Der Wagenladungsverkehr ist traditionell das Sorgenkind der Bahnen. Die Beförderung von Einzelwagen und Wagengruppen von Anschlussgleis zu Anschlussgleis ist aufwendig sowie kosten- und personalintensiv. Deshalb kämpfen alle Bahnen in Europa in diesem Geschäft tendenziell mit strukturellen Defiziten. Dazu kommt in der Schweiz, dass die Transportdistanzen kurz sind, während die Bahn ihre Stärken vor allem auf langen Strecken ausspielen könnte. Der Auftrag des Bundes als Eigner von SBB Cargo, ein für die verladende Wirtschaft flächendeckendes Netz eigenwirtschaftlich zu betreiben, ist vor diesem Hintergrund eine grosse Herausforderung. SBB Cargo meistert diese Aufgabe zurzeit mit relativem Erfolg. Der Geschäftsbereich Schweiz hat 2007 ein beinahe ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Ein nachhaltig positives Ergebnis, das auch zukünftige Ersatzinvestitionen in die Erneuerung der Lokomotiv- und Wagenflotte erlaubt, erfordert aber weitere Anstrengungen.

Stabilisierung der Mengen

Der Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft führt dazu, dass die Mengen im Binnenverkehr bei den traditionell «bahnaffinen» schweren Gütern sinken. Import/Export werden dagegen wichtiger. SBB Cargo kämpft in beiden Feldern hart und behauptet sich derzeit gegenüber Mitbewerbern auf Strasse und Schiene gut. Die Kunden schätzen die hohe Qualität der Transportleistung. 2007 lag die Pünktlichkeit bei über 97%.

Kundenorientierte Dispo- und Planungsteams und die regionalen Teams der Cargo-Produktion gewährleisten eine flexible und auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmte Bedienung vor Ort. Bei den Import/Export-Verkehren kann SBB Cargo auf die gute und sich weiterentwickelnde Zusammenarbeit zählen mit den Nachbarbahnen, auf die enge Partnerschaft mit den Rheinhäfen und darüber hinaus auf eigene internationale Verbindungen in wichtige Wirtschaftszentren. Die Voraussetzung, dass grosse Warenmengen auch weiterhin auf der Bahn bleiben und die Auslastung des Bedienungsnetzes hoch bleibt, ist – neben konkurrenzfähigen Transportangeboten – allerdings die Sicherung des in seiner Dichte einzigartigen Anschlussgleissystems. Hier sind Wirtschaft, Politik und Behörden gleichermassen gefordert, denn es ist absehbar, dass der Erneuerungsbedarf bei den Anschlussgleisen bei gleichzeitig härteren betriebswirtschaftlichen Bedingungen in den nächsten Jahren mindestens gleich hoch bleiben, wenn nicht sogar steigen wird. Einer der Kostentreiber sind dabei die modernen, aber teuren Weichen, die einen sicheren Anschluss von privaten Gleisanlagen in das hochtechnologisierte Netz ermöglichen. Gemeinsam mit dem Verband der Anschlussgleis- und Privatwagenbesitzer (VAP) setzen wir uns dafür ein, dass sich private Investitionen in die Infrastruktur auch zukünftig lohnen.

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Ein weiteres Schlüsselelement für die Netzauslastung ist die Verbindung von Import/Export-Container-Verkehren aus den Seehäfen mit dem Wagenladungsnetz. Sie ist mit dem Umschlagsterminal im Rangierbahnhof Limmattal geplant. Der Rangierbahnhof ist das Herz des schweizerischen Wagenladungsnetzes. Es muss das Ziel sein, hier möglichst viele Container auf der Schiene weiterzubefördern, statt sie auf verstopfte Strassen zu schicken.

Steigerung der Produktivität

SBB Cargo hat die Produktivität in den letzten Jahren durch Vereinfachung der Produktion und Straffung des Bedienungsnetzes stark gesteigert, ohne dadurch substanzielle Mengen zu verlieren. Nur so war es möglich, den Abbau der Bundessubventionen von 70 Mio Fr. auf null einigermassen ergebnisneutral und ohne unverhältnismässige Preissteigerungen zu kompensieren. Weitere Optimierungen sind aber auch in der Zukunft nötig. Der Nachteil der kurzen Distanzen kann nur mit einer überdurchschnittlichen Produktivität kompensiert werden. Dabei geht es vor allem darum, Personal-, Lok- und Wagenressourcen gleichmässiger und stetig auszulasten. Dies ist nur in enger Zusammenarbeit mit den Kunden möglich und in Abstimmung mit deren Logistikketten. SBB Cargo arbeitet mit Hochdruck daran. Die Massnahmen zur Sanierung des Unternehmens, die der Verwaltungsrat der SBB kürzlich beschlossen hat, sind auch für das Schweizer Cargo-Geschäft von zentraler Bedeutung. Der Stellenabbau in den nicht-direkt produktiven Bereichen und die konzernweite Lösung bei der schweren Instandhaltung (von Lokomotiven) sollen die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Die Schweizer Wirtschaft braucht den Zug, den sie hat. SBB Cargo ist heute nicht nur der CO2-Bilanz wegen für die meisten ihrer Kunden eine wichtige Partnerin. Für mehr Zug sorgt SBB Cargo mit einer hohen Leistung und interessanten Angeboten. Aber auch Behörden und Politik müssen dazu beitragen. Mit mehr Unterstützung für Anschlussgleisbesitzer, mit einer Richt- und Ortsplanung, die bahninfrastrukturelle Lösungen für den Güterverkehr ermöglicht, und mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Gütertransport auf der Schiene, insbesondere beim Trassenpreissystem.