LOGISTIKMARKT. Der Europa-Chef des chinesischen Logistikkonzerns Kerry Logistics wollte die Marktleader Kühne & Nagel und Panalpina das Fürchten lehren und auch in der Schweiz gross expandieren, jetzt hat er den Sessel geräumt. «Mit dem chinesischen Mutterkonzern hatte ich keinerlei Übereinkunft über die strategische Weiterentwicklung Kerrys in Europa», begründet er seinen Abgang der «Handelszeitung». Letzten Frühling sagte Dieckmann dieser Zeitung, dass er bis in zwei, drei Jahren in Ost- und Zentraleuropa stark expandieren und 500 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen will. Er hatte 2006 den Europasitz von Kerry in Hamburg eröffnet. Anfang Jahr ging die Schweizer Niederlassung in Basel auf. In der Schweiz wurden bisher 15 Jobs geschaffen.

Chinesen wollen shoppen

Doch anscheinend ging dies den Chinesen zu wenig schnell. Diese wollen die Europa-Präsenz von derzeit über 500 Angestellten in den Niederlassungen Schweiz, Deutschland, Österreich, England, Spanien, Belgien, Holland und Frankreich, England, Ungarn und Tschechien rasanter ausbauen. Dieckmann plante eine Expansion mit organischem Wachstum. Hongkong stellte ihm dafür einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung. Er hatte mehrmals betont, Fusionen und Übernahmen seien für ihn kein Thema. Nun erklärt Dieckmann, die Chinesen wollten mittels Übernahmen ihre Position verstärken. «Das Mutterhaus in Hongkong ist auf Übernahmen mit Schwerpunkt See- und Luftfracht sowie Kontraktlogistik aus – Merger & Akquisition ist angesagt», sagt er.

Angriffe auf Etablierte erwartet

Dass die Chefs in Hongkong für die Auslandsexpansion keine Kosten scheuen und mit aller Kraft aufs Gaspedal drücken, zeigt eine Reihe von Übernahmen und Beteiligungen seit Anfang Jahr in Indien, den USA und England. Dieckmann wäre auch nicht überrascht, wenn Kerry bei Panalpina oder Kühne & Nagel einsteigen würde. Kerry verfügt weltweit über 6000 Angestellte, davon 4000 in China, wo das Netz 120 Filialen umfasst. Die Nervosität, die Kerry im Markt verursacht, hat stark damit zu tun, dass hinter der Expansionslust Kerrys die Besitzerin, das Milliardenkonglomerat Kuok Group aus Singapur, steht. Wie es mit Kerry in Europa weitergeht, war am Europa- sowie am Schweiz-Sitz nicht in Erfahrung zu bringen. Laut Dieckmann hat interimistisch der Chef von Kerry UK, Gerry Wilcock, seinen Posten übernommen.

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