Wenn die Börse Recht hat, müssten auf Sonova (Ex-Phonak) schwere Zeiten zukommen. Seit Anfang September hat die Aktie fast 40% verloren. Mit den Ängsten um die Weltkonjunktur geht die Sorge einher, auch der Absatz an Hörgeräten werde drastisch einbrechen. Am 11. November wird Sonova ihre Halbjahreszahlen präsentieren.

Valentin Chapero, CEO von Sonova, sieht keinen Grund für die Sorgen um Sonova. Seine Abnehmer würden bisher keinen Absatzeinbruch feststellen (siehe «Nachgefragt»). Die Signale von den Märkten seien zudem uneinheitlich: «In einigen regionalen Märkten sehen wir eine Verlangsamung, doch längst nicht in allen», betont Chapero.

Die negative Entwicklung der Sonova-Aktie erklärt sich Chapero mit einem Missverständnis: «Wir werden zuweilen mit Anbietern von Konsumgütern in einen Topf geworfen», sagt er, «doch der Kauf eines Hörgeräts ist nicht vergleichbar mit dem eines Flachbildschirms oder Ähnlichem.» Wer schlecht hört und ein Hörgerät kauft, habe in der Regel bereits zehn Jahre damit zugewartet und wurde in dieser Zeit von seiner Familie bedrängt, endlich eins zu kaufen. Eine solche Notlage behebe man gewöhnlich nicht in Abhängigkeit von der Konjunktur.

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Dennoch: Mit einem Wachstum in der Grössenordnung der letzten Jahre rechnet Chapero vorläufig nicht mehr. Im vergangenen Jahr waren das noch 12%, in den vergangenen Jahren durchschnittlich 16%. Sollte sich ein stärkerer Nachfrageeinbruch ergeben, wäre Sonova in der Lage, die Kosten nach unten anzupassen.

Keine Kooperationen

Im Quervergleich der Branche steht Sonova gut da. Im Oktober hat der Konzern eine Reihe neuer Produkte im mittleren und unteren Preissegment vorgestellt und zusätzlich mit dem Kopfhörer Audéo PFE überrascht, einem MP3- beziehungsweise iPod-Kopfhörer. Damit plant Sonova keinen Einstieg ins Konsumgeschäft, betont Chapero. Mit seiner Qualität sei das Gerät aber ein ideales Marketinginstrument für die medizinischen Geräte, die das Geschäft von Sonova bleiben würden.

Eine deutliche Absage verpasst Chapero der Vorstellung eines künftigen Zusammenschlusses oder von Kooperationen in der Branche. Niels Jacobsen, CEO des dänischen Konkurrenten William Demant, hat kürzlich in einem Interview erklärt, solche Entwicklungen würden sich angesichts der hohen Entwicklungskosten aufdrängen. «Ich weiss nicht, weshalb er dieses Thema erfunden hat, denn es kann nur erfunden sein», sagt der Sonova-CEO dazu. Die Entwicklungskosten im Umfang von 6 bis 9% des Umsatzes und angesichts der hohen Margen seien für keines der sechs grossen Unternehmen der Branche ein Problem.

 

 

nachgefragt


«Wir sind bis in die Haarspitzen sensibilisiert»

Valentin Chapero ist CEO des Hörgeräteunternehmens Sonova.

Die Börse urteilt vernichtend über Sonova: Die Aktie hat seit September stark an Wert verloren.

Valentin Chapero: Was hier passiert, hat mit Sonova überhaupt nichts zu tun: Es gab von uns keine schlechten Neuigkeiten. Irgendwann wird die Rationalität wieder einkehren. Dann wird das Unternehmen wieder so bewertet, wie sich das auf der Basis der Zahlen gehört.

Ihre Aktie ist stärker als der Gesamtmarkt abgestürzt.

Chapero: Unser Hörsystemgeschäft wird offenbar irrtümlicherweise so wahrgenommen, wie wenn wir Konsumprodukte verkaufen würden. Daraus wird der Schluss gezogen, unser Geschäft sei zyklisch.

Ist Ihr Geschäft nicht zyklisch?

Chapero: Wenn Leute nicht mehr gut hören, haben sie keine Alternative zum Hörgerät. Deshalb sind wir relativ unabhängig von der Wirtschaftslage. Allerdings ist die momentane Situation einzigartig und wir sind deshalb mit unseren Aussagen sehr vorsichtig geworden.

Wieso das?

Chapero: Unsere Abnehmer sehen zumeist noch keinen Einbruch, weder bei den Stückzahlen noch beim Produktmix. Das könnte sich allerdings schnell ändern. Es gibt momentan keine eindeutigen Signale, wohin sich der Markt bewegt. Wir sind sensibilisiert bis in die Haarspitzen.

Zeigt die aktuelle Wirtschaftskrise ein neues Muster?

Chapero: Wir sind in einer Situation, die mit keiner vergleichbar ist, die ich in den letzten zwölf Jahren kennen gelernt habe. Man kann nicht vorhersagen, welches der psychologische Einfluss dieser Finanzkrise ist.

Wenn sich die Nachfrage deutlich abschwächt ? wie können Sie von der Kostenseite darauf reagieren?

Chapero: Unser gesamter Kostenblock ? ohne Herstellkosten (OPEX) ? liegt weltweit bei 500 Mio Fr. . Wenn es sein muss, können wir immer 5 bis 10% einsparen. Wir haben mehr als genug Manövriermasse.

Sie kommen neu mit einem MP3- beziehungsweise iPod-Kopfhörer. Ein Einstieg ins Massengeschäft?

Chapero: Wir haben klar nicht vor, ins Konsumgeschäft einzusteigen oder den Fokus auf hochwertige Medizinprodukte zu verlieren. Wir können mit dem Kopfhörer einer breiteren Bevölkerung zeigen, dass wir im Bereich der Hörtechnologie führend sind.

Fokussieren Sie sonst mehr auf Tiefpreisprodukte?

Chapero: Nein, das macht überhaupt keinen Sinn. Unser Produktspektrum ist immer breit angelegt. Wir sind in allen Segmenten vertreten. In dieser Branche läuft das nicht so, dass man mehr Produkte im billigen Segment lanciert, weil da allenfalls der Absatz steigen könnte.