Seit Jahren geht es mit der Micronas-Aktie abwärts. Das Geschäft ist in die roten Zahlen geraten. Haben Sie schon mal über einen Rücktritt nachgedacht?

Wolfgang Kalsbach: Diese Frage muss man sich regelmässig stellen. Im Augenblick ist die Lage so: Im Automobilgeschäft kommen wir sehr gut voran. Im Consumer-Geschäft ist das Marktumfeld nicht sehr positiv. Weder bei unseren Kunden noch den Mitbewerbern sieht die Lage rosig aus. Noch hat niemand den Königsweg gefunden. Auch wir nicht.

Sie sind also der richtige Mann für Micronas?

Kalsbach: Das Managementteam ist, mit meiner Person an der Spitze, vom VR bestätigt worden. Also gehe ich davon aus.

Ist Micronas an der Börse fair bewertet?

Kalsbach: Sehr viele Firmen aus unterschiedlichen Sektoren haben derzeit eine deutlich geringere Bewertung als noch vor einem Jahr.

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Sind die Zeiten, als Micronas bei 70 Fr. notierten, vorbei?

Kalsbach: Das Gesamtbewertungsniveau der Tech-Branche lag damals deutlich höher. Wir konzentrieren uns darauf, das operative Geschäft zu verbessern, wollen aber gleichwohl unsere Einschätzungen zur aktuellen Marktlage kundtun ? auch wenn dies kurzfristig nicht kurstreibend ist.

Ihr Sorgenkind ? die Consumer-Division, die unter anderem Chips für Flachfernseher produziert ? leidet unter der konjunkturellen Abkühlung. Wie wird sich das 2. Halbjahr entwickeln?

Kalsbach: Es gibt keinen klar ersichtlichen Trend. Beim Absatz der Flachfernseher schätzten Marktforscher für das 4. Quartal 2007 32 Mio Stück. Für das 4. Quartal 2008 rechnete man bis vor kurzem mit 40 Mio Stück. Nun aber haben zwei führende Hersteller ? LG Display und AU Optronics ? laut darüber nachgedacht, ihre Produktion zurückzufahren. Endhersteller wie Sony haben angekündigt, ihre Lagerbestände zu reduzieren. Die Signale der Industrie für die kommenden Monate sind also nicht sehr positiv.

Wie schnell spürt das Micronas?

Kalsbach: Wenn ein Kunde die Produktion drosselt, erfahren wir das relativ zeitnah.

Wie lange ist die Laufzeit für ein Chip-Modell von Micronas?

Kalsbach: Im Consumer-Bereich ein bis eineinhalb Jahre. Dafür dauert auch die Zeitspanne zwischen Design Win und Volumenproduktion nur sechs bis zwölf Monate.

Warum haben die sportiven Grossevents wie die Euro 08 nicht die erwarteten Impulse gebracht?

Kalsbach: Wir beobachten, dass Konsumenten das Public Viewing bevorzugen. Zudem kurbeln solche Anlässe nicht den Gesamtabsatz an Flachfernsehern an. Man kauft sich eventuell früher im Jahr ein Gerät für einen solchen Anlass, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit dann kein zweites zu Weihnachten.

Was sind die Markttreiber?

Kalsbach: 2008 werden zum ersten Mal mehr Flachfernseher als Röhrengeräte verkauft. Wir rechnen mittelfristig mit einem zweistelligen Marktwachstum pro Jahr. Der Fernsehgerätemarkt ist mit heute 150 Mio Stück einer der grössten Consumer-Märkte.

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Wie viele Mitbewerber haben Sie?

Kalsbach: Wir haben mit rund zehn Konkurrenten zu kämpfen. Parallel betreiben Consumer-Häuser wie Sony und Samsung eigene Entwicklungsabteilungen für Chips.

Kommt für Micronas ein Schulterschluss in Frage?

Kalsbach: Mittelfristig hat der Markt keinen Platz für alle Mitbewerber. Daher ist eine Partnerschaft eine interessante Option, die wir angehen und verfolgen, wenn etwas auf dem Tisch liegt.

Führen Sie derzeit Gespräche?

Kalsbach: Nein.

Welche Rolle soll Micronas im Konsolidierungsprozess spielen?

Kalsbach: Für uns kommen sowohl Übernahme wie Verkauf in Frage. Ausschlaggebend ist immer der Mehrwert für Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden.

Wird das Consumer-Geschäft in absehbarer Zeit rentabel?

Kalsbach: Noch geben wir keinen Ausblick auf 2009. Aber das Ziel, 2010 ein erfolgreicher Marktführer zu sein, haben wir fest vor Augen.

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