Ivo Kummer, Film-Chef beim Bundesamt für Kultur (BAK), ist zufrieden. Im Vergleich zu 2014 ist die Zahl der Kinoeintritte um rund zwei Millionen gestiegen, und «trotz James Bond» schnitten die heimischen Filme gut ab. Die verfilmten Kinderbuchklassiker «Schellen-Ursli» und «Heidi» haben mit aktuell rund einer halben Million Zuschauer einen beachtlichen Teil zum Erfolg beigetragen.

Viel mehr «eine Besonderheit» als Absicht war es laut Kummer, dass die beiden Familienfilme im letzten Quartal des Jahres so zeitnah in die Kinos kamen. Während man bei «Heidi» von einem gewissen Zulauf und grossem Exportpotential ausgehen konnte, sei der Erfolg von «Schellen-Ursli» nicht ganz so absehbar gewesen.

«Die Rechnung ist aufgegangen»

Letztlich hätten die beiden Filme voneinander profitieren können. So wurden sie in den Medien oft zusammen erwähnt. «Die Rechnung ist aufgegangen», sagt Ivo Kummer zur Schweizerischen Depeschenagentur.

Während «Schellen-Ursli» laut dem Schweizer Kinoverband ProCinema bis Weihnachten rund 340'000 Zuschauer anlockte, waren es bei «Heidi» kurz vor den Festtagen rund 90'000. Beide Filme laufen noch immer. Als Vergleich: Den Film «Usfahrt Oerlike», in dem die beiden mittlerweile verstorbenen Schauspieler Mathias Gnädinger und Jörg Schneider ihren letzten Erfolg feierten, besuchten 76'405 Zuschauer.

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«Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilmen»

Insgesamt sei die Palette an Schweizer Filmen «eine gute Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilmen» gewesen, fasst der Film-Chef zusammen. «Die Angebotsvielfalt ist gelungen.» Dies bezeugen die Zahlen von ProCinema. Es liefen 164 Dokumentarfilme und 117 Spielfilme – wobei letztere mit rund 482'000 Eintritten (Stand Weihnachten) ziemlich genau die doppelte Anzahl Zuschauer anlockten.

Mit 5,3 Prozent ist der Marktanteil Schweizer Filme (ohne Co-Produktionen) nur leicht angestiegen. 2014 betrug er 5,2 Prozent. Damals sprach Ivo Kummer nach einem ausserordentlich erfolgreichen 2013 (Marktanteil: 6,4 Prozent) von einem vergleichsweise mittelmässigen Kinojahr.

 

«Pflasterlösungen» nach dem MEDIA-Ausschluss

Leicht gestiegen ist auch die Anzahl der Gesuche um Filmförderung. Von den 681 Anträgen (600 im Vorjahr), die 2015 auf Kummers Tisch gelandet sind, wurden 609 weitergeleitet und 159 unterstützt. Dies sind aber wiederum weniger als im Vorjahr. Damals konnten 182 Projekte mit Förderbeiträgen rechnen.

Eine «Dauerdiskussion» war in diesem Jahr erneut der Ausschluss aus dem MEDIA-Abkommen. Seit der angenommenen SVP-Masseneinwanderungsinitiative ist es den Schweizer Filmschaffenden vorerst nicht mehr möglich, an europäischen Filmförderprogrammen teilzunehmen.

«Es wäre falsch, sich jetzt abzukapseln»

Was die Branche an Alternativen gefunden habe, seien «Pflasterlösungen». Aber immerhin: «Das Geld, das jetzt nicht mehr für MEDIA nach Brüssel geht, fliesst jetzt direkt in die Schweizer Filmbranche, zum Beispiel in die Exportförderung», so Kummer.

Auch wenn die Zeiten nicht einfach sind, rät er Schweizer Filmschaffenden davon ab, nur noch für den Heimatmarkt zu produzieren. Diese Tendenz sei durchaus festzustellen, während die Abwanderung dagegen kein Thema sei. Doch: «Es wäre falsch, sich jetzt abzukapseln.»

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«Film Standort Schweiz» soll Aufwind bringen

Das kommende Jahr wird von der neuen Filmverordnung gezeichnet sein. Das Programm «Film Standort Schweiz» (FiSS), das der Bundesrat im vergangenen Jahr in die Kulturbotschaft 2016-2020 aufgenommen hat, soll der heimischen Branche fortan neuen Aufwind geben. Zusätzliche 6 Millionen Franken können fortan in die Dreh- und Postproduktionsarbeiten in der Schweiz investiert werden.

«Ziel der Standortförderung ist es nicht nur, Dreharbeiten in der Schweiz zu behalten, sondern auch Co-Produktionen ins Land zu holen», ergänzt Kummer. Zusammenarbeiten wie bei «Youth», der grösstenteils in der Schweiz gedreht wurde, sollen in Zukunft selbstverständlicher werden.

(sda/ise/mbü)