Welche strategischen Ziele verfolgt Novartis mit der Übernahme der Alcon-Beteiligung?

Daniel Vasella: Der Alcon-Anteil, den wir zu einer Mehrheitsbeteiligung ausbauen wollen, wird uns einen Wachstumsmarkt eröffnen und uns erlauben, eine weltweit führende Stellung im Augenheilmittelbereich einzunehmen. In den letzten Jahren hat sich Alcon als Marktführer sehr gut entwickelt und ist durchschnittlich um 13% gewachsen. Daneben erreichen wir mit Alcon auch eine verbesserte Risikoverteilung.

Der Diversifikationsgedanke hat bei der Übernahme mitgespielt?

Vasella: Ja. Ich nenne es eine fokussierte Diversifikation, da wir uns auf den Gesundheitsbereich konzentrieren. Aus diesem Grund haben wir 2007 die Ernährungsbereiche verkauft und stärken durch Zukäufe jene Einheiten, in denen wir bereits aktiv sind. Dazu gehört der Augenheilmittelbereich, wo wir bei den Kontaktlinsen und bei den Augenkrankheiten eine starke Marktstellung innehaben.

Alcon erzielt höhere Margen als der Pharmabereich. Welche Margen erwarten Sie künftig bei Alcon?

Vasella: Im Pharmabereich erreichten wir 2007 Margen von unter 30%, während Alcon in derselben Periode 33,6% auswies. Ich gehe davon aus, dass eine Marge von über 30% gehalten werden dürfte. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass die Margen in allen Geschäftsbereichen immer konstant bleiben, und daher nicht stur danach operieren. Sonst verpasst man Wachstumsopportunitäten.

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Alcon wird dem Consumer-Health-Bereich zugerechnet. Wo sehen Sie dort die Zielmarge?

Vasella: Consumer Health hat traditionell Margen zwischen 20 und 25%, wenn es gut läuft. Aber auch wenn wir eines Tages Alcon ganz kaufen würden, wäre es nicht unbedingt Teil dieser Division.

Sie werden Alcon separat führen?

Vasella: Vorläufig auf jeden Fall. Für eine Zusammenarbeit müssten entsprechende Verträge abgeschlossen werden. Allenfalls könnten die Geschäfte integriert werden, wenn Novartis eines Tages 100% von Alcon besitzen sollte. Dies würde zu Synergien führen.

Wie stellen Sie sich dem Einwand, die Akquisition sei zwar strategisch geglückt, aber sehr teuer.

Vasella: Man bekommt keine guten Objekte zu Schleuderpreisen. Zudem liegt die Mischprämie für die erste und zweite Tranche, die wir zu bezahlen haben, mit 13% durchaus im Rahmen.

S&P hat die Bonität von Novartis nach der Akquisition gesenkt. Nehmen Sie dies bewusst in Kauf?

Vasella: Ja. Wir wussten, dass dies wahrscheinlich kommen würde.

Die Aktien von Novartis stehen unter Druck. Haben die Aktionäre die Akquisition nicht verstanden?

Vasella: Ich denke nicht, dass es eine Verständnisfrage ist. Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass man nicht aus der Reaktion eines Tages auf die Richtigkeit einer Transaktion schliessen sollte. Wahrscheinlich bedauern gewisse Aktionäre aus dem angelsächsischen Raum, dass das Aktienrückkaufprogramm jetzt für eine gewisse Zeit sistiert wird.

Werden Sie es wieder aufnehmen?

Vasella: Das Aktienrückkaufprogramm ist nicht definitiv gestoppt, sondern nur temporär eingestellt.

Das heisst auf mehrere Jahre?

Vasella: Das wird sich zeigen.

Was dürfen die Aktionäre stattdessen von Novartis erwarten?

Vasella: Man kann von uns erwarten, dass wir profitabel wachsen und im Pharmabereich Marktanteile gewinnen. Dann wird sich der Aktienkurs wieder verbessern. Aktien sind aber auch Moden unterworfen, und heute ist Pharma bei Investoren nicht en vogue. Berechnet man den Wert des Unternehmens mit Hilfe des Net Present Value, sind wir heute unterbewertet und damit sehr günstig.

Wie geht es im Pharmabereich weiter, in welchem Sie mit Wachstumsproblemen kämpfen?

Vasella: Man wird im Laufe des Jahres sehen, dass sich der Pharmabereich gut entwickelt.

Das 2. Halbjahr dürfte also deutlich besser werden?

Vasella: Ja. Unter Ausschluss der Einmalereignisse des letzten Jahres weisen unsere Produkte ein gutes Wachstum auf.