Seit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf am 29. Mai den Steuerdeal mit den USA präsentiert hat, ist nicht nur die Aufregung in der Schweizer Politik, sondern auch unter den Anlegern an der Schweizer Börse gross. Zumindest dann, wenn sie Beteiligungspapiere von kotierten Kantonalbanken handeln.

Besonders stark getroffen werden die Titel der Basler (BKB) und St. Galler (SGKB): Rund 580 Millionen Franken Börsenwert sind in nur rund sechs Handelstagen bei der BKB vernichtet worden – knapp 300 Millionen Franken sind es bei der SGKB. Beides grössere Kantonalbanken mit einem starken Standbein im Anlagegeschäft.

Auch die Einschätzung von BKB-Chef Guy Lachapelle sorgte nicht für Vertrauensbildung: «Eine Anklage durch die USA wäre für uns aus heutiger Sicht nicht existenzbedrohend», sagte er im Interview. Eine Einschätzung, die der emiritierte Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann nicht teilt: «Die Staatsgarantie würde angerufen.»

«Spekulationen nicht anheizen»

In der Ostschweiz beobachtet man die Situation natürlich mit Sorgenfalten. «Wir nehmen die Lage ernst, wollen aber die ganzen Spekulationen nicht weiter anheizen», sagt SGKB-Mediensprecher Simon Netzle gegenüber handelszeitung.ch.

Für weiteres Ungemach hatte die «NZZ am Sonntag» gesorgt, wonach laut einem Insider 10 bis 15 Kantonalbanken in erheblichem Umfang Gelder von US-Bürgern entgegengenommen hätten.

Im Fall der SGKB (und ihrer Vermögensverwaltungs-Tochter Hyposwiss) sind die Fakten klar: Sie hatte bereits 2011 den Ausstieg aus dem Geschäft mit US-Kunden bekanntgegeben. «Wir haben aber keine Kenntnis von allfälligen Strafverfahren», sagt Netzle – «und wir sind aktuell auch nicht in Diskussion mit US-Behörden eingebunden.»

Ad-hoc-Mitteilung zeigt an der Börse Wirkung

Eine weitere Kantonalbank – diejenige des Kantons Waadt – bestritt gestern Abend einen ungewöhnlichen Weg: Obwohl man sich «nicht öffentlich äussern» wolle, liess die Bank per Ad-hoc-Mitteilung dennoch ausrichten, dass die US-Kundschaft nie eine Zielmarkt gewesen sei – und dass die BCV «nicht zu der Gruppe der 11 bis 14 Banken gehört, die im Visier der amerikanischen Behörden stehen oder mit diesen bereits kooperieren».

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Auch wenn das unter dem Strich wenig aussagekräftig und verbindlich ist, so zeigt die Meldung an der Börse ein wenig Wirkung: Der Fall wurde gebremst, die Aktie notiert heute 3,1 Prozent höher.

In St. Gallen will man einen solchen Schritt weder ankündigen noch ausschliessen. Unter dem Strich ist die Haltung laut Netzle aber klar: «Wir begrüssen, dass der Bundesrat mit den vorgeschlagenen Massnahmen den Steuerstreit endgültig regeln will.»