Katars Herrscherfamilie Al-Thani baut ihre Macht bei der Deutschen Bank aus. Über zwei Investmentvehikel hält sie inzwischen fast zehn Prozent der Anteile am grössten deutschen Geldhaus und schickt nun mit dem Bonner Anwalt Stefan Simon einen Vertrauten in den Aufsichtsrat, wie der Konzern am Freitag mitteilte. «Wir freuen uns, dass unsere katarischen Investoren mit ihrem langfristigen Engagement auf den Erfolg der Deutschen Bank setzen», liess sich Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner in einer Pressemitteilung zitieren.

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Die Al-Thanis waren vor gut zwei Jahren bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatten damals eine milliardenschwere Kapitalerhöhung massgeblich mitgetragen. Damals sicherten sie sich auf einen Schlag sechs Prozent der Anteile. Den Kurseinbruch der Deutschen Bank in diesem Jahr nutzten sie nun dazu, ihre Anteile aufzustocken.

Öffentliche Querelen

Den gestiegenen Einfluss machten sie nun gleich bei der Besetzung eines seit Mai vakanten Aufsichtsratspostens geltend. Nach öffentlich ausgetragenen Querelen hatte im Frühjahr der langjährige Chefaufklärer im Kontrollgremium, Georg Thoma, seinen Hut genommen. Ihm war von den übrigen Aufsichtsratsmitgliedern vorgeworfen worden, bei der Aufarbeitung der Skandale der Bank über das Ziel hinaus zu schiessen.

Simon soll bei der Hauptversammlung im nächsten Mai von den Aktionären gewählt werden. Der 46 Jahre alte Jurist soll bis dahin vom gerichtlich als Mitglied des Aufsichtsrats bestellt werden. Einen entsprechenden Antrag hat die Deutsche Bank beim Amtsgericht Frankfurt eingereicht. Die Bank betonte, Simon sei auf Anregung der katarischen Investoren vorgeschlagen worden.

(reuters/mbü)