Nach dem erneuten Milliardenabschreiber beim Stromkonzern Axpo müssen die Besitzerkantone auch um ihre Dividenden in Millionenhöhe fürchten. Nach Ansicht von Axpo-Verwaltungsratspräsident Robert Lombardini wäre die Auszahlung nicht im Interesse der Firma.

Über die Auszahlung, die in den vergangenen Jahren stets über 70 Millionen Franken betrug, entscheiden die Aktionäre, also mithin die Nordostschweizer Kantone selbst. Im Interview mit der Zeitung «Nordwestschweiz» vom Montag lässt Lombardini aber durchblicken, dass er eine Dividendenauszahlung ablehnt.

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Prioritäten stetzen

«Würden es die Menschen verstehen, wenn wir den Kantonen eine Dividende ausschütten, obwohl die Axpo so hohe Abschreibungen vornehmen muss und so wenig Geld verdient?», fragt Lombardini. Hinzu kommen, dass das Unternehmen auch Stellen abgebaut habe. Eine Dividende müsse angemessen sein im Verhältnis zum Ertrag, den Aussichten und der Bilanz des Unternehmens.

«Die erste Priorität muss sein, dass die Axpo dieses Tal der Tränen möglichst gut überlebt», sagte Lombardini. Entscheiden werde die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats, der seinerseits noch nicht entschieden habe. Die Kantone sähen die Frage unterschiedlich. Lombardini vertritt als einziger im Gremium keinen Kanton.

Furcht vor Ratings

Lombardini warnt auch davor, dass der Konzern ein schlechteres Rating fürchten müsste, wenn eine allfällige Ausschüttung die Bilanz schwächen sollte. Dann würden die Zinskosten steigen und das Unternehmen noch weniger Geld verdienen. «Wenn das einmal beginnt, geraten wir in einen Teufelskreis.»

Axpo gab am Freitagabend bekannt, dass das Unternehmen den Wert seines Kraftwerkparks und seiner Bezugsverträge um 1,5 Milliarden Franken nach unten korrigiert. Für das Ende September ablaufende Geschäftsjahr rechnet Axpo mit einem hohen Verlust. Schon in den vergangenen Jahren hatte Axpo insgesamt eine Milliarde Franken abgeschrieben.

Weitere Abschreiber nicht ausgeschlossen

Nach einer Aufstellung der «Nordwestschweiz» hatte Axpo 2008 noch 159 Millionen Franken an die Besitzer ausgeschüttet. Bis im vergangenen Jahr sank der Betrag auf 74 Millionen Franken. An Axpo sind die Kantone Zürich, Aargau, Schaffhausen, Glarus und Zug direkt beteiligt. Kraftwerke aus weiteren Kantonen halten ebenfalls Anteile.

In der Sonntagspresse schloss der Chef des Stromkonzerns Axpo, Andrew Walo, weitere Abschreiber nicht aus. Er sehe aber eine «hohe Wahrscheinlichkeit», dass bei der nächsten Bewertung der Aktiven in einem Jahr die dafür massgebenden Preise auf den Strommärkten «nicht tiefer liegen werden als unsere Schätzungen», sagte Walo in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

«Ein notwendiger Taucher»

«Wir gehen davon aus, dass die Talsohle bei den europäischen Grosshandelspreisen nahe ist, weil bald nicht einmal mehr billige Kohlekraftwerke rentabel sein werden», erklärte Walo. Darum sehe er keinen weiteren dramatischen Absturz der Grosshandelspreise. Aber es gebe keine Garantie dafür. «Ich schliesse nicht aus, dass der Marktpreis noch einmal 10 oder 20 Prozent sinken kann.»

Die Abschreiber seien «ein notwendiger Taucher, den wir machen müssen». «Wir hoffen, dass wir danach Sauerstoff haben für die Zukunft», sagte Walo. Es sei aber nicht der Beginn eines Axpo-Groundings: «Wir haben eine sehr starke Bilanz. Unser Eigenkapital beträgt 8 Milliarden Franken, die Eigenkapitalquote liegt bei über 40 Prozent und wir haben über 4 Milliarden Franken an liquiden Mitteln.» Zudem sei Axpo operativ gut unterwegs.

(sda/ise/moh)