Was gab für Sie den Ausschlag, in den Verwaltungsrat der Krankenkasse Sanitas zu gehen?

Jens Alder: Der Gesundheitsmarkt im Allgemeinen und das Krankenversicherungsgeschäft im Speziellen sind nicht nur volkswirtschaftlich sehr bedeutungsvoll, sondern auch äusserst komplex. Das reizt mich. Sanitas finde ich deshalb sympathisch, weil sie nicht politisieren, sondern einfach unter schwierigen Regulierungsumständen nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen einen guten Job für die Versicherten machen wollen. Ich denke, ich kann hier mithelfen, das Unternehmen in der strategischen Ausrichtung und bei der strukturierten Umsetzung zu unterstützen.

Sie wurden erst per 1. Oktober ins Gremium gewählt. Weil Sie vorher aufgrund des alten Vertrags bei der TDC nicht durften?

Alder: Nein, das Datum hat nichts mit meinen Verpflichtungen gegenüber TDC zu tun. Wir haben uns einfach auf dieses Datum geeinigt.

In der Medienmitteilung zu Ihrer Wahl heisst es, Sie brächten «wertvolle Erfahrung in der Unternehmensführung in einem regulatorisch beeinflussten Markt mit». Im Klartext: Werden Sie viel lobbyieren müssen?

Alder: Nein, das war damit nicht gemeint. Vielmehr bin ich der Ansicht, dass man unter den meisten Regulierungsregimes ein Geschäft betreiben kann, sofern der Rahmen klar und konsistent ist und die Behörden verlässlich und vorhersehbar agieren. Damit habe ich einige Erfahrungen aus recht unterschiedlichen Perspektiven.

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Der Kostendruck bei den Krankenkassen ist gross. Sie bringen Erfahrung im Restrukturieren mit. Wird unter Ihrer Ägide auch bei der Sanitas restrukturiert?

Alder: Der Kostendruck im Gesundheitswesen ist gross, die Wertschöpfung und damit das Kostensenkungspotenzial bei den Krankenkassen aber im gesamten Kontext relativ bescheiden. Die wohl relevantere Erfahrung, die ich einzubringen hoffe, ist professioneller Kundendienst, Prozessoptimierung und Steuerung von komplexen Geschäften.

Sie sitzen noch im Verwaltungsrat des Telekomanbieters Sunrise. Wie sehen Sie dort Ihre Aufgabe?

Alder: Im VR von Sunrise sorge ich in Absprache mit meinen ehemaligen Aktionären für Kontinuität. Ich vermittle zwischen den Kulturen: In Kopenhagen bin ich der Schweizer, und in Zürich der Däne.

Planen Sie, in weiteren Gremien Einsitz zu nehmen, oder streben Sie eine operative Verantwortung an?

Alder: Ich möchte sehr gerne auf VR-Ebene weiterarbeiten. Hier kann ich meine Erfahrungen mit verschiedensten Governance-Modellen einbringen und auf eine relativ breite operative Führungserfahrung zurückgreifen.

Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen der Telekombranche und einem Krankenversicherer?

Alder: Sicherlich gibt es Parallelen zwischen Krankenkassen und Telekom-Dienstleistern, etwa bei Themen wie Vertrieb, Marketing, Kundendienst und Produktgestaltung. Verständnis für Informatik und Dienstleistungsproduktion sind wohl auch keine Nachteile. Trotz diesen Gemeinsamkeiten gibt es aber grosse Unterschiede, die ich erst noch im Detail lernen muss.