Der Titel des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF) lautet «Shaping the Post-Crisis World». Sie haben fünf Tage Zeit. Reicht das, um die Welt zu retten?

Welche Fragen sind das?

Schneider: Wir fragen uns, was getan werden muss, um die Finanzmärkte in ein Gleichgewicht zu bringen, das Vertrauen wieder aufzubauen und die Märkte wieder zurück in eine Wachstumsphase zu führen.

Eine Vielzahl von Bankern wird am WEF zugegen sein. Reden hier nicht die falschen Exponenten über ein richtiges Thema?

Schneider: Es nehmen ja nicht nur Vertreter des Finanzsektors teil. Zudem haben nicht alle Banker Fehler gemacht. Unser Ziel ist, dass sich Protagonisten aus allen Bereichen unserer Zivilgesellschaft einem Thema widmen. Und dazu gehört auch die Finanzbranche.

Manchmal haben Menschen aus ganz anderen Bereichen zündende Ideen, während sich die Experten im Kreis drehen.

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Schneider: Unser Treffen in Dubai - der Global Agenda Summit - hat genau das Ziel verfolgt, Inputs von verschiedenen Seiten zu bündeln. Die Resultate der Arbeitsgruppen sollen am Jahrestreffen in Davos diskutiert werden.

Die Stabilisierung des Finanzsektors ist nur ein Thema. Welche weiteren Punkte stehen in der Agenda?

Schneider: Wir werden über Fragen sorgfältiger Unternehmensführung reden. Eng damit zusammen hängt das Thema Nachhaltigkeit: Was müssen wir tun, damit nicht erneut die Ärmsten der Armen getroffen werden, weil kein Geld mehr für Hilfsmassnahmen vorhanden ist? Zudem wollen wir über grundlegende ethische Führungsprinzipien sprechen. Wir haben uns alle in eine Richtung entwickelt, bei der es nur noch um schnellstmögliche Gewinne geht. Wir haben vergessen, dass dies in komplettem Gegensatz zu unserem Nachhaltigkeitsgrundsatz steht. Wir wollen immer schneller Geld verdienen und konsumieren. Das kann nicht aufgehen.

Ihre Themenpräsentation klingt ziemlich kleinlaut.

Schneider: Wieso kleinlaut? Diese Themen setzen wir schon seit Jahren immer wieder auf die Agenda.

Aber offensichtlich hat sie keiner ernst genommen.

Schneider: Sagen wir es so: Wir haben schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Ausrichtung auf kurzfristige Gewinne - etwa, wenn Firmen quartalsweise rapportieren müssen - ein beträchtliches Risiko für die Entwicklung der Weltwirtschaft bedeutet.

Nur bringt es wenig, wenn Sie erklären: «Wir haben es ja gesagt.»

Schneider: Wir haben alle die rote Linie überschritten. Aber diese Erkenntnis überall durchzusetzen, ist nicht so einfach. Wir setzen uns dafür ein, dass umgedacht wird.

In diesem Jahr erwarten Sie den Premierminister aus China, Wen Jiabao. Die westliche Welt hat sein Land jahrelang aufgefordert, sich dem Kapitalismus zu öffnen. Nun ist unser Modell gescheitert. Welche Rolle soll China international wahrnehmen?

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Schneider: Moment, das Modell ist nicht gescheitert, hat sich aber in gewissen Bereichen falsch entwickelt. Zu China: Das Land soll eine aktive Führungsrolle wahrnehmen und sich weiter in internationale Gespräche integrieren.

Auf welche Gesprächspartner wird Premier Wen Jiabao in Davos treffen?

Schneider: Russlands Premier Vladimir Putin wird nach Davos kommen. Darüber hinaus erwarten wir eine Vielzahl von Regierungsvertretern aus den G8- und den G20-Staaten. Aus der Wirtschaft werden wir eine lange Reihe von internationalen Top-Managern begrüssen - diesbezüglich wird das WEF 2009 ein absolutes Rekordjahr.

Ist das Forum wichtiger als je zuvor?

Schneider: Die Gäste haben eindeutig das Bedürfnis, sich an einem ruhigen Ort zu treffen und informell sprechen zu können.