Die Verbesserung der Energieeffizienz und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, vorab in Bauten und Anlagen, ist das erklärte Ziel der kantonalen Energiedirektoren. Jetzt setzen die Behördenvertreter mit den neuen Mustervorschriften 2008 (MuKEn) einen weiteren Akzent: Künftig sollen Neubauten jährlich nicht mehr als 4,8 l Heizöl-Aquivalente an Wärmeenergie pro Quadratmeter Geschossfläche verbrauchen -noch rund ein Viertel eines Neubaus aus dem Jahr 1975.

Ab 2011 machen alle mit

Der Schritt ist gerechtfertigt. Denn die notwendigen baulichen und haustechnischen Massnahmen sind in üblichen Bauten wirtschaftlich - und sie haben sich bewährt. Die ersten Kantone haben die Mustervorschriften Anfang 2009 in Kraft gesetzt. Bis 2011 werden voraussichtlich alle Kantone die Umsetzung abgeschlossen haben.

Dabei bilden die Mustervorschriften eine Minimalanforderung an Gebäude. Hausbesitzern und Investoren bleibt es überlassen, über diese gesetzlichen Minimalanforderungen hinauszugehen. Dazu bieten sich ihnen die bereits gut eingeführten, freiwilligen Standards Minergie und Minergie-P an. Diese Baustandards sind allein schon deshalb zukunftsfähig, weil sie einen hohen Wohn- und Arbeitskomfort mit einem tiefen Energiebedarf kombinieren. Bauten dieser Qualität reduzieren zudem die Abhängigkeit von einer ausschliesslich auf fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung. Während Minergie lediglich eine moderate Absen-kung des Wärmeverbrauches - im Vergleich zu MuKEn um 25% - vorgibt, setzt der anspruchsvolle Standard Minergie-P hohe Dämmstärken und eine an den tiefen Verbrauch angepasste Haustechnik voraus. Beiden Standards gemeinsam ist die Komfortlüftung.

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Förderung ergänzt Vorschriften

In vielen Kantonen werden die Anwendung des Minergie-Standards - insbesondere wenn modernisiert wird - und die Nutzung erneuerbarer Energien honoriert: Die Bauherren erhalten Fördermittel. In jedem Fall kommt den Förderprogrammen eine komplementäre Funktion zu: Vorschriften garantieren eine Mindestqualität der Gebäude, darüber hinausgehende Massnahmen können durch Anreize begünstigt werden. Diese Kombination kantonaler Instrumente ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor zur Verbesserung der schweizerischen Bausubstanz.

Energietechnische Effizienz

Neben den Anforderungen an den Wärmebedarf von Gebäuden setzen die Mustervorschriften der Kantone auch Vorgaben bezüglich der Effizienz energietechnischer Systeme. Typisch dafür ist der Passus, wonach bei Neuinstallationen von fossilen Heizkesseln sogenannte kondensierende Geräte einzusetzen sind. Angesichts der grossen Stückzahlen dieser Kessel sind die Mehrkosten marginal.Nicht mehr zulässig sind neue, fest installierte Elektroheizungen; Wärmepumpen der neusten Bauart benötigen für dieselbe Wärmemenge bis viermal weniger Strom. Der Einsatz von effizienten Haustechniksystemen ermöglicht enorme Einsparungen, insbesondere in Bauten mit geringem Wärmebedarf. Voraussetzung ist eine gute Wärmedämmung: In Neubauten sind zur Erfüllung der MuKEn-Anforderungen 18 cm an üblichem Dämmmaterial notwendig, bei Sanierungen sind es rund 14 cm.Die neuen Mustervorschriften berücksichtigen auch die Nutzung erneuerbarer Energien. Denn in Neubauten dürfen höchstens vier Fünftel des nach Vorschriften zulässigen Wärmebedarfs durch nicht erneuerbare Energien gedeckt werden. 20% sind durch eine zusätzliche Wärmedämmung einzusparen respektive mit Umweltwärme, Solar- oder Holzenergie zu erzeugen. Damit setzt die MuKEn ein Ziel. Der Weg hin zur Erreichung des Ziels bleibt den Hausbesitzern und ihren Beauftragten überlassen, den Architekten und Technikfachleuten. Diese Art Regelung bewährt sich in vielen Kantonen seit Jahren; sie erlaubt Lösungen, die auf den Standort und die Eignung des Gebäudes, auf das lokale Klima und die individuellen Präferenzen von Hauseigentümern zugeschnitten sind.Die Mustervorschriften sind von den Kantonen gemeinsam erarbeitet worden, ihre Inkraftsetzung erfolgt jedoch in jedem Kanton nach dem üblichen politischen Prozess. Damit lassen sich zwei Ziele erreichen. Einerseits stellt die Umsetzung der Musterverordnung eine weitgehende Harmonisierung des Regelwerkes über die Kantonsgrenzen hinweg sicher, andererseits erfährt die gesetzgeberische Autonomie der Kantone keinerlei Einschränkungen.