Nach der Hochzeitsankündigung von Holcim und Lafarge scharren bereits die Kaufinteressenten an der Türe. Diese sind auf Unternehmensteile der beiden Zementkonzerne scharf, die aus Wettbewerbsgründen verkauft werden müssen. Die meisten Verkäufe wird es in Europa geben, wo die Überlappungen gross sind.

«Wir haben viele schriftliche Bekundungen von Interessenten bekommen, die entweder das ganze Paket oder das Geschäft in einzelnen Ländern erwerben wollen», sagt Holcim-Finanzchef Thomas Aebischer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Interessiert gezeigt hätten sich einerseits Firmen aus der Baustoffindustrie, andererseits Finanzinvestoren wie etwa Private-Equity-Gesellschaften.

Bei der Bekanntgabe ihrer Hochzeitsabsichten vor fünf Wochen hatten die beiden grössten Zementkonzerne der Welt den Verkauf von Geschäften mit einem Umsatz von 6 Milliarden Franken und einem Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) von einer Milliarde Franken angekündigt. Rund zwei Drittel der Geschäfte befänden sich in Europa.

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Kein Verkauf an grosse Konkurrenten

«In Europa haben wir vor allem Überlappungen in Frankreich und Grossbritannien, in geringerem Ausmass in Deutschland», sagt Aebischer. Keine Hoffnungen dürfen sich aber die grossen Konkurrenten machen. Sie dürften sich das ganze Europa-Paket kaum sichern. «Das ist aus Wettbewerbsgründen so gut wie unmöglich», sagt der Holcim-Finanzchef.

Ausserhalb von Europa werde es Verkäufe in Kanada, Brasilien, Ecuador und Marokko geben. «Die Situation in den USA müssen wir uns noch anschauen», sagt Aebischer. In Asien sollten Teile des Geschäfts auf den Philippinen abgestossen werden, weil es dort signifikante Überlappungen gebe. Sonst hätten Holcim und Lafarge in dem Inselstaat einen Marktanteil von über 60 Prozent. In Indien und China stehe man mit den Behörden in Kontakt.

Keine Schliessung von Werken

Dabei gehe es aber nicht um die Schliessung von Werken und die Entlassung von Mitarbeitern. «Es wird kein einziges Werk geschlossen», betont Aebischer und bekräftigt damit Aussagen von Lafarge-Chef Bruno Lafont. Die Werke erhielten einfach einen neuen Besitzer. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen seien, wollte Aebischer nicht sagen.

Grösser als in den Werken sei die Unsicherheit in den Führungsetagen der Konzernzentralen. Denn dort gibt es alle Funktionen zweimal. Der Hauptsitz des vereinten Konzerns Lafarge-Holcim sei in Zürich, hiess es bei der Fusionsankündigung. Die zentralen Funktionen würden zwischen Paris und Zürich aufgeteilt.

Trotz der Unsicherheit habe es noch keinen Exodus von Führungskräften gegeben, sagt Aebischer. Im Gegenteil: Viele hätten sich in den letzten fünf Wochen dafür beworben, bei den Integrationsprojekten mitmachen zu können.

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Geographische Ergänzung

Gut ergänzen würden sich die beiden grössten Zementkonzerne der Welt in Afrika sowie im Rest von Lateinamerika und Asien. Durch den Zusammenschluss bekommen Holcim und Lafarge Zugang zu Ländern, in denen einer von beiden bisher nicht oder kaum tätig war. Sie müssen damit keine neuen Werke mehr errichten, die sehr teuer sind. Die internationale Expansion sei mit der Fusion abgeschlossen, erklärt Aebischer.

Das ermögliche signifikante Synergien, da man weniger investieren müsse. Holcim und Lafarge erwarten Synergien von 1,7 Mrd. Franken, wovon ein Drittel bereits im ersten Jahr anfallen soll. Der treibende Faktor der Fusion sei die Steigerung der Profitabilität, sagt Aebischer. Damit könne man den Aktionären auch eine stetigere Dividende ausschütten als bisher.

Nicht gelöst ist indes trotz der Verkäufe von Geschäftsteilen das Problem der sehr grossen Überkapazitäten. Holcim alleine hat eine Produktionskapazität von 206 Millionen Tonnen Zement im Jahr, konnte davon aber 2013 nur 139 Millionen Tonnen Zement verkaufen. Und nun kommt mit Lafarge ein Konzern dazu, dessen Kapazitäten ungefähr gleich gross sind.

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Die Talsohle dürfte erreicht sein, sagt Aebischer: «Wir erwarten, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren wieder anzieht.» Dadurch sollten sich die Überkapazitäten verringern. In den USA werde ein starkes Wachstum erwartet. Und auch in Europa und Mexiko sehe die Lage wieder besser aus.

(sda/vst)