Mit der Finanzkrise ändert sich das Essverhalten: Es wird weniger häufig im Restaurant gegessen und dafür mehr zu Hause, anstelle von Steaks kommen eher Hamburger auf den Tisch.

Das bekommen auch Bauern und Agrarfirmen zu spüren. Ralf Oberbannscheidt, Managing Director des DWS-Fonds Invest Global Agribusiness, beobachtet ausserdem in den USA einen Trend zurück zu Wochenmärkten. Dieser könne schnell eine Umverteilung zulasten der Supermärkte zur Folge haben, denn: «Amerikaner sind in ihrem Essverhalten sehr flexibel», erläutert er weiter. Solche sich anbahnenden Umverteilungen und Preisveränderungen will sich der Fonds zunutze machen: «Wir verstehen unsere Aufgabe darin, globale Ineffizienzen in der Nahrungskette auszubügeln», sagt Oberbannscheidt. Diese Strategie scheint sich dieses Jahr besonders auszuzahlen: Seit Jahresbeginn vermochte der Fonds satte 48% zuzulegen.

Konsolidierung treibt Kurse

Abgesehen von der Krise ist ein weiteres drängendes Problem der Landwirtschaft die Knappheit an Anbaufläche: «2015 drohen 150 Mio ha zu fehlen», so Oberbannscheidt. Das Problem scheint nicht die Verfügbarkeit der Flächen zu sein - gerade in Brasilien gibt es Land in Hülle und Fülle. Vielmehr fehlt es an Land, welches sich für den Anbau von Agrargütern eignet (siehe Grafik). So besteht etwa fast 60% der Fläche in Brasilien aus Regenwald. Dringender Handlungsbedarf besteht auch rund ums Thema Wasserknappheit. «Kalifornische Bauern bezahlen heute nichts für Wasser», führt Oberbannscheidt beispielsweise aus. Und: «Wäre tatsächlich ein fairer Preis für Wasser eingerechnet, würden die Lebensmittelpreise viel höher ausfallen.» Immer wieder für Kursfantasie bei den Pflanzenschutzfirmen sorgen Übernahmegerüchte. Tatsächlich hat der Sektor in den vergangenen Jahren einen massiven Konsolidierungsprozess durchlebt. Der Marktanteil der sechs grössten Player (Bayer, Syngenta, BASF, Monsanto, Dow und Du Pont) habe sich von 45% 1995 auf 80% 2007 erhöht. Erst Anfang August hat die Schweizer Firma Syngenta ihrem Mitbewerber Monsanto für 160 Mio Dollar Aktivitäten im Bereich von Hybrid-Sonnenblumensaatgut abgekauft. Mit diesem Schritt baut Syngenta ihre Marktführerschaft im Sonnenblumensaatgut weiter aus. Die Aktie verzeichnete nach Bekanntgabe Kursgewinne.

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Nicht nur unter den privaten Firmen tobt der Verteilungskampf um attraktive Happen im Landwirtschaftssektor: Staatsfonds sind ebenfalls aktive Käufer von Land in Brasilien und Afrika, was die Kommerzialisierung von Farmen beschleunigt.

Viel Potenzial ortet Oberbannscheidt in der Forschung um abiotische Faktoren wie Dürre, Flut oder Stürme: «Dort stecken wir noch in den Kinderschuhen». 80% der Ernteerträge werden von Wetter und Klima bestimmt.

Ein Vorteil für ihn und sein Team sei, dass an der Wall Street wenig Fachwissen über Agribusiness vorhanden sei. So würden etwa Preisveränderungen von Rohstoffen nicht rechtzeitig erkannt oder antizipiert. «Diese Ineffizienzen können wir gewinnbringend nutzen», so Oberbannscheidt. Denn: «Nicht Spezialisten, sondern Generalisten steuern den Verlauf der Aktie.»