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Elektromobilität
Kehrt Tesla dem Massenmarkt den Rücken zu?

Tesla Model 3
Das Sorgenkind von Tesla: Das Model 3Quelle: Keystone .

Gibt Tesla wegen den Produktionsproblemen beim Model 3 auf? Es gibt Hinweise, dass der Hersteller im Luxus-Segment bleiben möchte.

Von David Torcasso
am 23.05.2018

Bei Tesla brodelt es gewaltig – und langsam aber sicher droht der kalifornische Autobauer einzuknicken. Es gibt erste Signale, dass Elon Musk seinen Ehrgeiz aufgibt, mit Tesla ein Hersteller für den Massenmarkt zu werden. Potentielle Kunden sollen verärgert – und Investoren vorsichtig sein. Die Probleme häufen sich bei dem Visionär der Automobilindustrie. 

Über Pfingsten verkündete Musk, man wolle eine neue Version des Model 3 bauen, die rund 78'000 Dollar kosten soll, wie das « Wall Street Journal» schreibt. Damit würde das Model 3 in einer Premium-Variante erhältlich sein. Genau das Gegenteil, das Musk versprochen hatte. Nun fragen sich die Fans und Investoren von Tesla: Was ist mit der versprochenen Version des Model 3, die rund 35'000 Dollar kosten würde?

Elon Musk gibt zu, dass diese Massenmarkt-Version Tesla in den Abgrund reissen könnt und sagt, dass die günstigere Version bei den aktuellen Produktionsmengen «Geld verlieren und sterben».Tesla hat sich lange bemüht, eine Version des Models 3 zu produzieren, die 50'000 Dollar kostet. Aber auch das scheint nicht zu klappen. Indessen verbrennt das Unternehmen von Musk weiterhin viel Geld. Anscheinend kriegt es Musk einfach nicht hin, ein Auto zu bauen, welches im Massenmarkt bestehen kann. 

Was passiert mit den Vorbestellungen?

Die neue Version des künftigen Tesla Flagschiffs erinnert mit den neu genannten Preisen wiederum an ein High-End-Auto. Das hat Musk seinen Investoren aber nicht versprochen: Tesla hat eine Marktkapitalisierung von 50 Millionen Franken, weil das Unternehmen von einem Nischen- zu einem Massenhersteller werden soll. Nun beginnen aber andere Autohersteller mit dem Bau von massenfähigen Elektroautos – wie etwa Chevy, dessen Elektroauto rund 36'000 Dollar kosten soll. Und auch die deutschen Autobauer haben für das kommende Jahr einige Elektroautos in der mittleren Preisklasse angekündigt. 

Sollte Tesla den Massenmarkt aber aus den Augen verlieren, dann wird das Unternehmen viel weniger Autos produzieren können als angekündigt. Die Investoren werden die hohe Bewertung der Kalifornier in Frage stellen. Der Marktwert von Tesla liegt bei etwa 450'000 Dollar pro verkauftem Auto im letzten Jahr – das ist mehr als das 16-fache des Wertes des Autos, schreibt «Wall Street Journal». Ein Ende der Produktion des Model 3 ist nicht angekündigt, aber die Variation der verschiedenen Ausführungen des Model 3 beunruhigt die Aktionäre.

Software-Update soll Bremsweg-Problem beheben

Derweil übt sich Tesla auch in Schadensbegrenzung: Das amerikanische Konsumentenmagazin «Consumer Reports» hat am Montag das Model 3 von Tesla nicht zum Kauf empfohlen. Der Fahrspass sei gross, aber es gebe auch erhebliche Mängel, berichtete «Consumer Reports». Das Magazin, das viele Produkte und jedes Jahr auch in den USA verkaufte Autos testet, nennt als Beispiele, dass der zentrale Touchscreen schwer zu bedienen und der Bremsweg zu lang sei.  

Elon Musk wehrt sich und verspricht ein Software-Update auszuführen, welches das Problem mit dem Bremsweg lösen soll. «Wenn Tesla die Bremsen über die Luft aktualisieren kann - eine Branchenneuheit - würden wir unser Model 3 gerne noch einmal testen», sagt Jake Fisher, Leiter des Bereichs Automotive Testing bei «Consumer Reports» zu Reuters. Tesla nutze die sogenannte «over-the-air updates» (OTA), um Software-Fixes und Verbesserungen an ihren Fahrzeugen zu senden.

Tesla hatte in der Vergangenheit eine umständliche Beziehung zu «Consumer Reports». Vor einem Jahr zog das Magazin seine Top-Ranking für Tesla's Flaggschiff Modell S aufgrund der Tatsache, dass der Autohersteller keine Notbremse eingesetzt hatte, zurück. Danach wurde diese Bewertung aber erneuert, nachdem Tesla eine OTA durchgeführt hatte. Das Magazin empfahl auch Teslas Modell X, also den SUV, nicht.

Mit Material von Reuters

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