Die Schweizer Unterhaltungselektronikverkäufer sehen dem Weihnachtsgeschäft gelassen entgegen. «Wir spüren keine Zurückhaltung», sagt Zeljko Turina, Finanzchef bei Media Markt in der Schweiz, «wir sind sogar positiv überrascht über den Absatz.» Die Media-Markt-Geschäfte verzeichnen Umsätze, die etwa auf der Höhe des Vorjahres liegen. Turina sieht auch keine Anzeichen einer Abschwächung. «Und der Preisdruck ist nicht neu für unser Geschäft, wir leben seit langem damit und haben deswegen auch keinen Margendruck.» Auch auf eine Rabattschlacht stellt sich Turina noch nicht ein. «Das könnte höchstens dann eintreten, wenn der Verkauf kurz vor Weihnachten bei einem Grosshändler wider Erwarten einbrechen sollte.»

Gute Stimmung in der Schweiz ...

Auch Interdiscount-Chef Joos-Rudolf Sutter ist positiv eingestellt. «Das 4. Quartal hat sehr gut angefangen, ich bin positiv für das Weihnachtsgeschäft eingestellt.» Preisnachlässe gehörten zum «täglichen Brot in der Unterhaltungselek-tronik», diese werde es immer geben, vor und nach Weihnachten.

Auch beim Logistiker Also läuft das Geschäft noch rund. «Aus heutiger Sicht sehen wir noch keine Abschwächung im Consumer-Markt», sagt Managing Director und Konzernleitungsmitglied Marc Schnyder. Etwas vorsichtiger ist man bei Fust. «Es wird sicher im Bereich der nicht unbedingt notwendigen Anschaffungen Zurückhaltung geben», sagt Fust-Unternehmensleiter Erich Bohli. «Wir sind jedoch speziell bei den Elektrohaushaltgeräten schwerwiegend im Bereich Ersatzbedarf tätig und erwarten keinen starken Einbruch der Nachfrage.»

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Preisnachlässe, die über das normale Mass hinaus gehen, sieht Bohli – zu seiner Verwunderung – nicht. «Unternehmen, die unter das heutige Preisniveau gehen, werden nicht überleben können und es wird zu weiteren Geschäftsaufgaben kommen.» Importe aus Fernost hätten sich aufgrund des wieder deutlich teureren Dollar um 10 bis 15% verteuert.

Es gebe zudem neue Produktkategorien, die, Krise hin oder her, bei Fust sehr stark nachgefragt sind. Dazu zählen Business-Handis oder die neuen kleinen Mini-Notebooks (Netbooks).

Im Ausland dagegen – etwa in Deutschland – verschlechtert sich der Verkauf markant. Die gros- sen Unterhaltungselektronik-Retailer Expert und Media Markt/Saturn meldeten zwar bis zum Sommer solide Umsatzzuwächse zwischen 7 und 10%. Danach schwächte sich die Nachfrage deutlich ab. Der Branchenverband Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik GFU rechnet für das Gesamtjahr noch mit einem Plus von 2%. Daraus ergibt sich für die zweite Jahreshälfte ein Minus von 1% und für das Weihnachtsgeschäft ein Rückgang von 3%, wenn man das hohe Wachstum von 6% im 1. Halbjahr berücksichtigt.

... während US-Markt wegbricht

Auch aus den USA kommen alarmierende Meldungen. Dell-Chef Michael Dell warnte vor sechs Wochen vor schwächeren Umsatz- und Gewinnzahlen.

Die grossen Handelsketten Best Buy und Circuit City schockten vergangene Woche die Retailbranche mit Hiobsbotschaften. «Wir haben das schwierigste Geschäftsklima, das wir jemals gesehen haben», liess der operative Chef von Best Buy, Brian Dunn, verlauten.

Den abrupten Nachfragerückgang aus dem Westen spüren zuerst die taiwanesischen Komponenten- und Kontrakthersteller wie Nay Ya PCB, Tripod oder Unimicron. Laut Anya Chang, Analystin bei Morgan Stanley, wird der gegenwärtige Rückgang zu einem Stresstest für die Industrie werden. Relativ gut da stehen Firmen wie HTC oder Silitech, die Nokia und dem BlackBerry-Hersteller Research-in-Motion sogar noch Marktanteile abgenommen haben.

Unter Druck stehen auch Compal und Merry, die Notebooks und PCs für die grossen Hersteller liefern. Wenn diese einen Preiskampf auslösen, dürften die Preise weltweit ins Rutschen kommen – auch in der Schweiz.