Für Biotechunternehmen gibt es keinen Mittelweg. Entweder sie haben grossen Erfolg, oder sie gehen unter. Das hat sich nun am Beispiel von Arpida aus dem basellandschaftlichen Reinach bestätigt. Ein beratendes Expertengremium der US-Zulassungsbehörde FDA hat im November mit 17 zu 2 Stimmen empfohlen, Arpidas Hoffnungsträger Iclaprim, ein Antibiotika gegen schwere Spitalinfektionen der Haut, nicht für den amerikanischen Markt zuzulassen. Der Aktienkurs des Reinacher Unternehmens brach innert weniger Tage um 84% auf 85 Rp. ein. Noch im Sommer des vergangenen Jahres war der Titel 45 Fr. wert.

Arpida hat nun kaum mehr Überlebenschancen: «Für Arpida bedeutet das Verdikt des FDA-Beratungsausschusses wohl das Ende», ist Michael Sjöström, Portfolio-Manager des Pictet Biotech Funds, überzeugt. Dass Iclaprim noch eine Zulassung erhält, ist seiner Meinung nach «sehr unwahrscheinlich». Arpida hat die Selbstauflösung faktisch bereits eingeleitet und angekündigt, mit 60 Beschäftigten drei Viertel der Belegschaft zu entlassen. Offiziell liess das Unternehmen verlauten, man wolle Arpida damit «auf eine gesunde Basis stellen». CEO Jürgen Raths wollte sich gegenüber der «Handelszeitung» nicht weiter zur Zukunft äussern und verwies auf den 16. Dezember. Erst an diesem Tag werde man informieren.

Arpida hätte auch eine Erfolgsgeschichte werden können. Mehrere 100 Mio Dollar Spitzenumsätze wären für das Antibiotika nach einer Zulassung laut Raths durchaus möglich gewesen. Und noch vor wenigen Wochen dominierte in Reinach der Optimismus. Noch im Oktober zeigte sich der CEO in einem Interview mit der «Handelszeitung» davon überzeugt, dass Iclaprim den Test des FDA-Expertengremiums problemlos bestehen werde. Und selbst für den Fall einer negativen Empfehlung gab er sich gelassen: Was der FDA noch fehle, würde man nachliefern können, und für eine solche Nachfrist würde auch das Geld reichen. Der geplante Abbau zeigt, dass man diese Ansicht mittlerweile revidiert hat.

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Bald kein Geld mehr in der Kasse

Arpida verbrennt bisher monatlich 4,5 Mio Fr. Auf Jahresende hat Raths noch vor kurzem mit einem Kassenbestand von 40 Mio Fr. gerechnet. Allein für einen zweiten Anlauf bei der FDA würde das Unternehmen gemäss dem Biotechanalysten von Helvea, Olav Zilian, 45 Mio Dollar benötigen. Im Umfeld der aktuellen Finanzkrise und mit schwindenden Aussichten auf eine Zulassung dürfte das Unternehmen kaum mehr neue Mittel aufnehmen können.

Bliebe die Hoffnung auf einen mächtigen Käufer. Die tiefe Börsenkapitalisierung von etwa 19 Mio Fr. liegt deutlich unter dem Kassenbestand – allerdings werden die im Detail noch unbekannten Restrukturierungsmassnahmen und insbesondere der Sozialplan für die 60 Entlassenen zu Buche schlagen. Ohnehin sieht Olav Zilian für diesen Ausweg wenig Chancen: «Für einen grossen Pharmakonzern ist Arpida nicht interessant.» Mit dem Kahlschlag unter den Mitarbeitern entschwindet dem Unternehmen eine Menge an Know-how. Ausserdem können die Pharmamultis wegen der aktuellen Finanzknappheit auch erfolgreichere Biotechunternehmen günstig erwerben. So übernahm Roche vergangene Woche für den Schnäppchenpreis von 50 Mio Fr. die amerikanische Memory Pharmaceuticals, die an Alzheimer-Medikamenten arbeitet. Diesem viel versprechenden Unternehmen – mit Nobelpreisträgern im Beirat – wäre Mitte 2009 das Geld ausgegangen.

Als einziger Anker bleibt für Arpida die Chance, dass sich ein kleines Biotechunternehmen als Käufer hervortut, um so schnell und einfach an die Börse zu gelangen. So hat schon Cytos 2002 den Gang an die Börse durch den Kauf der kotierten Asklia abgekürzt. Olav Zilian sieht als möglichen Kaufkandidaten mit diesem Motiv die Biotechunternehmen Novexel aus Frankreich oder MerLion aus Singapur. MerLion kennt Arpida bereits aus einer Forschungszusammenarbeit.

Basilea als Erfolgsbeispiel

Fast gleichzeitig wie Arpida erhielt auch Basilea im November einen negativen Bericht von der US-Zulassungsbehörde. Auch der Basilea-Titel stürzte daraufhin um einen Drittel ab. Doch die Ausgangslage zwischen den beiden Unternehmen ist komplett verschieden. Der Negativentscheid der FDA bezog sich bei Basilea nicht auf die Qualität des Hauptprodukts Zevtera – ebenfalls ein Antibiotikum gegen Hautinfektionen und zudem gegen diabetische Fussinfektionen. Die US-Zulassungsbehörde hat die einwandfreie Überwachung der Studien zu diesem Medikament gerügt, die vom Vertriebspartner Johnson & Johnson durchgeführt wurden. Der Pharmamulti muss nun die Mängel beheben. Fachleute sind überzeugt, dass dies gelingen wird. Für Basilea verzögert sich allerdings die US-Zulassung um mindestens ein Jahr.

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Zwar verbrennt Basilea mit 12 bis 15 Mio Fr. pro Monat deutlich mehr Cash als Arpida, doch ist die Kasse mit 357 Mio Fr. (per Ende Juni) noch ausreichend gefüllt. Noch wichtiger aber: Basilea ist mit Medikamenten bereits auf dem Markt vertreten und generiert damit Umsätze. Kanada und mehrere europäische Länder – darunter die Schweiz – haben Zevtera dieses Jahr zugelassen und in einigen davon wird es bereits verkauft. Die Spitzenverkäufe pro Jahr sollen sich laut Analystenschätzungen auf bis zu 1,5 Mrd Fr. belaufen. Auch Toctino, das zweitwichtigste Medikament aus der Basilea-Pipeline – gegen ein schweres chronisches Handekzem – wurde in einigen europäischen Ländern zugelassen und ist in einem Teil davon bereits im Handel. Hier werden Spitzenumsätze von bis zu 700 Mio Fr. erwartet.