Früher musste man für einen gelungenen Filmabend erst in einer Videothek den passenden Streifen aussuchen. Der Frust war gross, wenn der gewünschte Film noch nicht zur Ausleihe stand oder schon verliehen war. Heute strömen in Sekundenschnelle aktuelle Kinohits, Dokumentarfilme oder Fernsehserien auf den heimischen TV.

Die Zahl der Filmverleihdienste im Internet wächst. Bald schon startet etwa der Telekomkonzern Orange mit einem neuen Angebot. Auch Schweizer Unternehmen wie Swiss TV aus Genf, DVD Fly aus Neuenburg oder Acetrax aus Zürich buhlen mit innovativen Lösungen um die Gunst der filmhungrigen Kunden und treten so gegen den Technologieriesen Apple an.

Vielfalt beim Videoverleih

Swiss TV und die Movie Box von DVD Fly sind an Set-Top-Boxen geknüpft. Das gilt auch für das Apple-Produkt Apple TV. Diese Boxen bieten eine wesentlich umfangreichere Filmauswahl als Cablecom oder Swisscom und sie sind unabhängig vom Kabelnetzbetreiber. Damit der Filmgenuss aber nicht ins Stocken gerät, empfiehlt sich eine verlässliche Internetverbindung. Hat man sich für einen Film entschieden, kann dieser gemietet und in einem bestimmten Zeitfenster angesehen werden. Es ist auch möglich, einen Film zu kaufen und diesen dann beliebig oft anzuschauen. Im Vergleich zu einer DVD ist das noch eher teuer (siehe Tabelle).

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Apple TV ist vor allem für all jene interessant, die bereits die Multimedia-Software iTunes an ihrem Computer nutzen und auch über ein iPhone oder iPad verfügen. Das Gerät funktioniert zwar auch ohne die Gadgets, lässt sich aber über diese komfortabler bedienen. Das hat den Vorteil, dass dann auf die etwas klein geratene Fernbedienung verzichtet werden kann. Swiss TV überzeugt gegenüber Apple TV dadurch, dass sich auch englischsprachige Fernsehserien und Filme ansehen lassen. Dafür fehlt die Anbindung an Online-Dienste wie Youtube.

Nach dem enttäuschenden Marktstart, Swiss TV liess sich zu Beginn kaum in Betrieb nehmen, lässt sich das vielfältige Filmangebot nun weitestgehend störungsfrei geniessen. Um eben das zu gewährleisten, ist bei der Moviebox von DVD Fly der Internetanschluss über ein Netzwerkkabel Pflicht. Dafür lassen sich über die Box aus Neuenburg zusätzlich ausgewählte Sendungen des Westschweizer Fernsehens ansehen. Das stösst auf Anklang: Seit der Lancierung der Box im Oktober wurden bereits 3000 Geräte abgesetzt, so DVD Fly auf Anfrage. Hingegen ist der Service des Zürcher Anbieters Diva TV, der bald über Philips-Fernseher in die Stube flimmert, nicht auf eine Box angewiesen. Das gilt auch für das Videoangebot der Zürcher Firma Acetrax. Das Unternehmen bedient TV-Hersteller mit einem umfangreichen Filmangebot. In der Schweiz kann es über Fernseher von LG, Panasonic und Samsung und wohl auch bald über die Boxee Box von D-Link empfangen werden.

Mehr als nur Filme aus dem Netz

Die Boxee Box von D-Link bietet weit mehr als nur das Wiedergeben von Videoinhalten. Über sie lässt sich auch auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zugreifen oder im Internet surfen. Doch hat das Produkt für hiesige Käufer noch einen Haken: Die Verknüpfung mit Online-Inhalten ist eher etwas für ambitionierte Anwender. Dafür kann die Boxee Box beinahe jedes Dateiformat auf dem Fernseher abspielen. Zudem reichert sie Multimediadateien mit Informationen, etwa Filmcover aus dem Internet-Filmlexikon IMDB, an. Über die Revue-Box des Schweizer Technologiekonzerns Logitech ist Google TV empfangbar, was davon bereits online und für die Schweiz freigegeben ist. Denn Google mangelt es noch an Inhalten für die Plattform. Zumindest ist Revue das einzige Set mit einer kompletten Tastatur, was das Internetsurfen am TV erleichtert.

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