Das deutsche Bundeskartellamt will die Entwicklung der Ticketpreise bei der Lufthansa, zu der auch die Swiss gehört, sowie der Tochter-Airline Eurowings nach dem Aus von Air Berlin genauer unter die Lupe nehmen. «Zu starke Erhöhungen auf breiter Front könnten ein Hinweis auf den Missbrauch einer monopolähnlichen Marktmacht sein», sagte der Präsident des Kartellamtes, Andreas Mundt, der «Rheinischen Post» vom Mittwoch laut Vorabbericht.

Darum werde man genaue Informationen über die Preise und ihre Systematik anfordern, um dann zu entscheiden, ob es ein Missbrauchsverfahren gebe. Dabei würden Mundt zufolge die Fluggesellschaften nicht dadurch entlastet, wenn Computer deutlich höhere Preise festgelegt hätten.

«Allein die Tatsache, dass ein Algorithmus die Buchungsvorgänge steuert, nimmt selbstverständlich noch nicht das Unternehmen aus der Verantwortung.» Alle Reservierungssysteme folgten den Vorgaben der dahinter stehenden Unternehmen, sagte Mundt. «Darum können quasi automatische Preiserhöhungen durch entsprechende Software für uns genauso problematisch sein, wie wenn ein Manager persönlich höhere Preise anordnet.»

Nach dem Ende von Air-Berlin kann der Lufthansa-Konzern seine führende Marktstellung auch in Zürich weiter ausbauen. Die Zahl der Monopolstrecken ab Kloten (angeboten von der Lufthansa-Gruppe mit Töchtern wie zum Beispiel Swiss) nehmen zu und Reiseziele, zu denen Passagiere von Zürich aus mit mehreren Airlines fliegen können, gibt es hingegen weniger. Das kann sich auf die Preise auswirken. Mit den neusten Plänen von Easyjet, in der Schweiz zu wachsen, könnte durch die Konkurrenz aber auch wieder Entlastung bei den Preisen erfolgen.

(sda/tdr)