Von Sandro Merion, Head Wealth Management Research Europe, UBS, Zürich

Die Häufigkeit von Fusionen und Übernahmen ist eng mit dem globalen Wirtschaftswachstum verknüpft. Somit muss sich ein Ausblick auf die zu erwartende M&A-Aktivität entscheidend auf eine globale Konjunkturprognose abstützen. Das Wirtschaftswachstum in den USA wird dieses Jahr durch die Probleme im Markt für Wohnimmobilien belastet. Insbesondere der Finanzsektor und der private Konsum spüren die Auswirkungen der Immobilienkrise. Trotz dieser negativen Konjunkturdaten gehen wir in den USA aber nach wie vor nicht von einer Rezession aus, sondern rechnen mit einem für die kommenden Jahre unter dem Potenzial liegenden Wachstum.

Globales Wirtschaftswachstum

Wichtig zu beachten ist, dass ein grosser Teil des globalen Wirtschaftswachstums inzwischen ausserhalb der USA entsteht, wo die Konjunktur in weit besserer Verfassung ist. Insbesondere Europa und die Schwellenländer sind starke Stützen der globalen Konjunktur. Davon profitieren auch grosse amerikanische Unternehmen, die ihre Gewinne mehr und mehr global diversifiziert erwirtschaften.

Anders als Rezessionen sind Finanzmarktkrisen an sich kein Hemmschuh für die M&A-Aktivität. Die Unternehmen weltweit erfreuen sich derzeit eines tiefen Verschuldungsgrades und hoher Liquiditätsreserven. Obwohl der Zenit dieser Entwicklung überschritten sein dürfte, ist die Liquidität ein weiterer, auf rege M&A-Aktivität hindeutender Faktor.

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Neben der robusten globalen Konjunktur sind aber auch neue Kräfte am Werk, die bei M&A-Transaktionen künftig eine prominente Rolle spielen werden. Die Tendenz zu grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen ist heute viel höher als in vergangenen Jahrzehnten. Ebenfalls häufiger aktiv sind Unternehmen aus Schwellenländern, die öfter Unternehmen aus Industrieländern übernehmen oder sich an ihnen beteiligen.

Standardisierte Buchführungsvorschriften und die globalisierte Wirtschaft zeigen ihre Wirkung. Staatlich kontrollierte Anlagefonds, welche die Exportüberschüsse von Schwellenländern wie China, Russland oder den Arabischen Emiraten anlegen, treten vermehrt bei Beteiligungen und Übernahmen auf. In dem Mass, wie die Mittel dieser Fonds weiter zunehmen, wird auch deren Rolle als Investoren künftig sichtbarer sein. Die angehäuften Mittel der grossen Staatsfonds belaufen sich in der Summe auf etwa 3000 Mrd Dollar und liegen somit in der gleichen Grössenordnung wie die Anlagen, welche weltweit in Hedge-Fonds investiert sind.

In den letzen Jahren sind auch Private-Equity-Häuser vermehrt durch fremdfinanzierte Übernahmen (Leveraged Buyouts, LBOs) aufgetreten. Das insgesamt zurückhaltendere Finanzierungsverhalten und die höheren Fremdkapitalkosten für LBO-Transaktionen haben diesen Boom jedoch stark gebremst. Wir erwarten daher, dass in Zukunft strategisch motivierte Fusionen und Übernahmen zwischen Unternehmen häufiger sein werden als Private-Equity-LBO-Transaktionen. Im Jahr 2007 wurden durch die hohen Preise, welche Private-Equity-Häuser zu zahlen bereit waren, in gewissen Fällen Firmen aus solchen Transaktionen verdrängt. Wir sehen hier Anzeichen einer Trendwende.

Auf globaler Ebene weisen die Finanz- und Rohstoffsektoren in den nächsten Jahren das grösste Potenzial für M&A-Geschäfte auf. Auf regionaler Ebene erwarten wir einzelne M&A-Transaktionen in verschiedenen Branchen: Zum Beispiel Angebote von Konsumgüterunternehmen aus den USA und Europa für Übernahmeobjekte in Schwellenländern. Ebenfalls erwarten wir eine Konsolidierung der grossen europäischen Medienunternehmen innerhalb ihrer Region.

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Unserer Ansicht nach werden Schweizer Unternehmen eher als Käufer agieren denn Übernahmeziele sein. Die Gründe für diese Erwartung liegen in der Struktur und Bewertung der Schweizer Unternehmen: Sie haben tendenziell eine höhere Marktkapitalisierung als europäische Pendants, und auf Grund des beschränkten Heimatmarktes haben sie schon immer nach Kaufgelegenheiten im Ausland Ausschau gehalten.

Vorteile der Schweizer Firmen

In der Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis und EV/Ebitda) notieren Schweizer Unternehmen häufig höher als vergleichbare europäische Konkurrenten. Ausserdem sind Schweizer Firmen oft im Mehrheitsbesitz von Aktionärsgruppen wie Familien, Stiftungen oder strategischen Aktionären. Das tiefe Steuerniveau und die niedrigen Finanzierungskosten ergeben weitere Standortvorteile, die bei einer Übernahme durch eine ausländische Gruppe wegfallen würden. Insgesamt sprechen obige Überlegungen dafür, dass Schweizer Unternehmen vermehrt als Käufer auftreten werden.

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