Erhöht über dem Untersee setzt Schloss Marbach seinen eigenen Akzent. Claus Jacobs, der verstorbene Industrielle und Mäzen, hat das stattliche Anwesen vor 20 Jahren aus dem Dornröschenschlaf erweckt und es zum modernen Tagungszentrum umfunktioniert. In alten Schriften erscheint die Burg erstmals im Gründungsjahr der Eidgenossenschaft 1291. Obwohl auf deutschem Boden gelegen, ist der Komplex östlich von Stein am Rhein, nur wenige Kilometer von der Grenze, stets in enger Verbindung mit dem Nachbarland geblieben.

Alles auf das Tagen ausgerichtet

Der Patron von Jacobs Suchard unterzog das leer stehende Gebäude einer aufwendigen Renovation, nachdem es zuvor über Jahrzehnte heruntergewirtschaftet worden war. Allerdings sollte das schmucke Bauwerk nur knapp ein Jahr als internes Kommunikationszentrum des Schweizer Kaffee- und Schokoladekonzerns dienen. Mit dem Verkauf von Jacobs Suchard an die heutige Kraft Foods ging Schloss Marbach an die Johann-Jacobs-Stiftung in Zürich über. Damit verbunden war die Öffnung der Räumlichkeiten für sämtliche Firmen, Institutionen und Verbände.

Nur am Charakter der Tagungsstätte änderte sich nichts. «Wir sind kein Seminarhotel im üblichen Sinn», sagt Geschäftsführer Peter Rohner. Im Schloss Marbach ist alles auf die Tagungsaktivitäten ausgerichtet. Geschäftsleute, die in den 61 Zimmern einfach übernachten, gibt es nicht. Einzig die Wochenenden stehen für private Anlässe wie Hochzeiten und Jubiläen zur Verfügung. An den Werktagen wird das weitläufige Anwesen mit 17 ha Land und Seeanstoss für den Seminarbetrieb genutzt. Konzerne wie Barry Callebaut, seit sechs Jahren der Pächter, veranstalten hier einwöchige Kadertreffen. Für Klausuren für 50 und mehr Personen kann Schloss Marbach schon einmal als exklusives Tagungszentrum dienen.

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Als Besonderheit gilt das vom Zentrum angebotene Impulsprogramm. Unter dem Motto «Lernen durch Erfahrung» wird der Teamgedanke über spielerische Herausforderungen gefördert. Im Park stehen rund 20 Installationen für Leadership-Übungen bereit. Der ehemalige Spitzenturner Rohner koordiniert eine Crew, die je nach individuellen Fähigkeiten massgeschneiderte Programme organisieren und begleiten kann. Bei anspruchsvollen Übungen stützt er sich auf Spezialisten der Schweizer Sportschule Magglingen. Es entsprang der Idee von Claus Jacobs, die Stätte auch auf Aktivitäten auszurichten, die nicht direkt mit dem Geschäft zu tun haben. «Die Balance zwischen Beruf und Freizeit ist uns wichtig», erklärt Rohner.

Reflexion wird grossgeschrieben

Das Seminarzentrum, mitten in einem Naturschutzgebiet, eignet sich besonders für Firmenchefs, die ihren Mitarbeitern die Zeit zur Reflexion in einer einfachen Umgebung ermöglichen wollen. Bereits gibt es Projekte, die Natur noch stärker in Tagungsformen zu integrieren. Die Infrastruktur ist über die Jahre ständig erweitert worden. Neue Gästehäuser kamen dazu, ebenso wie Tennisplätze und ein 4-Loch-Golfplatz mit Driving Range und Putting Green.

Jüngstes Highlight ist ein lichtdurchfluteter Neubau, der sich an eine Herrschaftsvilla anschmiegt, die unter Denkmalschutz steht. Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt Peter Rohner die Anekdote von englischen Gästen, die sich nach den fehlenden Türmen im Schlossgebäude erkundigten. Auf alten Stichen gibt es sie, doch ein Brand hat die historischen Attribute zerstört. In Verlegenheit geriet der Gastgeber deswegen nicht. Er zeigte ihnen den modern interpretierten Neubau mit drei Wohntürmen, der neben dem Schlossgebäude errichtet wurde. Darin untergebracht ist eine Schwimmhalle mit einem 20-m-Pool und einer Wellnessanlage.

Dem kulinarischen Aspekt wird ebenso Aufmerksamkeit geschenkt - anders als in einem klassischen Seminarhotel gibt es auf Schloss Marbach keine A-la-carte-Menus. Das Essen wird auf die Bedürfnisse der Gäste abgestimmt. Frische Küche statt Convenience Food lautet die Devise. Prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft sind auf dem Anwesen übrigens keine Seltenheit. Sie können auf höchste Verschwiegenheit zählen. Dafür setzt Rohner auf die gleichfalls diskrete Mund-zu-Mund-Propaganda - das ist für einen Betrieb, der auf keiner Reservationsliste einer Hotelkette steht, doppelt wichtig.

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