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Auswirkung
Katars Banken als mögliche Opfer der Krise

Doha: Viele Einlagen bei den Banken kommen aus den anderen Golfstaaten.  Keystone

Banken im Emirat Katar müssen sich nach Meinung von Experten auf Probleme bei der Refinanzierung gefasst machen. Liquidität werde teurer. Derweil bietet sich Russland als Vermittler an.

Veröffentlicht am 11.06.2017

Die Isolierung Katars dürfte Experten zufolge die Banken des Emirats bald unter Druck setzen. Vor allem die Refinanzierung in Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain werde eingeschränkt, sagte ein Banker aus der Region, der namentlich nicht genannt werden wollte, zur Nachrichtenagentur Reuters.

Alle Geldhäuser aus Katar müssten sich strecken, um liquide zu bleiben, ergänzte Branchenexperte Chiradeep Ghosh von der Investmentbank Sico aus Bahrain. Sie müssten dafür künftig Aufschläge zahlen. Die dortige Banken leiden bereits unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre, der die Refinanzierung ebenfalls verteuert hat und mehr Kredite platzen liess.

Grosse Abhängigkeit

Umgerechnet mehr als 14 Milliarden Euro an Einlagen bei katarschen Banken stammen laut Ghosh von Kunden und Geldhäusern aus anderen Golf-Staaten. Das ist in etwa ein Zwölftel aller Einlagen. Sie könnten jetzt durch die politischen Spannungen in Gefahr sein. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten werfen Katar Terrorfinanzierung vor. Das Emirat weist die Anschuldigungen zurück. Geschäftsbeziehungen wurden gekappt, Verkehrsverbindungen unterbrochen.

Die Krise besorgt auch ausserhalb der Region. Am Samstag hat sich Russland als Vermittler angeboten. Moskau habe die Eskalation des Konflikts mit Sorge verfolgt, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem katarischen Kollegen Scheich Mohammed Al Thani. In Moskau seien «die Nachrichten über die Eskalation mit Beunruhigung aufgenommen worden», sagte Lawrow. «Wir sind für die Beilegung aller Meinungsverschiedenheiten im Dialog.» Al Thani bezeichnete die Blockade-Politik der Nachbarstaaten als «illegal». 

Türkei hinter Katar

Der türkische Präsident Recip Tayyip Erdogan forderte ein Ende der Blockade gegen Katar. Er rufe Saudi-Arabien auf, seiner Führungsrolle in der Region gerecht zu werden und die Krise beizulegen, sagte er am Freitag in Istanbul. Zugleich sicherte er Doha weitere Hilfe zu. Ankara werde Katar unter anderem mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen.

Amnesty International machte am Samstag auf die schwerwiegenden Folgen der Blockade für tausende von Familien aufmerksam. Zu den «brutalen» Folgen zähle es, dass Eltern von ihren Kindern und Männer von ihren Frauen getrennt würden, heisst es in einer in London veröffentlichten Erklärung der Menschenrechtsorganisation. Dies verursache «seelische Leiden und Angst». In Katar leben demnach 11'000 Staatsangehörige aus Bahrain, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 

(reuters/sda/jfr)

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