Hostpoint hat 2013 mit 10,5 Millionen Franken Umsatz erstmals eine weitere wichtige Marke geknackt. Sie sind die Nummer eins im Schweizer Markt der Webhoster. Doch Hand aufs Herz: Den Namen Hostpoint kennt kaum jemand.
Sandro Bertschinger*: Das ist richtig. Beim Endverbraucher gilt: Webhosting hat man einfach – man macht sich keine Gedanken, wer oder was dahintersteckt. Bei Leitungen ist es anders: Swisscom und Cablecom kennt jeder, ohne die kommt man nicht ins Internet. Selbst in der IT-Branche ist vielen nicht bewusst, wie wichtig Hosting-Provider sind.

Wie wollen Sie diesen «Ruf» ändern?
Durch kommunizieren – mit der Wirtschaft, mit der IT-Branche, mit Verbänden. Wir müssen – so paradox oder tragisch dies klingt – erklären, dass ohne Webhoster nichts funktioniert.

Die 10-Millionen-Franken-Marke ist geknackt: Was sind die nächsten Ziele?
Stetig wachsen – wir machen, seit es uns gibt, nichts anderes. Es wird so weitergehen.

Tönt ganz schön selbstbewusst: Was macht Sie so sicher?
Einerseits kenne ich unsere Produkte-Pipeline, anderseits gelingt es uns seit einiger Zeit die Transformation vom reinen Webhoster hinzum Anbieter von Cloud-Applikationen.

Cloud ist im Zusammenhang mit der latent aktuellen Sicherheitsdebatte rund ums Internet ein gutes Stichwort. Cloud – das tönt angreifbar.
Eines vorweg: Der Trend zur Cloud ist nicht mehr aufhaltbar. Die Leute haben sich, nicht zuletzt durch Produkte wie das iPhone, daran gewöhnt, die Daten immer und überall bei sich zu haben. Software wird nicht mehr heruntergeladen, sondern steht zu Hause, im Büro oder in Ferien zur Verfügung.

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Die Sicherheit leidet.
Sobald ich etwas irgendwo ablege, kann auch darauf zugegriffen werden – erlaubt oder unerlaubt. Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir die totale Sicherheit? Dann muss ich alles in meiner Schublade archivieren. Oder will ich es lieber komfortabel und praktisch? Dann reden wir vom Netz.

Trotzdem schwirrt im Zusammenhang mit Webhosting nicht erst seit der NSA-Affäre auch ein grosses Stück Unbehagen mit.
Als das Thema Webhosting vor 15 oder 20 Jahren aktuell wurde, waren es in erster Linie «Freeks and Geeks», die an irgendwelchen Servern herumgeschraubt haben. Heute ist das längst nicht mehr so – doch dieser Makel haftet dem Geschäft noch immer an. Webhoster bewegen sich heute in einem hochprofessionellen Umfeld.

Jeder der Lust hat, kann eine Webhosting-Firma gründen und aktiv werden. Wie regulieren Sie diesen Markt?
Indem wir den Standard so hoch wie möglich schrauben – sei es beispielsweise über den Support oder zusätzliche Produktangebote. Das reine Hosting einer Webseite macht heute nur noch einen kleinen Teil unseres Geschäftes aus; Kunden verlangen von einem Provider auch, dass er beispielsweise die Webseite auf Google bekannt macht.

Profitieren Sie im Gespräch mit internationaler Kundschaft beim Thema Sicherheit vom Standort Schweiz?
Schwierige Frage, schwierige Antwort. Wir spielen das Thema «Security Switzerland» nicht. Man muss klar sehen, dass Internet in den USA oder in der Schweiz den genau gleich hohen Sicherheitsstandard aufweist. Oder anders ausgedrückt: Wenn die NSA unsere Server hacken will, dann tut sie es auch. Da dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben. Es wäre unfair, den Kunden diese falsche Sicherheit vorzugaukeln. Internet macht vor Grenzen nicht Halt.

Also kein Standortvorteil Schweiz?
Doch, wir haben sehr gute Gesetze, die den Kunden und dessen Daten schützen. Hierzulande können nicht – wie beispielsweise in Deutschland – Staatsanwaltschaft und Polizei in einen Serverraum spazieren und Festplatten beschlagnahmen.

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Zusammen mit weiteren Firmen bewirbt sich Hostpoint beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) für die Registrierung von .ch-Adressen. Beim Abschneiden eines alten Zopfes geht man damit auf Konfrontationskurs mit Switch. Um was geht es Ihnen genau?
Switch macht technisch, also im sogenannten Backend, seit 20 Jahren einen tollen Job. Uns stört aber die Vertriebssituation: Weshalb muss der technische Auftraggeber auch den Verkauf abwickeln? Die Märkte in Deutschland oder Österreich, wo sich ebenfalls Webhoster genossenschaftlich zusammengeschlossen haben, zeigen, dass es auch anders geht. Wir vergleichen uns mit der Rolle von Roger Schawinski in seinem Kampf für Privatradios – wir fangen an, eine Kruste aufzuweichen. Ob es bereits auf 2015 gelingt, wissen wir nicht.

Der Vertrieb soll also in die Hände, die…
… auch damit zu tun haben. Heisst: Alle Provider, die mitmachen wollen.

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Was erhoffen Sie sich in Zahlen ausgedrückt?
Uns geht es nicht um Geld oder Umsatz – wir wollen mitentscheiden können. Grosses Vorbild ist Deutschland: Praktisch jeder Provider sitzt dort in jener Genossenschaft, die jeweils entscheidet, wie es mit der .de-Domain weitergeht.

* Sandro Bertschinger ist Mitgründer und Mitbesitzer von Hostpoint und verantwortlich für Finanzen und Marketing.