Der Zürcher Reto Wittwer ist seit 18 Jahren Präsident und Verwaltungsratspräsident der Kempinski Hotels mit Sitz in Genf.  Im Interview mit der «Handelszeitung» übt er harte Kritik an der Konkurrenz. Vor allem lässt er kein gutes Haar an den Nobelmarken amerikanischer Giganten wie Marriott, Starwood, Hilton oder Hyatt, obwohl sie die Luxushotellerie vor 50 Jahren weltweit geprägt haben. «Heute sind die Fünfsternehotels der grossen US-Konzerne austauschbar.» Habe man eines gesehen, habe man alle gesehen. Wittwer ergänzt: «Fünf Sterne allein sind nicht unbedingt Luxus.»

Premiumsegment bald gesätigt

Genauso kritisch gegenüber steht er den rasant wachsendenasiatischen und arabischen Nobelketten wie Mandarin Oriental oder Jumeirah.«Auch deren Häuser sind wie Sandkuchen – alle identisch», sagt Reto Wittwer. Er warnt: «Die grossen Marken im Premiumsegment feiern Eröffnung nach Eröffnung und werden eines Tages ein standardisiertes Haus zu viel betreiben.» Man dürfe als Konzernchef nicht dem Marktdruck erliegen, schnell und günstig zu expandieren. Luxushotellerie sei eine Langzeitphilosophie. «Die bedeutendsten Häuser waren vor 100 Jahren da und werden in 100 Jahren immer noch da sein», erklärt Wittwer. Zeitgemässe Luxushotellerie muss für ihn mit «auserlesenem Lebensstil verknüpft» sein und sich rar machen. «Das heisst, den Service und die Qualität im Premiumsegment nicht normieren, sondern nuancieren», sagt Wittwer.

Weiteres Hotel in der Schweiz

Mehr Betriebe als das Alter der Firma sollte eine exklusive Gruppe nicht haben. «Bei 116 Jahren Kempinski wären es 116 Hotels. Momentan sind es 76. Sprich, bis Ende 2015 kommen höchstens 42 dazu», prognostiziert Wittwer. Kempinski Hotels führt in der Schweiz drei Betriebe in Genf, Mont-Pelerin VD und St. Moritz. Als vierte Adresse ist das Management des neuen «Atlantis» in Zürich im Gespräch.

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