Noch müssen sich die Anleger gedulden: Das offizielle Fusionsangebot zwischen dem Rohwarenhändler Glencore und der Bergbaugruppe Xstrata soll erst Ende Mai vorgelegt werden - und hat damit deutliche Verspätung. Und auch sonst kommen die beiden Giganten nicht aus den Schlagzeilen: Nachdem erst vor wenigen Tagen Glencore sich mit Vorwürfen der Menschenrechtsverletzung konfrontiert sah, sind nun Dokumente aufgetaucht, die eine Strafanzeige gegen Xstrata dokumentieren.

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«Die Anzeige lautet auf Delikte gegen die Umwelt, begangen gegen die Bewohner der Täler der beiden Flüsse Rio Salado und Rio Ccañipa in der Provinz Espinar, gegen die Einwohner der Stadt Espinar sowie gegen die peruanische Gesellschaft als Ganzes und gegen den peruanischen Staat», heisst es in der Strafanzeige, die bei der Staatsanwaltschaft für Umwelt in Cusco, Peru, eingereicht worden ist.

Studie zeigt Schwermetallkonzentration

Stein des Anstosses ist das Bergbauprojekt, das Xstrata 2006 durch den Kauf des Aktienpakets von BHP Billiton Tintaya erwarb. Die Gesellschaft Xstrata Tintaya, die im vergangenen Jahr 722 Millionen Dollar Umsatz und einen Gewinn von rund 438 Millionen Dollar erzielte, förderte im sogenannten Südandentrapez in Peru alleine im vergangenen Jahr 74'200 Tonnen Kupferkonzentrat, 21'000 Tonnen Kupferkathoden und 33'100 Goldunzen.

Nicht ohne Nebenwirkung: «Entnommene Blut- und Urinproben der Bewohner um den Kupfertagebau von Xstrata zeigen, dass diese unter anderem Schwermetallkonzentrationen von Blei und Quecksilber enthalten», schreibt Sozialgeografin Golda Fuentes von «MultiWatch» in einem Bericht. Die Xstrata-Spitze habe den Dialog bisher verweigert. Auch die Regionalsstelle des Gesundheitsministeriums habe Resultate von Blutproben aus dem Jahr 2010 nie publiziert.

In der von der Bergbautätigkeit betroffenen Region seien gemäss Anklageschrift zudem bei Schafen und Alpacas körperliche Missbildungen registriert worden. «Es gibt Zeugenaussagen von betroffenen Bauern, die berichten, dass solche Fehl- wie auch Totgeburten häufiger geworden sind, jedoch aus Angst vor Repression durch das Bergbauunternehmen nicht denunziert wurden.»

Dialog mit Xstrata gesucht

In den kommenden Tagen reist der Bürgermeister der Provinz, Oscal Mollohuanca, nach Europa, um mit staatlichen Behörden in England und der Schweiz und dem angeklagten Unternehmen den Dialog zu suchen. Vorgeworfen wird dem in Zug und London domizilierten Konzern auch, den sozialen Unfrieden zu schüren. «Xstrata hat über die Jahre mit Investitionen in sogenannte Entwicklungsprojekte eine parastaatliche Struktur geschaffen, die die Demokratie untergräbt», so Fuentes.

Konkret: Diejenigen Dorfgemeinschaften, die unmittelbar um das fast 5000 Hektar grosse Abbauareal Tintaya und dem künftigen Operationsfeld Antapaccay angesiedelt sind, erhalten überproportional mehr Einwicklungsleistungen als der Rest der Provinz. «In einer Provinz, deren Bevölkerung zu zwei Dritteln in Armut lebt», gibt Fuentes zu bedenken.

Gemäss «Handelszeitung Online» vorliegenden Informationen werden die peruanischen Vertreter auch der Xstrata-Generalversammlung vom 1. Mai in Zug beiwohnen.