Sponsoren und Privatpersonen, die in den letzten Jahren Kulturhäuser und Festivals grosszügig unterstützt haben, treten laut Recherchen der «Handelszeitung» massiv auf die Bremse. «Viele Stiftungen haben in der aktuellen Börsenlage einen Vermögensverlust hinnehmen müssen», sagt Toni Krein, Leiter des Corporate Kultursponsorings der Credit Suisse. «Deshalb ist in nächster Zeit mit einem Rückgang der privaten Kulturbeiträge zu rechnen.»

Weniger Geld bedeutet auch weniger Konzerte. Die Tonhalle Zürich beispielsweise hat eine für Herbst geplante Amerika-Tournee ihres Orchesters vorsorglich abgesagt. Während grosse Partner wie Mercedes und Credit Suisse ihre Tonhalle-Engagements aufrechterhalten, haben Julius Bär sowie kleinere Sponsoren ihre Aktivitäten zurückgeschraubt. Elmar Weingarten, Intendant des Tonhalle-Orchesters, hat noch Drastischeres in der Pipeline: «Sparen kann man auch mit jüngeren, noch nicht so teuren Künstlern.» Das heisst, dass die Tonhalle ihre teuren Stars teilweise mit billigeren Jungkünstlern ersetzt, sollte sich die Finanzlage weiter verschlechtern.

Michael Häfliger, Intendant des prestigeträchtigen Lucerne Festival, rechnet damit, dass sich die Rezession vor allem 2010 stärker auswirken wird. «Im Ernstfall müsste tatsächlich darüber nachgedacht werden, die Zahl der Veranstaltungen zu reduzieren», sagt Häfliger. Aufgrund der düsteren Prognose hat er verschiedene Krisenszenarios vorbereitet, die ebenfalls Sparmassnahmen bei Künstlern umfassen.

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