Vergangenen Dezember kündigte Kabelnetzbetreiberin Cablecom den Abbau von bis zu 150 Stellen an. Sie versprach in einem Communiqué: «Ein definitiver Entscheid über allfällige betriebsbedingte Kündigungen wird im Januar (…) gefällt.» Letzte Woche dann freuten sich die Gewerkschaften, dass das Ausmass dieses Stellenabbaus gemildert werden konnte. Vorerst würden bloss 53 Beschäftigte ihre Anstellung verlieren.

Doch entgegen der Ankündigung herrscht für viele Mitarbeiter jetzt, Ende Januar, noch keine Klarheit über ihre Zukunft. Weitere 50 Angestellte müssen noch mit der Kündigung rechnen. «Die Verunsicherung, wen es trifft, ist nach wie vor da», sagt ein langjähriger Mitarbeiter, der nicht genannt werden will. Cablecom-Sprecher Hans-Peter Nehmer bestätigt: «Aus Mitarbeitersicht gibt es tatsächlich keine Entwarnung. In einer zweiten Phase stehen noch einmal 50 Stellen zur Disposition.» Wann entschieden werde, wie viele Mitarbeiter insgesamt entlassen würden, sei noch offen. Sicher sei einzig, dass auch in dieser zweiten Phase erneut Mitarbeiter aus dem IT-Bereich sowie aus dem Backoffice betroffen sein werden.

Geht Frank Boller leer aus?

Nicht nur die Unsicherheit bezüglich des eigenen Jobs geht bei vielen also weiter. Auch die Ungewissheit darüber, wer der neue Chef für die Verbleibenden wird, hält an. Nach Informationen der «Handelszeitung» sind drei Kandidaten in der Endauswahl. Noch vor der Präsentation des Jahresergebnisses Ende Februar, so das interne Ziel, soll der Nachfolger von Rudolf Fischer bekanntgegeben werden können. Gesucht wird der neue Mann von Gene Musselman, President & Chief Operating Officer bei UPC Broadband, der Muttergesellschaft von Cablecom. In der Schweiz haben selbst Kadermitarbeiter keine verlässlichen Informationen über den Stand der Chefsuche. Entsprechend heiss brodelt die Gerüchteküche. So heisst es, dass der Kronfavorit, Cablecom-Manager Frank Boller, noch nicht definitiv gesetzt sei. Eine Nicht-Nomination des umgänglichen Aargauers würde indes viele Mitarbeiter frustrieren. Doch Musselman, so wird berichtet, liebäugle mit einem Kandidaten, der beim UPC-Ableger Telenet in Belgien arbeite. Ein definitiver Entscheid stehe kurz bevor.

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Klar ist: Mit der Wahl eines Nicht-Schweizers ginge UPC ein Risiko ein. Das Beispiel von Sunrise, bei dem Eignerin TDC in früheren Jahren Manager aus Dänemark in die Schweiz entsandte, hat gezeigt, dass es für ausländische Chefs schwierig ist, das hiesige politische System zu verstehen und vor allem darin erfolgreich zu agieren.

Kein Investitionsstopp

Der neue Cablecom-Chef kann sich aber keine Einarbeitungszeit leisten. Seine Kernaufgabe wird sein, das angekratzte Image von Cablecom zu polieren. Das ist eine Herkulesaufgabe, war das Unternehmen doch aufgrund tausender falscher Rechnungen in den letzten Monaten in den Negativschlagzeilen. Auch zuvor sorgte die Kabelnetzbetreiberin durch das Abschalten von analogen TV-Sendern für Kundenärger.

Und die falschen Rechnungen lösten nicht nur Groll bei den Betroffenen aus, sie schlagen sich auch im Ergebnis nieder. Gemäss veröffentlichten Zahlen hat die Cablecom im 3. Quartal 2008 Kunden verloren, und zwar im Internet und in der Telefonie - also ausgerechnet bei bisherigen Wachstumsbereichen. Der Kundenverlust dürfte sich im 4. Quartal 2008 nochmals akzentuiert haben. Cablecom-Sprecher Nehmer betont, dass man geplante Investitionen nicht habe zurückstellen müssen: «Die Einführung des neuen Übertragungsstandards Docsis 3.0, mit dem Kunden mit Geschwindigkeiten von 100 Megabit/s surfen können, erfolgt wie geplant 2009.» Wann und wo die Cablecom den Turbo in ihrem Netz zündet, behält sie vorerst für sich. Für einmal kann sie sich auch Zeit lassen: Solange die Swisscom keine Glasfaser-Produkte pusht, kann der Netzausbau bei der Cablecom in aller Ruhe erfolgen.