Die Auswirkungen der Rezession auf den Import- und Exportverkehr mit der Schweiz zeigen sich deutlich im Wettbewerb der verschiedenen Verkehrsträger», erklärt Enrique Rivas, Director Business Unit West bei Intercontainer-Interfrigo SA in Basel. In der Folge mussten die Kapazitäten der insgesamt 20 wöchentlichen Shuttles mit Hamburg, Bremerhaven und Rotterdam sowie den fünf Shuttles mit Wolfurt zwar angepasst werden, doch ist es trotz Wirtschaftskrise gelungen, diese Anpassung auf ein absolutes Minimum zu beschränken. «Grundsätzlich konnten wir die Leistungsqualität und die Frequenzen halten und legten nur vereinzelt einen Zug aus», berichtet Rivas. Dank Optimierungen und Qualitätsmassnahmen bei den Serviceleistungen war der Rückgang insgesamt aber minimal. Einen wesentlichen Faktor der hohen Dienstleistungsqualität bilden laut Rivas die eigenen Repräsentanzen der Intercontainer in den drei genannten Seehäfen.

«Indem wir die Frequenzen unserer Shuttles mit den Nordseehäfen halten und auch während der schwierigen Wirtschaftslage tägliche Abfahrten anbieten konnten, haben wir im maritimen Verkehr auch neue Kunden gewonnen», fasst Rivas die Entwicklung des letzten Jahres zusammen. «Im 1. Quartal dieses Jahres stellen wir gar einen Importboom fest», erklärt er. Und weiter: «Selbst im Export erkennen wir eine zwar zaghafte und langsame, aber dennoch eine Erholung bei den Containerverkehren.»

Ausgelastete Terminals

Die positive Tendenz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Schweiz Terminalkapazitäten fehlen. Wegen des Baus eines neuen unterirdischen Bahnhofes und der dazu nötigen Zufahrten, der sogenannten «Durchmesserlinie», wurde das Terminal Zürich Ende 2009 geschlossen. «Die bereits schon erkennbaren Kapazitätsengpässe im Wirtschaftsraum Zürich/Ostschweiz haben sich damit erheblich verschärft», stellt Rivas fest, «und die Eröffnung des neuen Gateway Limmattal ist heute nicht absehbar.» Mit ihrem Partner Swissterminal hat Intercontainer eine Lösung im nördlich von Zürich gelegenen Terminal Niederglatt gefunden. Dieser wurde gemäss Roman Mayer, CEO Swissterminal, ursprünglich nicht für Shuttlezüge im Kombinierten Verkehr mit Gatewayfunktion, sondern primär als Umschlagterminal und Containerdepot gebaut. In seiner heutigen Funktion sind die Kapazität und die Leistungsfähigkeit des Terminals Niederglatt nicht mit der von grenznahen Grossterminals vergleichbar, was Intercontainer und Swissterminal vor operative Herausforderungen stellt.

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Auch in anderen Schweizer Terminals stossen die Kapazitäten an ihre Grenzen. Das Terminal Basel SBB CT ist de facto ausgebucht. Der Umschlagbahnhof Rekingen als Intercontainer-Schnittstelle für den Intermodalverkehr zwischen den deutschen Seehäfen, Wolfurt und dem sogenannten Swisssplit verfügt kaum mehr über freies Potenzial, ebenso wie das Terminal/Containerdepot Frenkendorf südlich von Basel. Dort wurde kürzlich ein leistungsfähiger Portalkran in Betrieb genommen. «Oftmals ist es nicht alleine die Terminalinfrastruktur, die den Anforderungen nur noch knapp genügt», ergänzt Rivas, «auch die angebundenen Bahnhöfe stossen an ihre Grenzen, weil sie nicht für das Operating solch grosser Mengen konzipiert sind».

Der Unbegleitete Kombinierte Verkehr (UKV) Schiene/Strasse leidet heute am ungenügenden Ausbau oder gar an der Verschlankung der Infrastruktur der vergangenen Jahre. Die erfreuliche Entwicklung im intermodalen Schienengüterverkehr wurde nicht frühzeitig erkannt und die Weichen nicht rechtzeitig gestellt. Intercontainer benötigt dringend zusätzliche Terminalinfrastrukturen in der Wirtschaftsregion Zürich/Ostschweiz, damit neue Projekte auf die Schiene gebracht und der bereits bestehende Import/Export-Verkehr effizienter abgewickelt werden kann. Um die grosse Nachfrage nach Transport zwischen Basel und Rotterdam auf die Schiene zu bringen, hat Intercontainer Mitte Februar den neuen «Erasmus-Shuttle» lanciert. Er verkehrt vorerst einmal wöchentlich zwischen Basel Badischer Bahnhof UBF und den Terminals Rail Service Center (RSC) sowie Maasvlakte in Rotterdam. Basel wurde aus zwei Gründen ausgewählt. Einerseits fand Intercontainer noch freie Slots für diesen Shuttle im Terminal. Anderseits verfügt der Umschlagbahnhof sowohl über ein Schweizer wie auch ein EU-Zollamt. Die Kunden können neben dem Schweizer Markt somit die Wirtschaftsräume Südbaden und Elsass schneller und administrativ einfacher bedienen - und neue Märkte erschliessen. In der kurzen Zeit seit der Verkehrsaufnahme ist dieser Shuttle bereits gut ausgelastet. Intercontainer plant ab dem Fahrplanwechsel Mitte April einen zweiten wöchentlichen Rundlauf einzulegen.

Neue Verbindungen

Ein zweites Projekt für den Kontinentalmarkt wird zum Fahrplanwechsel zwischen Deutschland und Norditalien Marktreife erlangen. Mit der Realisierung dieser neuen, anfänglich dreimal wöchentlich angebotenen Zugverbindung zwischen den Umschlagbahnhöfen Ulm/Dornstadt und Melzo bei Mailand können die Güter aus dem Grossraum Ulm-Augsburg die Alpen mit der Bahn überqueren. Befördert werden alle Arten von Containern, Wechselbrücken und Trailern, insbesondere auch Gefahrgüter, für welche auf der Strasse Restriktionen bestehen. Melzo übernimmt dabei neben der Terminalfunktion für die Feinverteilung zusätzlich jene eines Gateway von und nach den Häfen Genua, La Spezia und Ravenna. Der Ulm-Melzo-Shuttle verkehrt über die Schweiz und hat ein Verlagerungspotenzial von 6500 Lastwagen pro Jahr, entsprechend wird seine Lancierung vom Regionalverband Donau-Iller unterstützt.

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«Wir planen noch in diesem Jahr neue Verbindungen zwischen der Schweiz und Frankreich mit Anschluss an Spanien», beschreibt Rivas weitere aktuelle Projekte. Im Kombinierten Verkehr gebe es derzeit keine Linienverkehre auf dieser Achse.

Was erwartet Rivas vom Jahr 2010? «Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die politische Unterstützung für den Unbegleiteten Kombinierten Verkehr mit und via Schweiz sind grundsätzlich sehr positiv. Wie in den meisten Ländern Europas hinken die Infrastrukturen der Marktentwicklung hinterher», resümiert der Intermodal-Manager, «ich erwarte vom Jahr 2010 deshalb, dass die politischen Weichen nachhaltig in Richtung Ausbau der Infrastrukturen gestellt werden, damit wir unsere vielen Projekte und Ideen bald umsetzen können.»