Die Voraussetzungen sind denkbar einfach: Prozesse in einem Unternehmen, die weitgehend standardisiert abgewickelt werden können, lassen sich als Service von darauf spezialisierten Anbietern mieten. Weder Hard- noch Software wird selber gehalten, aktualisiert und gewartet.

Die meist geringeren Kosten lassen sich transparent abbilden. Cloud-Modelle haben auf diese Weise inzwischen die Rolle des Treibers der seit Jahren angestrebten IT-Industrialisierung übernommen. Dennoch klafft eine deutliche Lücke unter den Anwendern, wie kürzlich auch die Analysten von Forrester Research aufzeigten. Während kleinere Unternehmen und Startups sowie meist stark fragmentierte Konzerne auf die Cloud setzen, herrscht bei der breiten Masse von KMU nach wie vor Skepsis. Für Kleinstfirmen und Neugründungen, deren Kernkompetenz nicht in der IT liegt, zahlt sich der Anschluss an die Moderne schnell aus. So liefert beispielsweise die Wattwiler iBrows für Kleinstbetriebe Geschäftssoftware und Büroumgebungen übers Internet als Service. Initialinvestitionen entfallen und abgerechnet wird nur, was real genutzt wird.

Die Dienste aus der Wolke sind einfach auszubauen, sie stehen auch einem Wachstum nicht im Wege. Bei Grossunternehmen dagegen geht es meist um Effizienzsteigerungen in bestehenden Infrastrukturen. Mehr Sicherheit und Verfügbarkeit, gemanagte Plattformen für Anwendungen und Datenspeicher werden genauso wie moderne Kommunikationslösungen über Dienstleister bezogen.

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Nicht um jeden Preis

Ganz anders sieht die Situation bei bestehenden KMU aus. Sie haben funktionierende, auf sie zugeschnittene IT-Infrastrukturen im Einsatz. Bevor sie sich auf die Unwägbarkeiten von Novitäten wie Cloud-Services einlassen, müssen Probleme bei den traditionellen IT-Systemen vorliegen. Sie schrecken zudem vor der IT aus der Steckdose zurück, weil sie Zugriffs- und Kontrollmöglichkeiten abgeben müssen. Die Vorstellung von Abhängigkeiten von Dienstleistern ist nicht verlockend. Allerdings gibt es auch ganz pragmatische Gründe. Der Lebenszyklus von Geschäftssoftware beträgt hierzulande etwa 10 bis 15 Jahre. Wer vor einigen Jahren seine Informatik auf den neusten Stand gebracht hat, wird nicht ohne Not in neue Technik investieren.

Hinzu kommen technische Probleme, die vielfach nicht gelöst sind. Da Cloud-Services auf hochstandardisierten Angeboten, etwa für Geschäfts-Software, beruhen, müssen sie in die bei den KMU vorhandene IT-Architektur integriert werden. Es fehlt in den meisten KMU die Basis, um den Übergang in die neue, flexible Welt des Internet-basierten Bezugs aufzugleisen. Was die Benutzeroberfläche liefert, bildet nicht die Unternehmensdaten und -logik der alten IT-Welt ab. Ohne die architektonischen Voraussetzungen sind Schnittstellenprobleme beim Übergang in die Moderne programmiert: Kein Wunder, dass bekannte Schweizer Anbieter von Geschäfts-Software wie Sage oder Opacc - die über eigene Cloud-Angebote verfügen - ihre Umsätze weitgehend mit traditionellen Systemen generieren.

Das Experiment Cloud wagen

Die Marktanalysten von Forrester warnen davor, auf die mit dem Cloud Computing einhergehenden Innovationen zu verzichten. Warum aber möglicherweise schlechte Erfahrungen machen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt fertige Lösungen verfügbar sind? Die Frage ist laut Forrester falsch gestellt.

Wer meint, auf Erfahrungen verzichten zu können, so die Analysten, verschliesse sich künftigen Möglichkeiten. Richtig sei, dass derjenige Risiken eingehen müsse, der in seinem Unternehmen die Wachstumspotenziale der Cloud fürs Geschäft produktiv machen will.ste