Die jüngsten politischen und regulatorischen Entwicklungen bedeuten auch für den Privatbankenmarkt grosse Veränderungen. Eine Private-Banking-Studie von KPMG in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen (HSG) zeigt auf, dass sich die Banken inskünftig primär durch die Beratungsqualität ihrer Dienstleistungen und die Kundennähe differenzieren werden. Der international zunehmende Druck durch die Kriminalisierung der «Steuersünder» und der Trend hin zu «Tax Compliance» haben zweifellos dazu geführt, dass der Private-Banking-Markt Schweiz wieder an Attraktivität gewonnen hat. Und zwar so stark, dass auch der Margendruck erheblich zugenommen hat.

Zunehmender Wettbewerb

79% der Banken, die KPMG befragt hat, sind überzeugt, dass die wachsenden Risiken wegen der Steuervorschriften zu einer Konsolidierung der Privatbankenlandschaft führen werden. Während 57% der Befragten ein Wachstum eher ausserhalb der Schweiz erwarten, sind 43% der befragten Banken der Meinung, dass das Private Banking vorab innerhalb des Schweizer Marktes wachsen wird. Gleichzeitig sind 88% der befragten Banken überzeugt, dass durch die höheren Anforderungen hinsichtlich Beratungsqualität und Performance und wegen der Kosten zur Minimierung von Vorschriftenrisiken die Margen unter Druck kommen. Der Wettbewerb wird zweifellos zunehmen. Dies hat sich bereits darin gezeigt, dass mehrere, vorwiegend kleinere Privatbanken und Tochtergesellschaften ausländischer Finanzinstitute auf die neue Wettbewerbssituation reagiert und ihre Tätigkeit in der Schweiz entweder verkauft oder ganz eingestellt haben.

Die Studie zeigt klar auf, dass Privatbanken mit 10 Mrd Fr. an verwalteten Vermögen eine positivere Ausgangslage haben als kleinere. Es ist aber sehr wohl möglich, auch als kleiner Nischenplayer weiterhin erfolgreich die bisherigen Kunden zu beraten. Für diese Banken wird es inskünftig jedoch viel schwieriger werden, neue Kunden zu akquirieren, da ihnen der freie Marktzutritt im Ausland fehlt. Wir schätzen, dass sich aufgrund der Verschärfung der EU-Zinsbesteuerungsrichtlinien mit einer möglichen Abschlagsteuer oder - in einem Worst-Case-Szenario - mit dem automatischen Informationsaustausch die Profitabilität der kleineren Bankinstitute noch wesentlich verschlechtern wird.

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Sollten auch noch die Regulierungsdichte und Regulierungskosten weiter zunehmen, wird es für die zahlreichen kleineren Privatbanken tatsächlich sehr schwierig werden, das Privatbankengeschäft erfolgreich auszubauen. Doch die Zuversicht scheint intakt: 93% der befragten Banken beabsichtigen, in den nächsten drei Jahren weiterhin qualifizierte Kundenbetreuer zu rekrutieren. Zudem zeigt sich, dass grössere, im grenzüberschreitenden Geschäft (Crossborder) tätige Banken beste Voraussetzungen haben, um auch in einem verschärften Wettbewerb erfolgreich zu wachsen.

Kritische Grösse

Wir schätzen 10 Mrd Fr. an verwalteten Vermögen als Mindestgrösse für eine Privatbank. Sofern das Bankinstitut Crossborder-Aktivitäten betreiben will, sind mindestens 50 Mrd Fr. an verwalteten Vermögen unabdingbar. Gegenüber früheren Jahren verzeichnen die Banken eine Reduktion des Betriebsertrages pro durchschnittliches Kundenvermögen von zirka 15-20%. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Er bedingt auch ein entsprechendes Wachstum der Kundenvermögen oder aber eine entsprechende Reduktion der Kosten, sofern die Profitabilität beibehalten werden soll.

Konsolidierung

In welchem Ausmass es auf dem Bankenplatz zu Konsolidierungen kommen wird, ist schwierig abzuschätzen. Dies hängt von diversen Faktoren ab. Einerseits bleibt die Schweiz aufgrund der Standort- und Lebensqualität und der qualifizierten Kundenbetreuer ein wichtiger Garant für eine erfolgreiche Zukunft des Bankensektors. Andererseits ist das typische Schweizer Offshore Banking heute mit einer Vielzahl externer Risiken und Unwägbarkeiten behaftet. Stichworte sind das Steuerrecht einzelner Länder, der Trend hin zu Tax Compliance und die zunehmende Krimalisierung von Steuersündern. Es wird daher wichtig sein, dass die Schweiz bei politischen Verhandlungen mit der EU und mit OECD-Staaten darauf drängt, dass unseren Banken der freie Marktzugang gewährt wird. Die Schweiz wird zudem weitere internationale Standards erfüllen müssen. Aufsichtsrechtliche Auflagen der EU wie etwa die MiFID-Richtlinien werden in Zukunft vermutlich auch für Schweizer Banken gelten, sofern ihnen der freie Marktzugang gewährt werden soll.

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Höhere Transparenz

Wir stellen auch einen zunehmenden Trend fest, dass Kunden von den Steueramnestien Gebrauch machen und im Gegenzug auch Dienstleistungen im Private Banking wünschen, die den Erfordernissen der Steueroptimierung, aber auch der Steuerehrlichkeit entsprechen. Die erfolgreiche Anpassung des bisherigen Offshore Banking an die neuen Bedürfnisse des Private Banking braucht aber auch Zeit. Die neue Generation von Kundenberatern wird sich viel intensiver mit den spezifischen Bedürfnissen und der Steuersituation des Kunden auseinandersetzen müssen. Die KPMG-Private-Banking-Studie zeigt denn auch auf, dass die Kunden von 96% der befragten Banken eine höhere Transparenz und Verständnis der Bankprodukte und Dienstleistungen fordern.