Nach dem heutigen Treffen zwischen Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und ihrem griechischen Amtskollegen Yannis Stournaras ist nun klar, dass für die künftige Besteuerung die internationale Entwicklung in der OECD entscheidend sei. Damit wird es nicht zu einem Quellensteuermodell mit Griechenland kommen, wie es die Schweiz mit Österreich und Grossbritannien ausgehandelt hat. Für die Zukunft dürfte es in Richtung automatischer Informationsaustausch gehen. „Die Schweiz ist nach wie vor an einer Vergangenheitslösung mit Griechenland interessiert“, so Mario Tuor, Sprecher beim Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Nun müsse ein Abkommen ausgehandelt werden, dass die Vergangenheit legalisiert. Ein Zeitrahmen für einen Abschluss eines Abkommens mit Griechenland gibt es nicht.
 
Seit drei Jahren hofft das Land darauf, mit der Schweiz ein Steuerabkommen abzuschliessen und griechische Gelder in der Schweiz zu besteuern. In Griechenland zeigt man sich denn auch enttäuscht über den Verlauf der Gespräche. „Die Schweiz will schwarzes Geld nicht besteuern“, schreiben die griechischen Online-Medien. Finanzminister Stournaras sagte an der Pressekonferenz in Athen, dass Griechenland weiterhin auf einer Lösung nach britischem Vorbild bestehe. Die Steuersätze auf bisher undeklarierten Vermögen sollen sich laut Finanzminister Stournaras auf 19 bis 39 Prozent belaufen.
 
Weiter ist unklar, wie viel griechisches Schwarzgeld in der Schweiz liegt. Als sich die Wirtschaftskrise in Griechenland ab 2010 zuspitzte, soll viel Geld in der Schweiz in Sicherheit gebracht worden sein. Die Schätzungen belaufen sich auf bis zu 50 Milliarden Euro. Experten erachten die Zahl als zu hoch. In Griechenland wird aber dennoch davon ausgegangen, dass aus einer möglichen Abgeltungssteuer mit der Schweiz mehrere hundert Millionen Euro in die griechische Staatskasse fliessen würden. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf enttäuscht die griechischen Hoffnungen auf ein Steuerabkommen nach britischem Vorbild. Griechische Medien sind entsetzt.

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