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Europa
Kein Jubeljahr

Vorbehandlung: Die Kabinen werden am Fliessband im 2-Minuten-Takt in ein chemisches Bad getaucht.

Der Nutzfahrzeugmarkt bekam 2012 nach dem noch guten Vorjahr auf dem ganzen Kontinent die wirtschaftlich schwierige Situation zu spüren.

Von Kurt Bahnmüller
am 29.05.2013

War 2011 mit einem Wachstum der Neuzulassungen von 11 Prozent noch ein erfreuliches Jahr für die europäische Nutzfahrzeugindus­trie, so folgte 2012 die kalte Dusche. Die schwierige konjunkturelle Situation in vielen europäischen Staaten – vornehmlich in Südeuropa – lähmte nicht nur das wirtschaftliche Geschehen in diesen Ländern, sondern parallel auch den Absatz von Liefer- und Lastwagen. Stottert der Konjunkturmotor, wird weniger transportiert und werden weniger Nutzfahrzeuge benötigt.

Gesamthaft wurden letztes Jahr in den 26 EU-Staaten (Malta gibt keine Zahlen bekannt) sowie in den drei Efta-Ländern 1,77 Millionen leichte und schwere Nutzfahrzeuge neu in Verkehr gesetzt. Dies entspricht einem Rückgang von 12 Prozent gegenüber 2011. Analysiert man die Zulassungszahlen in den drei Gewichtsklassen, so kann festgestellt werden, dass die Verkäufe in der Kategorie 3,5 bis 16,0 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht beziehungsweise ab 16 Tonnen Gesamtgewicht um 5,4 und 9 Prozent abgenommen haben. Die leichten Transporter hingegen weisen ein happiges Minus von 13 Prozent auf.

Die Ausnahme Schweiz im Plus

Von den in der «Handelszeitung»-Tabelle erfassten 29 Ländern weisen nur gerade sieben höhere Neuzulassungen für 2012 auf. Darunter befinden sich allerdings vier Staaten mit eher bescheidenem Absatzvolumen. Zu den Ländern mit höheren Nutzfahrzeugverkäufen zählt im übrigen die Schweiz. 2012 wurden hierzulande 34306 neue Nufas immatrikuliert, 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 8 vom 21. Februar 2013).

22 Staaten weisen anderseits geringere Immatrikulationen auf. In den vier wichtigsten europäischen Nutzfahrzeugmärkten – Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und Italien – wurden 2012 total 1,166 Millionen Nutzfahrzeuge verkauft, dies entspricht einem Anteil am gesamten europäischen Markt von 66 Prozent. Die stärksten Rückgänge verzeichneten letztes Jahr Portugal (–52 Prozent), Zypern (–47 Prozent), Griechenland (–42 Prozent) und Italien (–32 Prozent). In neun Ländern bewegte sich der Marktrückgang «nur» zwischen 3 und 8 Prozent und war damit geringer als das Minus des Gesamtmarktes. In Island (+40 Prozent), Bulgarien (+31 Prozent) oder Lettland (+ 14 Prozent) wurden im vergangenen Jahr mehr Nutzfahrzeuge in Dienst gestellt.

Euro 6 macht berechtigte Hoffnungen

Für das laufende Jahr geben sich die einzelnen Hersteller eher zurückhaltend. Die Ankündigung von Kurzarbeit bei einigen Marken lässt darauf schliessen, dass man in diesem Jahr mit eher schwierigen Verhältnissen rechnet. Positiv auf den Absatz auswirken könnte sich anderseits die auf den 1. Januar 2014 anstehende Einführung der Euro-6-Norm für Neufahrzeuge. Hier rechnen Europas Nutzfahrzeughersteller mit moderaten Vorzieheffekten.

Neue Modelle beleben den Markt: Besonders die EU-weite Einführung der Euro-6-Motorennorm auf Januar 2014 könnte die Nachfrage bereits 2013 leicht ankurbeln.

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