An der Generalversammlung vom 26. April soll es zum Showdown um Unaxis kommen. Die Investoren Mirko Kovats und Ronny Pecik von der österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory haben in Interviews tüchtig Stimmung gemacht und ein Kräftemessen angekündigt.

Für den anderen Grossaktionär von Unaxis, die Familie Anda-Bührle, eine ungemütliche Situation. Bisher allein auf weiter Flur, konnte sie die GV stets bestimmen. Nun dürfte es zu einem in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Tauziehen kommen. Der Ausgang ist ungewiss.

Dass es so weit gekommen ist, liegt zu einem grossen Teil an der Besitzerfamilie selber: Mit einer wenig konsequenten, ja teilweise widersprüchlichen Haltung Unaxis gegenüber hat sie geradezu eine Einladung an Investoren ausgesandt, beim Schweizer Industrieunternehmen ihr Glück zu versuchen. Dass im Umfeld von Unaxis die unterschiedlichsten Personen und Gremien mitbestimmen (siehe Nebenartikel «Viele Köche rühren im Brei: Die wichtigsten Entscheidungsgremien bei der Unaxis.»), hat die Türe für Einflussversuche zusätzlich aufgestossen.

Der junge Chef des Familienclans, Gratian Anda, hält sich bedeckt. Er gilt als pressescheu und vorsichtig. Der Nachteil dabei: Der Clanchef ist öffentlich kaum präsent, und die Haltung der Familie gegenüber Unaxis bleibt unbestimmt. Da konkrete Stellungnahmen fehlen, müssen Mitarbeiter, Aktionäre und Öffentlichkeit die Linie der Besitzerfamilie auf Basis von äusseren Signalen herauslesen. Diese Signale indes sind verwirrlich.

Da ist zunächst die Tatsache, dass die Ihag Holding, in der die Besitzerfamilie ihre Aktien bündelt, erst vor einem Jahr ein Paket von 575000 Aktien verkauft und damit den Anteil von 24,4 auf 21 Prozent reduziert hat. Dies führte zu Spekulationen, die Familie plane den Auszug aus Unaxis, was sich nicht bestätigt hat. Beim Verkauf vor einem Jahr soll es sich vielmehr um die Realisierung von Kursgewinnen gehandelt haben, also um eine von finanziellen Erwägungen getriebene Entscheidung. Inzwischen soll die Ihag, wohl im Hinblick auf die Erhöhung der Stimmkraft an der GV, wieder Aktien zugekauft haben. Offiziell bestätigt wird dies nicht.

Anzeige

Doch nicht nur dieser Zickzack-Kurs führt zu Fragen. Es fällt auch auf, dass seit dem Umbau des ehemaligen Waffen- und Industriekonglomerats Oerlikon-Bührle in das Hightechunternehmen Unaxis im Jahr 2000 kein Familienmitglied mehr im Verwaltungsrat Einsitz hat. Die Kontakte zum Management beschränken sich auf sporadische Treffen.

Clanchef Anda will offenbar den Spagat schaffen, der Familie sowohl Einfluss wie portfoliotechnische Freiheit bei Unaxis zu sichern. Mit der Umbenennung der Firma in Unaxis wurden nämlich auch die Ziele neu definiert. Nicht Unaxis, sondern die Ihag Holding sollte zukünftig den Mittelpunkt des Familiengeschäfts bilden. In dieser Ihag sind auch Immobilien-, Hightech- und Finanzinvestments gebunden. Unaxis bleibt für die Familie zwar weiterhin eine wichtige Beteiligung, aber letztlich doch nur eine unter vielen.

Die Einsitznahme in den Unaxis-Verwaltungsrat würde dazu führen, dass angesichts der gängigen Insiderregeln die Zeitabschnitte, in denen Aktien gekauft oder verkauft werden können, nur sehr kurz wären. Für die pragmatisch denkenden Taktgeber bei der Ihag – nebst Anda vor allem Dieter Spälti, ein ehemaliger Kollege aus gemeinsamen Tagen bei der Beratungsfirma McKinsey – wohl eher störende Fesseln.

Gratian Anda ist der Enkel des Firmengründers Emil Bührle. Von einer historischen Verpflichtung gegenüber dem industriellen Erbe des Grossvaters ist beim 36-Jährigen nur noch wenig zu spüren. Stärker soll dieses Gefühl bei Andas Mutter, Hortense Anda-Bührle, der Tochter des Clangründers, ausgebildet sein. Hortense Anda-Bührle ist Mitglied im Bührle-Familienrat und zudem de facto immer noch die Mehrheitseignerin der Ihag Holding.

Ein wichtiger Vertrauter von Hortense Anda-Bührle ist der ehemalige Roche-Finanzchef Henri B. Meier, das einzige externe Mitglied im Familienrat. Er wurde von der Ihag Holding mit einem Beratermandat betraut. Die Ihag Holding ist offenbar daran, ein Abwehrdispositiv gegen unerwünschte Investoren auf die Beine zu stellen. Dies deutet an, dass die Besitzerfamilie offenbar ihre Verantwortung bei Unaxis nicht aufgeben will.

In dieselbe Richtung deuten auch die im Dezember 2004 gehegten Pläne eines Going-private von Unaxis – was nach den jüngsten Kurssteigerungen aber zu teuer geworden ist.

Raum für Spekulationen lieferte auch Unaxis selber. Die Auseinandersetzungen um die Führung in Verwaltungsrat und Konzernleitung sorgten lange Zeit für einladend tiefe Kurse. Der umstrittene Unaxis-Präsident Willy Kissling wird nach der GV abtreten, nicht zuletzt auf Druck des Grossaktionärs Ihag. Doch bis und mit GV ist Kissling noch Präsident und wird in dieser Funktion auch die Versammlung leiten. Damit kommt es zu der ungewöhnlichen Ausgangslage, dass der Mann, der von der Besitzerfamilie abgeschossen worden ist, nun das Bollwerk gegen die österreichischen Investoren bilden muss. Eine heikle Ausgangslage, auch wenn die Unaxis-Führung den neuen Investoren ebenfalls eher skeptisch gegenüberstehen soll.

Eine Skepsis, welche Victory nicht aus der Welt schaffen konnte. Fragezeichen gibt es in der Tat: Die Investoren haben mehrere hundert Millionen in eine Firma investiert, die sie nicht richtig kennen. Eine genaue Prüfung oder eine Due Diligence fand nicht statt. Dies gibt dem Eindruck weiter Nahrung, bei Victory stünden eher spekulative als industrielle Motive im Vordergrund.

Anzeige

Wie es um die industriellen Motive der Besitzerfamilie ihrerseits bestellt ist, darauf wird die Generalversammlung wohl einige Antworten geben. Die Familie wird Farbe bekennen müssen – verstecken kann sich Gratian Anda nicht mehr.