. Auf Sunrise kämen in den nächsten Monaten erhebliche Investitionen wegen des Ausbaus des Mobilfunknetzes auf den neuen Standard 4G zu, hiess es im «NZZ»-Artikel weiter.

Das Unternehmen wolle aber auch den Kundenservice verbessern. Bereits in den vergangenen Monaten habe Sunrise zudem bei der Versteigerung der Schweizer Mobilfunkfrequenzen mit Ausgaben von rund 482 Millionen Franken «tief in die Tasche» greifen müssen.

Über einen Stellenabbau bei Sunrise hatte am Wochenende auch die «Sonntagszeitung» spekuliert. Sie hatte die Reduktion der Arbeitsplätze mit 220 noch etwas höher als jetzt die «NZZ» angesetzt. Laut den Angaben der «Sonntagszeitung» besteht die Vorgabe, einen zusätzlichen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr beim Personal einzusparen.

(muv/tno/tke/jev/awp/sda)

 

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