Die Credit Suisse will kleiner werden: Immobilien sollen verkauft, das Investmentgeschäft gestutzt werden. Man werde weitere Bereiche veräussern, sagte Bankchef Brady Dougan heute im Rahmen der Investorenkonferenz. Das Ziel: Die Bank vom Paradeplatz will so ihre Eigenkapitalpolster weiter aufbauen. Von der Schrumpfkur sollen dann die Aktionäre mit einer markanten Gewinnausschüttung profitieren.

Im Rahmen der aktuellen Quartalsbilanz bekräftigte Dougan noch einmal, dass die Credit Suisse neben der jährlichen Ausschüttung die Hälfte ihres Gewinns an die Aktionäre auszahlen wolle. Voraussetzung dafür jedoch ist, dass die sogenannte harte Kernkapitalquote von derzeit 9,8 auf mindestens 10 Prozent bis Ende Jahr steigt. Weiter gilt, dass die Kapitalbasis zusätzlich gestärkt wird – langfristig auf 11 Prozent.

Wie realistisch sind die Ziele der Credit Suisse?

Doch wie realistisch sind die Ziele der Credit Suisse? Fakt ist: In den vergangenen drei Monaten steigerte die Bank das harte Kernkapital um 0,4 Prozentpunkte. Entsprechend rechnen Analysten damit, dass die Bank einen zweistelligen Wert bis Dezember erreichen kann – sofern die Märkte in den kommenden Wochen keine neuen, ungeahnten Kapriolen schlagen.

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Doch genau das ist das Problem. Auf hohe Börsenverluste folgten jüngst kleinere Erholungsrallys. Verlässliche Prognosen für die Zukunft: schwer bis unmöglich. Dougan sagte heute, dass der Start in den Oktober «gemischt» ausgefallen sei. Wegen der aktuell hohen Marktvolatilität sei auch ein neuerlicher Rückschlag denkbar, warnt Roger Degen, Analyst bei CS-Wettbewerber Julius Bär.

«Sinnvoller, Gewinne nicht zusätzlich auszuschütten»

Degen betont die derzeit schwache Kapitalausstattung der Credit Suisse. Denn mit ihrer Kernkapitalquote liegt die Bank noch immer deutlich hinter grossen Konkurrenten wie der UBS, Barclays oder der Deutschen Bank zurück. «Wegen der vergleichsweise schwachen Kapital-Situation wäre es für die CS wohl sinnvoller, Gewinne nicht zusätzlich an die Aktionäre auszuschütten.»

Weniger skeptisch ist Guido Hoymann, Chefanalyst Aktien beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. Zwar würde die CS mit einer Dividenden-Ausschüttung bei den Eigenmitteln im Vergleich zu den Wettbewerbern zurückbleiben, sagt er. Das könne sich bei der Gewinnung neuer Kunden nachteilig auswirken. Sinkende Neugelder waren jedoch im vergangenen Quartal einmal mehr ein Problem für die CS – und dürften es auch 2015 sein, wie Dougan heute bestätigte. «Doch sollten die Marktturbulenzen in den kommenden Monaten wieder abnehmen, spricht wenig dagegen, die angekündigte Gewinnausschüttung vorzunehmen», so Hoymann.

Glaubwürdigkeit angekratzt?

Langfristig wähnt er die Credit Suisse durchaus auf Kurs: In den kommenden Jahren sollen die Risikoaktiva von heute 286 auf 250 Milliarden Franken sinken. «Allein dadurch steigt theoretisch die harte Kernkapitalquote mittelfristig auf rund 11 Prozent.» Kommt alles wie geplant, hat die Schrumpfkur Erfolg.

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Ob die Credit Suisse jedoch wirklich bald Gewinne ausschüttet, ist nach Ansicht von Julius-Bär-Analyst Degen fraglich. Er sieht die Glaubwürdigkeit der Bank angekratzt. «In der Vergangenheit wurde schonmal eine höhere Dividende in Aussicht gestellt – und in der Folge war mit einer Kapitalerhöhung das Gegenteil der Fall.»