Der Ton wird härter im mittlerweile gut zwei Monate dauernden Übernahmepoker um die Basler Syngenta. Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré sagte Anfang vergangener Woche in einer Videobotschaft, dass es «total verantwortungslos wäre, unter den jetzigen Bedingungen» mit Monsanto zu verhandeln.

Der letzte «Vorschlag» – ein eigentliches Angebot aus St. Louis liegt nach wie vor nicht vor – liegt bei 449 Franken pro Aktie, plus einer Zahlung von 2 Milliarden Dollar für den Fall, dass die Übernahme am Veto der Wettbewerbshüter scheitert. Monsanto-Konzernchef Hugh Grant liess gleichentags im «Wall Street Journal» keinen Zweifel an seinem Willen, die Übernahme mit Syngenta nach mehreren erfolglosen Versuchen diesmal in trockene Tücher zu bringen. Er werde seine ganze Kraft darauf verwenden, «ans Ziel zu kommen».

1. Warum will Monsanto Syngenta kaufen?

Der Aufstieg von Monsanto zum weltgrössten Saatguthersteller ist eng mit einem Produkt verbunden: Roundup. Der Unkrautvertilger auf Basis des Wirkstoffs Glyphosat hat den Amerikanern im Verlaufe der letzten vier Jahrzehnte Milliarden an Dollars in die Kasse gespült. Inzwischen lahmt die Wunderwaffe. Das Patent für Roundup lief im Jahr 2000 ab. Bedenken, das Produkt sei gesundheitsschädlich, mehren sich. Frankreich hat den Verkauf von glyphosathaltigen Produkten in Gartenzentren verboten, Migros und Coop nahmen sie aus dem Handel. Monsanto macht heute zwei Drittel seines Umsatzes mit Saatgut. Bei Syngenta ist es umgekehrt. Die Basler sind die Nummer eins im Pflanzenschutz. Ihr Sorgenkind ist das Saatgut. Aus Sicht von Monsanto ergänzen sich die Unternehmen perfekt.

2. Warum wehrt sich Syngenta?

Die Basler sind überzeugt, dass das Unternehmen im Alleingang besser fährt. Syngenta räumt zwar ein, dass die vor drei Jahren lancierte Strategie, Saatgut und Pflanzenschutzmittel aus einer Hand anzubieten, in den ausgereiften Märkten noch nicht voll greife. Das Unternehmen verweist aber auf die Erfolge in den wachstumsstarken Märkten der Schwellenländer. Syngenta hat den «Vorschlag» der Amerikaner mehrfach als «absolut ungenügend» bezeichnet. Beobachter gehen davon aus, dass der Syngenta-Verwaltungsrat bei einem Angebot von 500 Franken pro Aktie und einer nochmals deutlich höheren Break-up Fee kaum mehr darum herumkäme, Ja zu sagen. Beim Widerstand der Basler mag zudem eine Portion Patriotismus mitspielen. Syngenta ist einer der letzten Reste der alten Basler «Chemischen», die im 19. Jahrhundert aus der Seidenbandindustrie entstand. Sie geht auf die drei historischen Chemiefirmen Ciba, Geigy und Sandoz zurück.

3. Wer hat die besseren Karten?

Es sieht nicht danach aus, als ob die Amerikaner schon bald den Zuschlag bekämen. Die Syngenta-Valoren haben in den letzten Tagen an Wert verloren, allerdings nicht so viel, dass man daraus schliessen müsste, die Zweifler würden den Ton angeben. Auf lange Sicht liegen die Vorteile eher auf Seiten von Monsanto. Die Basler tun sich schwer, die Wachstumsziele und Renditevorstellungen, die sie sich gesetzt haben, zu erfüllen. Für einen Deal spricht auch, dass Monsanto im Bereich Pflanzenschutzmittel unter Zugzwang steht. Das hat Konzernchef Hugh Grant kürzlich eingeräumt. Scheitere die Übernahme, so werde Monsanto «auf anderem Weg» versuchen, im Bereich Pestizide weiterzukommen, sagte er.

4. Hat Monsanto genügend Geld?

Gemäss Bloomberg verfügt Monsanto zurzeit über 2,7 Milliarden Dollar Cash und 8,2 Milliarden Dollar Schulden. Man kann davon ausgehen, dass das Unternehmen gegen 19 Milliarden Dollar in Cash zur Verfügung haben müsste. Die Syngenta-Aktionäre würden ja nur zum Teil bar entschädigt, den Rest bekämen sie in Form von Monsanto-Aktien. Die Rede ist von einem Verhältnis von 45 zu 55 Prozent. Ins Gewicht fallen vor allem die eigenen Aktien, die Monsanto in den Büchern stehen hat und verkaufen kann. Und dann kämen auch noch die Gewinne aus dem Verkauf von Geschäftssparten dazu, die der neue Agrochemiegigant abstossen müsste, um den Anforderungen der Wettbewerbshüter gerecht zu werden. Monsanto hat immer gesagt, die Übernahme solle nicht auf Kosten des Kreditratings gehen. Aber die Bilanz eines fusionierten Konzerns würde eine zusätzliche Verschuldung erlauben.

Was gegen den Deal spricht und wann mit einer Entscheidung im Übernahmepoker zu rechnen ist, lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», seit Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

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