Der Maschinenbauer Schweiter mit Sitz in Horgen steckt in einer aussergewöhnlichen Situation: Das Unternehmen hortet eine Nettoliquidität von rund 600 Mio Fr. - bei einem Börsenwert von nur noch 583 Mio Fr. Ein Grossteil der flüssigen Mittel stammt aus dem Verkauf der Sparte Satisloh im vergangenen Jahr, die Maschinen zur Herstellung von Brillengläsern produziert. Seither warten die Investoren an der Börse auf Informationen, wie Schweiter die flüssigen Mittel zu investieren gedenkt. Nun stellt Widmer grosse Akquisitionen in Aussicht. Schwer verschulden will er Schweiter aber nicht. «100 Mio Fr. müssen mindestens in der Hinterhand bleiben», betont er.

Schweiter stehen rund 600 Mio Fr. an flüssigen Mitteln zur Verfügung. Bei der Publikation der Halbjahreszahlen am 7. August gab es wieder keine neuen Informationen, was mit den Mitteln geschehen soll. Warum?

Hans Widmer: Weil noch nichts feststeht. Akquisitionen kann man sowenig planen wie das Heiraten - die opportunistische Komponente überwiegt.

Schweiter will die Mittel gemäss früheren Angaben in ein Geschäft mit Venture-Charakter sowie in einen weniger risikoreichen Bereich investieren. Was meinen Sie damit?

Widmer: Der risikobehaftete Bereich betrifft den Maschinen- und Anlagenbau. Der eher voraussehbare Bereich betrifft Verbrauchsgüter mit Investitionscharakter. Aber da noch nichts unterschrieben ist, kann ich nichts Weiteres sagen.

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Im Juli sagten Sie noch, Schweiter prüfe rund 30 Objekte. Warum ist bis jetzt keine Übernahme zustande gekommen?

Widmer: Die Mehrzahl der Zielgesellschaften erwies sich als nicht attraktiv genug, viele als nicht verfügbar. Nur wenige sind attraktiv und zugleich verfügbar. Drei, vier Projekte verfolgen wir derzeit weiter.

In welchen Märkten sind diese Gesellschaften aktiv?

Widmer: Dazu kann ich heute keine weiteren Angaben machen.

Sollen die Akquisitionen in bestehende Sparten integriert werden oder geht es an dieser Stelle darum, als «Ersatz» für Satisloh ein neues Standbein aufzubauen?

Widmer: Für die bestehenden beiden Divisionen, die Textilmaschinenbausparte SSM Textilmaschinen und die Halbleitermaschinenbaudivision Ismeca Semiconductor, verhandelt das Management je ergänzende Akquisitionen. Wir wollen beide Standbeine stärken. Aber die grossen, sagen wir «beiden» Akquisitionen, sind Ersatz. Deshalb dürfen sie ausserhalb unserer angestammten Gebiete liegen. Voraussetzung für die Zielgesellschaften ist natürlich, dass sie eine Marktführerschaft haben.

Im Markt heisst es, der Verwaltungsrat agiere in Sachen Investitionen zu zögerlich. Wie sehen Sie das?

Widmer: Eine Opportunität, die man auslässt, bringt einen nicht um. Aber ein Schwachsinn, den man sich aus lauter Ungeduld anlacht, schon. Im Übrigen trüben Akquisitionsaussichten oft den Verstand. Zugegeben: Man kann auch zu zögerlich sein. Aber in unserem Fall sind die Ansprüche hoch. Wir müssen attraktiver kaufen, als es die Aktionäre selber könnten, wenn wir die flüssigen Mittel ausschütteten.

Wie viel der rund 600 Mio Fr. sind Sie bereit zu investieren?

Widmer: Wir sind bereit, uns zu verschulden, aber mindestens 100 Mio Fr. müssen in der Hinterhand bleiben - wie Reserve- Divisionen in der Militärstrategie.

Sie sind bereit, Zukäufe in der Höhe von bis zu 500 Mio Fr. zu tätigen?

Widmer: Ja.

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Wie setzen Sie die Mittel ein, wenn keine Übernahmen zustande kommen?

Widmer: Dann erfolgt ein Aktienrückkauf und beziehungsweise oder eine Dividendenausschüttung.

Welche Option ist aus heutiger Sicht die wahrscheinlichste?

Widmer: Wir akquirieren hinreichend Attraktives - wenn auch nicht alles aufs Mal.

Das Textilmaschinengeschäft von Schweiter hält sich vergleichsweise gut. Wäre ein Verkauf dereinst denkbar?

Widmer: Wir halten mit Freude daran fest.

Die Textilmaschinensparte von OC Oerlikon, Oerlikon Textile, steht dagegen zum Verkauf. Gibt es zwischen Oerlikon Textile und Ihrer SSM Synergien?

Widmer: Die gäbe es. Aber keine, welche die Akquisition von Saurer rechtfertigen würden.

Also ist Schweiter nicht an Oerlikon Textile oder einzelnen Teilen, etwa der Spulenhersteller Schlafhorst, interessiert?

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Widmer: Es ist immer alles auch eine Preisfrage.

Dann ist SSM ja doch interessiert. Führen Sie derzeit Gespräche mit Oerlikon?

Widmer: Wir haben mit allen Gespräche geführt - mit allen über alles.

Eine Zeit lang haben die Medien, auch die «Handelszeitung», über einen Verkauf der Halbleitersparte Ismeca Semiconductor spekuliert - befeuert durch Aussagen vom damaligen CEO Beat Siegrist. Warum ist es nicht zum Verkauf gekommen, dafür aber wurde Satisloh abgestossen?

Widmer: Satisloh haben wir ihrem bedeutendsten Kunden, Essilor, verkauft - und nicht auf unsere Initiative, nota bene. Ismeca hat Potenzial, zum Beispiel auf dem Markt für Leuchtdioden.

Heisst das, dass Firmen mit innovativen, marktfähigen Produkten im Leuchtdiodensparte für Schweiter interessante Übernahmekandidaten sein können?

Widmer: Ja, aber nicht die Hersteller von LED-Produkten, sondern eine Stufe davor, also im Maschinen- und Anlagenbau.

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Sie halten gut einen Viertel an Schweiter. Wie lange bleiben Sie Aktionär?

Widmer: Sicher so lange, bis die neue Schweiter auf dem Gleis ist. Dazu gehören neue Divisionen, neue Verwaltungsräte, ein neuer Präsident. Bis dahin bleibe ich Ankeraktionär, wenn das für die weitere Entwicklung hilfreich ist. Ziel bleibt die nachhaltige Entwicklung von Schweiter. Kasse machen ist nicht mein Ding.