SIHLCITY . Mit Riesenspektakel war im März die Eröffnung des Zürcher Einkaufs- und Vergnügungszentrums Sihlcity gefeiert worden. Nun herrscht Katzenjammer. Die Sihlcity-Leitung hat sich bereits verabschiedet. Jetzt läuft die Suche nach der Nachfolge (siehe «Nachgefragt»).

Vor allem bei Kleiderhändlern macht sich Unmut breit, wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. Der Expansionsverantwortliche einer grossen international tätigen Modekette ist empört: «Sihlcity hat die Hausaufgaben nicht gemacht. Die Leitung unternimmt zu wenig, um Besucher anzulocken. Es hat keinen Weihnachtsmarkt, zu wenig Bänke und Papierkörbe.» Da er diese Woche sein Anliegen bei der Leitung deponieren will, mag er noch nicht öffentlich zu seiner Kritik stehen. Zur Umsatzentwicklung meint er nur lapidar: «Es läuft.»

Geschäftsverlauf unter Budgets

Auch bei anderen Modeketten entwickeln sich die Geschäfte nicht nach Plan. Vögele-Chef Daniel Reinhard: «Unsere Filiale in Sihlcity läuft unter Budget.» Er betont aber: «Sie arbeitet profitabel.» Allerdings weise die Vögele-Filiale im Zürcher Stadtzentrum eine höhere Profitabilität aus. Bei PKZ und Blue Dog laufen die Geschäfte in Sihlcity «knapp unter Budget», sagt deren Chef Olivier Burger. Thomas Weber, CEO des Lingeriegeschäfts Palmers, erklärt: «Der Geschäftsverlauf war recht unterschiedlich. Im 2.Quartal hatten wir ein sehr gutes Geschäft. Mit den Umsätzen im 3. Quartal waren wir nicht zufrieden. Jetzt zieht es an, und die Tendenz zeigt auch das Weihnachtsgeschäft berücksichtigend wieder nach oben.»Noch im Juli jubelte die Centerleitung: «100 Tage nach der Eröffnung zieht Sihlcity mit rund 1,65 Mio Besuchern und einem Umsatz von 90 Mio Fr. eine positive Bilanz.» Nun erklärt Interimsleiterin Christina Haag: «Wir geben keine Umsatzzahlen bekannt.» Die Umsatzentwicklung im Bereich Gastronomie sei aber überaus erfreulich. «Im Retailbereich ist es je nach Branche unterschiedlich, aber sie entwickeln sich positiv.»

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Zu viele Kleiderläden

Zur Kritik an der Centerleitung hält Haag fest, dass der Vorstand der IG Mieterschaft über die Marketingmassnahmen entscheidet. «Wir setzen nur um, was die Mieter beschlossen haben. Die Eigentümer haben die Attraktivität für 2007 definiert: Wir beschränken uns auf den Weihnachtsbaum und das Päcklihaus. Wir möchten keinen Weihnachtsmarkt, möchten aber die Attraktivitäten in der Shoppingmall 2008 verstärken.» Der Mietermix im Detailhandel von Sihlcity ist gezielt auf Fashion orientiert. Dabei gibt es bereits zu viele Kleiderläden in der Schweiz. PKZ-Chef Burger gibt zu bedenken: «In der Stadt Zürich wird mit Mode rund 1 Mrd Fr. umgesetzt. In Sihlcity müssten mit Kleidern rund 100 Mio Fr. Umsatz erzielt werden, damit die Flächen anständig rentieren würden. Das ist sehr viel.» Christina Haag vertröstet auf die Zukunft: «Es braucht zwei bis drei Jahre, bis ein neues Shoppingcenter erfolgreich ist und man es mit anderen messen kann.»

NACHGEFRAGT
«Wir haben keine Probleme in der Führungsetage»

Die Interims-Centerleiterin von Sihlcity, Christina Haag, über den Wechsel in der Sihlcity-Leitung.

Sihlcity hat ein Führungsproblem. Sie suchen bereits einen neuen Centerleiter.

Christina Haag: Wir haben keine Probleme in der Führungsetage. Eine sehr intensive Eröffnungsphase kann zu einem Wechsel in der Leitung führen. Der Wechsel ist krankheitsbedingt.

Der ehemalige Leiter soll aber auch nach seiner Genesung nicht als Centerleiter zurückkehren.

Haag: Wir möchten eben die Leitung möglichst bald besetzen. Das wird voraussichtlich in den ersten zwei Monaten 2008 sein.

Der Marketingleiter ist auch schon gegangen. Was läuft schief?

Haag: Es läuft nichts schief. In der intensiven Eröffnungsphase standen Events im Vordergrund. Jetzt wird Marketing und Kommunikation wichtiger. Es braucht ein anderes Profil. Im Februar wird eine neue Marketingleiterin beginnen.

Haben Sie denn seit Anfang an bereits mit einem Wechsel gerechnet?

Haag: Nein, natürlich nicht. Aber nun beginnt eine neue Ära mit einem anderen Team.

Zu viele Shopping-Center

Die kleine Schweiz wird mit Shoppingzentren überzogen, aber längst nicht alle arbeiten wirklich zufriedenstellend. Das ist die zentrale Erkenntnis des Marktforschungsinstituts IHA-GfK, welche diesen Bereich des Detailhandels näher betrachtet hat.

Beim letzten Vergleich des Marktforschungsinstituts verzeichneten 33 der Einkaufstempel Umsatzrückgänge, 13 stagnierten und lediglich 33 erreichten eine klare Erlössteigerung. «Betrachtet man die 20 umsatzstärksten Shoppingkomplexe, waren elf im Plus, fünf im Minus und vier Einkaufszentren stagnierten.»Bereits existieren 96 Shoppingzentren. Trotzdem sind 19 weitere Einkaufszentren für die nächsten Jahren geplant. Im Sommer 2008 soll das Einkaufszentrum im Stadion St. Gallen, im Oktober 2008 das Westside in Bern-Brünnen und 2011 das Ebisquare in Ebikon eröffnet werden. Diese drei gehören zu den grössten geplanten Einkaufszentren in der Schweiz. Zählt man die geplanten neuen Einkaufszentren zusammen, summiert sich eine Fläche von rund 410000 m2.