Auch wenn Software-Lizenz und -Wartungskosten laut einer Studie von Forrester lediglich 13% der IT-Budgets von US-Firmen absorbieren, bilden diese Ausgaben den zweitgrössten Posten nach Hardware bei IT-Budgets, wenn Personalkosten nicht berücksichtigt werden. Global entfallen 250 Mrd Dollar pro Jahr auf Software von Firmen, und hiervon sind Firmen-Applikationen mit einem Anteil von 47% der mit Abstand grösste Teil vor Betriebssystemen (13%), Datenbanken (10%) und Integrationstools (8%).

Vom Geschäftsgang abhängig

Kernstück der Firmenapplika-tionen sind immer noch die Enterprise-Resource-Planning-(ERP) Produkte, die um Customer Relationship Management (CRM, Software für die Verwaltung von Kundenkontakten) und Supply Chain Management (SCM) erweitert werden. ERP-Systeme sind unentbehrlich für die Verwaltung von Unternehmensfinanzen, die Budgetverwaltung, die Personalverwaltung und die Unternehmensfinanzen.

Zementiert ist der Markt, in dem sich bei Firmenkunden mit SAP und Oracle zwei «Gorillas», eine Handvoll weiterer mittelgrosser Anbieter sowie eine Vielzahl kleiner, regional verankerter Hersteller tummeln, nicht. Denn etwa alle fünf bis zehn Jahre eröffnet sich ein neues Feld mit Funktionen, die es vorher in der Form noch nicht gegeben hat. Dazu sind typische Firmen-IT-Softwarelandschaften noch ziemlich heterogen zusammengesetzt und noch keinesfalls konsolidiert.

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Ungetrübt sind die Wachstumsaussichten dennoch nicht. Viele Firmenkunden wechseln erst dann auf neue Architekturen, wenn sich diese bewährt haben und Kinderkrankheiten und Experimentierphasen abgeschlossen sind. SAP-Verantwortliche betonen derzeit bei jeder Gelegenheit, dass sie keine solchen Verzögerungen sehen. Dann nimmt der Preisdruck mit der Konsolidierung der Anbieter eher noch zu – Käufer, die also noch etwas warten, bekommen ihre Lizenzen günstiger, vor allem wenn sie bei On-Demand-Spezialisten Konkurrenzofferten einholen. Schliesslich korrelieren viele Anschaffungen mit dem allgemeinen Geschäftsgang eines Unternehmens – und IT ist hier keine Ausnahme. Wenn sich jetzt ein globaler Abschwung einstellen sollte, dürften auch etliche Firmenkunden in den westlichen Ländern ihre IT-Budgets einfrieren und Softwareprojekte noch etwas aufschieben.Im ERP-Markt dürfte sich dadurch die Konsolidierung eher noch beschleunigen. SAP konnte seit Ende 2004 ihren Marktanteil organisch von 22 auf 27% steigern, Oracle erlebte in dieser Zeit zunächst einen leichten Rückgang von 17 auf 14% und hat sich jetzt bei 16% stabilisiert. Microsoft schaffte trotz geballter Marketingmacht lediglich den Ausbau von 2,4 auf 3,2%. Alle drei grossen Anbieter sind gegenüber neuen Ansätzen (Mietmodelle usw.) exponiert, alle arbeiten – teils halbherzig – an Lösungen, um den jungen Anbietern wie Salesforce.com oder Netsuite das Feld nicht ganz kampflos zu überlassen. Neben den Mega-Konzernen wie Oracle, SAP, IBM und Microsoft sowie den Firmen wie Infor, Lawson oder SunGard, denen Analysten die kritische Masse bescheinigen, werden laut den Marktforschern von IDC kleine Hersteller in Nischen überleben, weil sie entweder für bestimmte Branchen spezielle Lösungen bauen oder technologisch führend sind.

Probleme sind für die mittelgrossen Anbieter zu erwarten, die weder die Marktmacht der Grossen noch das Expertenwissen der Spezialisten haben – ausser die ganz grossen Konzerne schaffen es weiterhin nicht, den Markt der Kleinfirmen erfolgreich zu adressieren. Sage, Intuit, Deltek oder Visma haben das Feld erfolgreich besetzt.