Die einst klaren Fronten bei den Exchange Traded Funds, kurz ETF, geraten ins Wanken. Lange Zeit standen sich zwei Gruppen gegenüber: Die einen schwören auf die physische Abbildung der Indizes, indem sie die darin enthaltenen Titel möglichst vollständig selber kaufen; die anderen setzen auf die synthetische Replikation, indem sie mit einer Investmentbank einen Swap auf den betreffenden Index vereinbaren.

Fokus bleibt auf physischer Replikation

«Grundsätzlich sieht sich iShares weiterhin als physisch replizierender Anbieter», stellt Christian Gast klar, Schweizer Länderchef beim ETF-Anbieter iShares. An diesem Fokus werde man nicht rütteln, denn für ihn überwiegen ganz klar die Vorteile des physischen Ansatzes. Dieser biete Transparenz und schliesse das Gegenparteienrisiko Swap-basierter ETF aus. «Aber mit einer Palette von mittlerweile weit über 400 ETF müssen wir uns fragen: Wo gibt es noch Bereiche, die wir nicht abdecken? Es sind vor allem Nischenmärkte», so Gast, «und viele davon lassen sich physisch nur sehr schwer oder zu hohen Kosten abbilden.» Das gelte nicht nur für zahlreiche exotische Schwellenmärkte, sondern insbesondere auch für den grössten Teil des Rohstoffbereichs.

Auch wenn iShares verstärkt synthetisch replizierte ETF anbieten werde, wolle man bezüglich Transparenz «keine Kompromisse» eingehen, erklärt Gast. Und er ergänzt: «Wir setzen bei der Transparenz von Swap-basierten ETF neue Massstäbe.» Konkret heisst das: Auf der Website wird täglich publiziert, wer die Swap-Gegenparteien sind. Derzeit sind es UBS, Credit Suisse und Royal Bank of Scotland; der Kreis soll noch ausgedehnt werden. Veröffentlicht werden daneben auch das Swap-Pricing sowie die Zusammensetzung des Pfandes, mit dem der Swap bis zu 120 Prozent überbesichert ist.

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Gast bekleidet seit Anfang November 2010 bei iShares den neu geschaffenen Posten eines Länderchefs Schweiz. «Zuvor erfolgte die Vertriebsunterstützung aus London heraus», erklärt Gast. «iShares und das Mutterhaus BlackRock sind zum Schluss gekommen, dass wir die Präsenz vor Ort stärken wollen, denn die Schweiz ist einer der Kernmärkte von iShares.»

Neben dem Private-Banking-Markt will Gast auch stärker im Bereich der institutionellen Kunden wachsen. Potenzial sieht er nicht nur bei kleinen und mittleren Pensionskassen, sondern zum Beispiel auch bei Treasurers von grossen Firmen, die zunehmend ETF einsetzen. «Dabei steht nicht im Vordergrund, neue Produkte zu ‹pushen›, sondern wir legen in diesem Segment den Fokus auf das Erbringen von Lösungen, zum Beispiel auf die Strukturierung einer Transaktion», so Gast. Er rate dem Kunden normalerweise, ab einer Transaktionshöhe von 20 bis 30 Prozent des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens den Kauf oder Verkauf ausserbörslich abzuwickeln. Gast: «Dabei können wir dem institutionellen Kunden helfen, den optimalen Broker zu finden.»

30 Neukotierungen geplant

Auch bei Privatanlegern will Gast zulegen. «Dort verspricht der Vergleich mit den USA grosses Wachstumspotenzial», so Gast. «In den USA sind schätzungsweise 40 Prozent der Anleger Private, in Europa erst etwa 10 Prozent.» Über Private und Institutionelle hinweg ergäben sich somit grosse Chancen: «Wir wollen im laufenden Jahr in der Schweiz 25 bis 30 Prozent Neugeld akquirieren.» Wachsen soll auch die Zahl der in der Schweiz kotierten Produkte. «Zurzeit sind in der Schweiz 48 ETF von iShares kotiert. Wir planen 2011 das Listing von rund 30 weiteren Produkten, die bereits an anderen europäischen Börsen gehandelt werden», so Gast. Mit Kotierungen in der Schweiz kommt Gast dem Bedürfnis von privaten und vielen institutionellen Anlegern entgegen, die Transaktionen an der Heimbörse bevorzugen.

Damit entspricht er gleichzeitig auch den Ansprüchen vieler Banken und Vermögensverwalter: «Voraussetzung dafür, dass wir in die Empfehlungslisten von Banken und Vermögensverwaltern aufgenommen werden, ist oft die Zulassung zum öffentlichen Vertrieb. Und diese ist hierzulande bei ETF nur gleichzeitig mit einer Börsenkotierung möglich.»