Die Privatisierung der verstaatlichten Grossbank Novo Banco ist in Portugal vorerst gescheitert. Die Verhandlungen mit den drei verbliebenen Übernahme-Kandidaten seien ergebnislos für beendet erklärt worden, teilte die portugiesische Notenbank am späten Dienstagabend in Lissabon mit. Der Verkauf der Bank sei bis auf weiteres, mindestens aber bis Jahresende verschoben worden. Keiner der Interessenten habe ein Angebot vorgelegt, das «hinsichtlich Preis und Risiko adäquat» gewesen sei, hiess es.

Der Privatisierungsprozess solle frühestens nach den Stresstests wieder aufgenommen werden, dem sich die Novo Banco zusammen mit weiteren Geldhäusern Europas bis Ende 2015 unterziehen soll, liess die Banco de Portugal wissen. Bei den in die engere Wahl gekommenen Kandidaten hatte es sich nach Berichten der Fachpresse um die chinesische Versicherung Anbang, den US-Investmentfonds Apollo und die chinesische Gruppe Fosun gehandelt.

Verstaatlicht und saniert

Die Novo Banco (Neue Bank) war im August 2014 - nur zweieinhalb Monate, nachdem Portugal den EU-Rettungsschirm verlassen hatte - aus den gesunden Bereichen des zusammengebrochenen Geldhauses BES (Banco Espírito Santo) hervorgegangen. Sie wurde verstaatlicht und mit einer Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro saniert.

Die BES hatte im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro erlitten. Die Notenbank sprach zudem von «Hinweisen auf illegale Geschäfte». Die faulen Kredite und Geschäfte der BES wurden in eine Bad Bank ausgelagert.

(awp/gku)